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Pfingstfeuermäßig: das Zelt, das derzeit an verschiedenen Orten im Rheinland aufgeschlagen wird und für den Gedanken der Vielfalt wirbt. Foto: wir-wollen-vielfalt.de Pfingstfeuermäßig: das Zelt, das derzeit an verschiedenen Orten im Rheinland aufgeschlagen wird und für den Gedanken der Vielfalt wirbt. Foto: wir-wollen-vielfalt.de

Zum Pfingstfest

Pfingsten feiert Vielfalt

"Das Wehen und Brennen des Pfingst-Geistes führt ja gar nicht zu einer Einheitssprache zurück", schreibt Pfarrer Wolf Clüver im ekir.de-Pfingstbeitrag. Der Pfarrer für Inklusion erläutert, warum Pfingsten Vielfalt feiert.

Die Geschichte vom Pfingstwunder erinnert an den Geist Gottes, der die babylonische Sprachverwirrung beendet. So ist die Kirche entstanden. So habe ich es gelernt. Aber wenn man es genau nimmt, führt das Wehen und Brennen des Pfingst-Geistes ja gar nicht zu einer Einheitssprache zurück.

Die soll ja sowieso von Übel sein. Denn die Einheitssprache, das war das Projekt des babylonischen Imperialismus, gegen den die Hebräer die Geschichte vom gescheiterten Turmbau erzählten: Diejenigen, die anstelle Gottes auf der Erde herrschen wollen, auch mithilfe der Sprache, müssen am Ende auf die Trümmer ihrer Taten blicken.

Stattdessen stellt Gott die anfängliche Vielfalt der Sprachen wieder her, gibt den vielen Völkern ihre Eigenheiten und ihre Würde zurück. In der Pfingstgeschichte ist von einer Stimme die Rede, die „geschieht“. Mich erinnert das doch sehr an das Wort Gottes, das im Ersten Testament tausendfach „geschieht“, also nicht nur einfach zu hören ist.

Das geschehende Wort ist das Wort des Schöpfers. Das heißt, wenn er es ausspricht, entsteht Neues: Gott ist es, der die Kirche erschafft. Wahrscheinlich ist es also leichtsinnig zu erwarten, dass menschliche Vereinheitlichungs-Versuche zu kirchlicher Stabilität führen.

Beim Pfingstwunder ist eine einzige Stimme zu hören, aber jede und jeder hört sie im eigenen „Dialekt“ (Apg 2, 6). Ich glaube, das ist das Wunder: Ich höre und verstehe plötzlich alles, nicht trotz meiner Eigenheiten, sondern in meinen Eigenheiten, durch meine Eigenheiten: Ich höre und verstehe, weil es in mir in meinem „Dialekt“ nachklingt. So wie ich bin, bin ich gemeint, darf ich hören und soll ich weitersagen. Gott benutzt die Vielfalt, um die eine Stimme den Vielen zu Gehör zu bringen.

Wolf Clüver ist Pfarrer für Inklusion im Evangelischen Kirchenkreis Gladbach-Neuss.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Freitag, 6. Juni 2014. Die letzte Aktualierung erfolgte am Freitag, 6. Juni 2014. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / Wolf Clüver, Foto: wir-wollen-vielfalt.de / 06.06.2014



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