Perlen der Trauer

Klage und Ohnmacht, Liebe und Hoffnung

Tränen sind die Perlen der Trauer, heißt es oft. Eine kleine Kette soll Trauernden helfen, ihren Gefühlen Raum zu geben.  

Perlen der Trauer LupePerlen der Trauer

„Vor ziemlich genau einem Jahr hatte ich die Idee“, sagt Pfarrer Armin Beuscher. Nach dem Ewigkeitssonntag suchte er damals nach etwas handgreiflichem, um der Trauer nachgehen zu können. „Der Tod wurde immer weiter heraus gedrängt“, sagt er. In den großen Städten seien die Friedhöfe außerhalb.

Inspiration fand er in anderen Kulturen, etwa beim katholischen Rosenkranz oder den Perlenketten, die griechische und türkische Männer durch ihre Hände gleiten lassen. Vom schwedischen Bischof Martin Lönnebo kommen die „Perlen des Glaubens“, die inzwischen auch in Deutschland verbreitet sind.

„Wer trauert, der reiht die Gedanken immer wieder aneinander“, so Beuscher. „Zuweilen so als würde sich alles nur im Kreis drehen.“ Doch mit jedem Bewegen im Herzen, mit jedem Nachsinnen oder Bedenken der Hände verändere sich etwas, wenn auch unmerklich. „So wie die Perlen sich wenig aber doch verändern, wenn wir sie berühren und durch die Finger gleiten lassen“, erläutert der Theologe.

In zwei Stunden brachte Pfarrer Beuscher das Grundkonzept für die „Perlen der Trauer“ zu Papier. „Mit einem Verlag für pastorale Seelsorge und Gemeindematerialien entwickelte sich die Idee weiter“, berichtet der Kölner Pfarrer. Es bestand bereits eine Kooperation mit Familien aus Santander del Sur in Kolumbien. In einer Region ohne große Chancen auf andere Erwerbstätigkeit stellen die Familien mit viel Handgeschick kleine Produkte wie Armbänder her.

„Protestleute gegen den Tod“

„Die Kette werden jetzt in Kolumbien mit verschiedenen Samen gefertigt“, sagt Beuscher. Die Samen werden eingefärbt und mit einem elastischen Band verbunden. „Jede Kette ist dann ein Unikat“, so der Seelsorger. Die Perlen der Trauer lassen an die Tränen der Hinterbliebenen denken. „Sie stehen für all das Kostbare, das wir mit dem Abschied, mit der Trauer verbinden“, sagt er. In der Trauer findet der Seelsorger viele Aspekte: Die Klage, die Trauer und auch Wut gehören dazu, ebenso wie die Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit, die Liebe und die christliche Hoffnung.

Pfarrer Armin Beuscher Pfarrer Armin Beuscher

Die ersten Perlen der Kette sind schwarz und dunkel. Sie stehen für die Trauer, die Klage, die Ohnmacht und das Leid. Es gibt aber auch eine blaue Perle der Erinnerung. Grün steht für die Hoffnung. Die Perle der Stille ist gläsern und die Dankbarkeit golden. Die letzte Perle steht für die Auferstehung. „Wir Christen sind Protestleute gegen den Tod“, zitiert Beuscher den Theologen Christoph Blumhardt.

Pfarrer Beuscher geht es nicht um einen dogmatischen Umgang mit Trauer und Tod. „Neben der Traurigkeit sind immer auch andere Aspekte da“, sagt er. Vielleicht werde für den einen oder die andere auch nur eine bestimmte Perle besonders wichtig. Die Perlen der Trauer werden in einer Kassette mit einem Trauerheft ausgeliefert. Auf 30 Seiten sind Abbildungen der Perlen und Impulse abgedruckt.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Dienstag, 22. November 2011. Die letzte Aktualierung erfolgte am Dienstag, 24. Januar 2012. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / rtm / Foto: privat / 22.11.2011



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