Jahresempfang der rheinischen und pfälzischen Kirche in Saarbrücken

Gegen negatives Gerede über Religion: Den Glauben wieder ins Gespräch bringen

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Pressemitteilung Nr. 75/2016 

Saarbrücken. Den Glauben immer wieder ins Gespräch zu bringen, das ist aus Sicht von Präses Manfred Rekowski die Aufgabe der evangelischen Kirche. Die Religion sei gegenwärtig negativ „ins Gerede gekommen“, sagte der Leitende Geistliche der Evangelischen Kirche im Rheinland am Dienstag in der Saarbrücker Johanneskirche. In seiner Andacht beim gemeinsamen Jahresempfang der rheinischen und der pfälzischen Kirche für Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Gesellschaft nannte Rekowski drei Beispiele:

Wenn Religion zur Begründung von Gewalt und Terror missbraucht werde, wie zum Beispiel durch den „Islamischen Staat“, dann werde sie von vielen Menschen als massive Bedrohung wahrgenommen. „Religiöse Abstinenz“ sei für sie daher der Weg zu einem gesellschaftlichen und politischen Frieden.

Wenn aus dem Ausland finanzierte und gesteuerte muslimische Verbände in Deutschland als Religionsgemeinschaften anerkannt werden wollten, dann drohten „notwendige Regelungen zur rechtlichen Anerkennung von muslimischen Religionsgemeinschaften in Sackgassen zu enden.“

Und wenn man mit der Verbannung von Kreuzen aus Gerichtssälen den Versuch verbinde, Religion aus dem öffentlichen Bereich zu verbannen, „wäre dies eine heikle Entwicklung für unsere Gesellschaft“, sagte Rekowski mit Blick auf die im März gefällte Entscheidung im Saarland, Kreuze aus den Gerichtssälen des Amtsgerichts zu entfernen.

Rekowski setzte diesen Entwicklungen den Glauben an einen menschenfreundlichen Gott entgegen. „Als Christenmenschen vertrauen wir darauf, dass unsere Mitmenschen und wir es mit Gott zu tun haben, der seine Güte nicht von uns wendet.“ Dieser Glaube sei „lebensförderlich und dient dem Zusammenleben.“ Wer zu Gott bete, gebe nicht auf, überlasse die Welt nicht sich selbst. Gebet und Glaube führten immer auch zur Tat. „Unser Christsein wird heute nur in zweierlei bestehen: im Beten und im Tun des Gerechten unter den Menschen“, unterstrich Rekowski mit den Worten des Theologen Dietrich Bonhoeffer. Wenn Religion und Glaube so ins Gespräch kämen, „dann ist das gut für unsere Gesellschaft und für unsere Welt.“

Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche der Pfalz, Christian Schad, erinnerte in seiner Ansprache an die reformatorischen Einsichten, die nicht nur Kirche und Theologie verändert hätten, sondern auch das private und öffentliche Leben bis in die Gegenwart prägten. Das reiche von der Entwicklung des universellen Rechts auf Glaubens- und Gewissensfreiheit bis zum Bildungs- und Demokratieverständnis, betonte der Kirchenpräsident. Die reformatorische Rechtfertigungsbotschaft sei "das Herzstück eines ungeahnten Freiheitsaufbruches".

Befreit davon, selber Gott spielen zu müssen, dürften die Menschen als endliche, fehlerhafte, fragmentarische Geschöpfe leben, "die geschwisterlich miteinander umgehen und den Zwängen, immer siegen zu müssen, entsagen", betonte Schad. Was für den Einzelnen gelte, habe auch im Blick auf die Gesellschaft Bedeutung. Eine Gesellschaft, die keine göttliche Rechtfertigung mehr kenne, produziere nur noch Rechthaber.

Kritik übte der Kirchenpräsident an der Tendenz, Menschen immer häufiger öffentlich an den Pranger zu stellen. Dies führe dazu, "dass wir aus Angst davor unter dem Zwang stehen, ohne Fehl und Tadel zu sein und meinen, uns selbst in der eigenen Hand bergen zu müssen". Dies könne jedoch nicht gelingen, "da wir nicht selber herstellen können, wovon wir eigentlich leben."

Das Jubiläum 2017 als ein kirchliches und ein kulturgeschichtliches Ereignis von Weltrang will nach Aussage von Kirchenpräsident Schad an die Grundeinsichten der Reformation erinnern. Dabei zeige man sich weltoffen und international, ökumenisch und selbstkritisch gegenüber der eigenen Geschichte. Schad dankte der Landesregierung, die „intensiv mit uns Kirchen und weiteren gesellschaftlichen Akteuren zusammenarbeitet, um das Jubiläumsjahr vorzubereiten. Hier zeigt sich das gute Miteinander an Blies und Saar“, sagte der Kirchenpräsident.

 

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Saarbrücken / EKiR-Pressestelle / 03.05.2016