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Kooperation von rheinischer Kirche, Diakonie und Bundesagentur für Arbeit

Der „Nächste“ soll nicht langzeitarbeitslos werden

Pressemitteilung Nr.  142/2015

Junge Menschen, Flüchtlinge und Asylbewerber mit schlechten Startchancen vor dem Scheitern zu bewahren und Langzeitarbeitslosen neue Chancen zu eröffnen, sind die Ziele einer heute unterzeichneten Kooperationsvereinbarung der Evangelischen Kirche im Rheinland und der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe e. V. mit der NRW-Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit (BA). Vier Projekte mit unterschiedlichen Zielgruppen werden die Diakonie und die BA gemeinsam durchführen und finanzieren.


Ohne Chance, die Defizite im Zeugnis auf Dauer festgeschrieben, frustriert vom ewigen Genörgel zu Hause und im Jobcenter, kein Bock auf nichts – wie holt man Jüngere in ein helfendes System zurück, wie motiviert man Unmotivierte, das eigene Leben anzupacken? Oder minderjährige Flüchtlinge, allein auf den Weg geschickt in eine bessere Zukunft. Sie kommen aus einer anderen Welt, verstehen uns nicht, wir sie nicht, sie kennen weder Fahrkartenautomaten noch Behörden. Und wie qualifiziert man Unqualifizierte, die sich damit abgefunden haben, sich wenig zutrauen und das Scheitern erwarten?


Mit diesen Fragen beschäftigen sich Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, und Christiane Schönefeld, Chefin der NRW-Regionaldirektion der BA, täglich in ihrer Funktion. Nächstenliebe und Arbeitsmarktmanagement überschneiden sich: Dem Schwachen Wege bereiten. Aus den Fragen ergaben sich Antworten, daraus Konzepte, daraus vier konkrete Projekte und eine Kooperationsvereinbarung: Diese unterschrieben Rekowski und Schönefeld am 2. September in Düsseldorf.


„Die gemeinsamen Projekte geben Vielen Hoffnung. Sie sind ein Anfang der engen Zusammenarbeit zwischen den Agenturen für Arbeit, den Jobcentern und der Evangelischen Landeskirche hier in NRW, sie zeigen, wie eng die seelsorgerischen und arbeitsmarktpolitischen Anliegen verknüpft sind. Die Projekte geben Menschen konkrete Chancen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt, um in unserer Gesellschaft ihren Weg zu gehen“, sagte Schönefeld bei der Unterzeichnung. „Es gibt schon eine ganze Anzahl von Projekten und Initiativen, die für langzeitarbeitslose Menschen und mit ihnen arbeiten. Die Evangelische Kirche im Rheinland unterstützt seit 20 Jahren in Gemeinden Arbeitslosenberatungsstellen und diakonische Beschäftigungsträger. Aber das alles ist nicht genug. Unser Engagement als Kirche kann immer nur ergänzen und es soll anregen: Gemeinsam können wir noch mehr für die Menschen erreichen – als Gesetzgeber wie als Unternehmer“, stellte Präses Manfred Rekowski fest.


„Laborday“ ist der Arbeitstitel eines Projekts, das Jugendliche mit Startschwierigkeiten auf den Weg in eine Berufsausbildung und während der Ausbildung begleiten soll. Initiatoren sind das Jobcenter Köln und das Jugendwerk Köln. Ziel ist, jungen Menschen, die abseits des allgemeinen Werte- und Sozialsystems stehen und sich frustriert jeder Kontaktaufnahme durch Institutionen verweigern, neues Vertrauen zu vermitteln und ihnen einen Weg in die Gemeinschaft zu ebnen. Sie werden da angesprochen, wo sie sind, von Menschen, die ihre Sprache sprechen und ihre Nöte und Ängste akzeptieren. Aus Vertrauen wird Selbstvertrauen, und daraus wächst die Einsicht, Hilfen als solche zu erkennen und zu nutzen. Ein langer, aber hoffnungsvoller Weg.


Einen ähnlichen Ansatz verfolgt das Zentrum Bildung und Beruf Michaelshoven gGmbH (ZBB) in Köln gemeinsam mit der Agentur für Arbeit Köln und dem Bleiberechtsnetzwerk Chance. Spezielle Sprachkurse für Asylbewerber und Flüchtlinge sollen Menschen, die zwar über eine berufliche Qualifikation verfügen, aber ohne eine grundlegende Sprachkompetenz keine Chance auf Ausbildung oder Beschäftigung haben, einen Zugang zum Arbeitsmarkt eröffnen. ZBB und Diakonie stimmen sich zur Finanzierung der Sprachkurse von Flüchtlingen und Asylbewerbern ab, die weder an den staatliche geförderten Integrationskursen noch einem berufsbezogenen Sprachkurs (ESF-BAMF) teilnehmen können.


Noch im Aufbau befindet sich die Weiterbildung für geringqualifizierte Arbeitslose, die in fünf Qualifizierungsmodulen in Remscheid zur Fachkraft für Metalltechnik (Zerspanungstechnik) ausgebildet werden. Die begleitende Betreuung verantwortet die GESA gGMBH im Auftrag der Diakonie. Ziel ist, Geringqualifizierten die Chance auf eine Fachkraftausbildung anzubieten und sie über die Dauer der fünf Module zu motivieren und die Qualifizierung erfolgreich zu absolvieren. In Kooperation mit der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal, den Jobcentern in Wuppertal, Solingen und Remscheid sowie der Industrie- und Handelskammer finanziert die Evangelische Landeskirche die begleitende sozialpädagogische Betreuung. Sobald die Vorbereitungen abgeschlossen sind, kann die begleitende Betreuung beginnen.


Das vierte Projekt in Dortmund liegt zwar nicht im Gebiet der rheinischen Kirche, es fügt sich aber in die Projektlandschaft, die aus der praktischen Arbeit der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe erwachsen ist. Die Diakonie arbeitet NRW-weit, in Dortmund zusammen mit der westfälischen Landeskirche, die dieses Projekt auch finanziell trägt: Minderjährige unbegleitete Flüchtlinge werden landesweit zentral in Dortmund und Bielefeld betreut. Migrationssensibles Coaching der jungen Flüchtlinge soll ihnen einen Weg in den Alltag, die Kultur, die Ausbildungssysteme und die Gemeinschaft ermöglichen. Beratung und Unterstützung leisten Sozialarbeiter im Berufskolleg in Dortmund. Den langen Weg in der neuen Heimat gemeinsam zu gehen, ist der Ansatz.

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Düsseldorf / EKiR-Pressestelle / 02.09.2015



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