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Yosry Alsallamin (l.) und Itamar Feigenbaum, die 'Combatants for Peace', erhielten den Preis für ihr Friedensengagement. Yosry Alsallamin (l.) und Itamar Feigenbaum, die "Combatants for Peace", erhielten den Preis für ihr Friedensengagement.

Bonn

„Wir kämpfen beide mit ganzem Herzen für Frieden“

Sie sind zwei vormalige Kontrahenten im Nahost-Konflikt. Nun werden sie zusammen ausgezeichnet - mit dem diesjährigen Friedrich Siegmund-Schultze-Förderpreis der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden.

Der ehemalige israelische Besatzungssoldat und der frühere palästinensische Molotowcocktail-Werfer, Itamar Feigenbaum und Yosry Alsallamin, nahmen den mit 4.000 Euro aus Spendengeldern finanzierten Preis stellvertretend für ihre Organisation "Combatants for Peace" in der Evangelischen Akademie im Rheinland in Bonn entgegen.

„Wir kämpfen beide mit ganzem Herzen für Frieden“, nahm der Israeli Feigenbaum Bezug auf den Namen der rund hundert aktive Mitglieder zählenden Initiative. Die Waffen aus der Hand zu legen und miteinander zu reden und so die anstehenden Probleme zu lösen, das sei der einzige Weg, die Besatzungspolitik endlich zu beenden.

Er habe die Entscheidung, in der aus ehemaligen israelischen Soldaten und palästinensischen Freiheitskämpfern bestehende Organisation mitzuwirken, erst gefällt, als er Familienvater wurde und die politischen Zusammenhänge im Studium verstanden habe, erinnerte sich Feigenbaum. Problematisch sei natürlich die in seinem Land weit verbreitete dogmatische Sicht, dass Menschen wie er antiisraelisch agierten.

Als Jugendlicher Steine geworfen

„Ich habe als Jugendlicher Steine auf israelische Panzer vor unserer Schule geworfen“, erinnerte der palästinensische Vertreter, Yosry Alsallamin. Er landete im Gefängnis und schloss sich danach noch der PLO-Organisation seiner Heimat an – bis er durch den Tod seiner Freunde zum Nachdenken kam. „Auch ich will mich seither nur noch für meine Familie einsetzen, damit wir in Frieden leben können“, sagte Alsallamin.

Der als Koordinator in Palästina Verantwortliche erklärte weiter, natürlich schlage ihm von seiner Umgebung einiges Misstrauen entgegen. „Aber das Gefühl, dass wir alle leben wollen, müsste doch das Wichtigste sein.“

Vorrang für zivile Konfliktbearbeitung

Renke Brahms, der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), gratulierte beiden. Die Gruppe erhalte den Preis, weil ihre friedensethische Grundidee sehr mit der Position der EKD übereinstimme. “Vorrang vor jeder militärischen Aktion muss die zivile Konfliktbearbeitung haben. Die Mitglieder der Combatants of Peace haben beispielhaft die Spirale der Gewalt durchbrochen“.

Das betonte Brahms auch vor dem Hintergrund der aktuellen Krise in der Ukraine. Mit dem 100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs verliehenen Preis werde man sich gerade in Deutschland bewusst, wie aus Fehlern der Vergangenheit zu lernen sei.

"Waffen weglegen lohnt"

Für die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden sprach in der Pressekonferenz vor der Preisverleihung deren stellvertretender Vorsitzender Jens Haupt. „Ich bin fasziniert davon, welche Impulse diese israelisch-palästinensische Gruppe zeigt: dass es sich nämlich lohnt, die Waffen wegzulegen und mit Gewaltverzicht an alternativen Lösungen des Nahost-Konflikts zu arbeiten.“

Die Preisverleihung ist verbunden mit dem Studientag "Dimensionen des Friedensprozesses in Israel / Palästina" in der Akademie, bei der auch Feigenbaum und Alsallamin referieren. Das heißt, die Teilenhmenden können mit ihnen ausführlich ins Gespräch kommen. Außerdem spricht u.a. auch ein Vertreter des Forums Ziviler Friedensdienst in Jerusalem.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Freitag, 9. Mai 2014. Die letzte Aktualierung erfolgte am Sonntag, 11. Mai 2014. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / ham, hbl / 09.05.2014



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