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Präses Schneider legt der Landessynode heute seinen Bericht vor

Überzeugend von Gott reden, um den „Gotteshunger“ der Menschen zu stillen

Pressemitteilung Nr. 6/2011

Die Menschen haben „Gotteshunger“, und die Kirche muss diesen Hunger stillen. Das hat Nikolaus Schneider, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, am Vormittag bei der 62. Landessynode in Bad Neuenahr betont. Kirche müsse so von Gott reden, dass die gute Botschaft Herz und Verstand der Menschen erreiche. „Entscheidend für alle Versuche, angemessen und überzeugend von Gott zu reden, bleibt die biographische Verankerung unserer Rede. Die Rückbindung theologischer Sätze an eigene Lebens- und Gottes-Erfahrungen lässt Hörende ihren persönlichen ,Gotteshunger’ eher spüren als widerspruchsfreie gelehrte Vorträge“, so Schneider in seinem diesjährigen Präsesbericht. „Es ist von Glaubenden dann auch der Mut gefragt, von Anfechtungen und Zweifeln zu sprechen und den christlichen Glauben nicht als einen Besitz, sondern als einen Weg zu bezeugen.“

Dass der Atheismus in Deutschland lauter und aggressiver werde und der Islam „unbefangen und von Aufklärung und Religionskritik kaum irritiert“ in unserer Gesellschaft auftrete, sei ebenso Beschwernis wie Chance für das kirchliche Reden von Gott. Beides fordere heraus, Stellung zu nehmen und die eigenen religiösen Wurzeln und Glaubensinhalte neu zu reflektieren. „Wir Christinnen und Christen und unsere Kirche haben die Aufgabe und die Chance, von der Heiligen Schrift inspirierte Gottesvorstellungen und Lebenskonzepte zu vertreten und zu leben und darin ganz konkret ,missionarisch Volkskirche’ zu sein“, unterstrich der Präses vor den Mitgliedern des obersten Leitungsgremiums der rheinischen Kirche.

Blick auf die Themen in der Gesellschaft

„Was Aufgabe unserer Kirche ist, geben weder die aktuelle Medienberichterstattung vor noch Parteiprogramme jedweder Couleur“, so der 63-jährige Theologe und zitierte die Kirchenordnung. „Die Evangelische Kirche im Rheinland nimmt den ihr aufgetragenen Dienst im öffentlichen Leben wahr. Sie tritt ein für die Beachtung der Gebote Gottes, für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung und die Heiligung des Sonntages und der kirchlichen Feiertage.“ Dies sei die „Dienstanweisung“, der die Kirche folge, wenn sie sich auch zu Themen aus Gesellschaft und Politik äußere.

Präses Schneider warb für verstärkte Integrationsbemühungen. „Das Zusammenleben in unserer Gesellschaft ist so zu gestalten, dass einwandernde Menschen sich aufgenommen fühlen können, ohne dass die Aufnehmenden ihre Wurzeln und Traditionen verleugnen.“ Der Rechts- und Werterahmen, den das Grundgesetz darstellt, mache Integration gerade erst möglich. „Verschiedene Religionen und Kulturen erfahren durch ihn größtmögliche Freiheit in ihrem Zusammenleben“, stellte der rheinische Präses fest. Gelingende Integration solle aber nicht verschleiern: „Christlicher und muslimischer Glaube geben unterschiedliche Antworten darauf, was den ,Gotteshunger’ und den Lebenshunger der Menschen stillt. Zwar sind dem Geist Gottes keine Grenzen gesetzt, das Sehnen der Menschen nach Gott auch außerhalb der christlichen Kirchen zu stillen. Für mich aber gilt: Jesus Christus ist das rechte Brot und Wasser des Lebens für alle Menschen.“

Nicht nur Kirche für Arme, sondern Kirche mit Armen sein!

Mit großer Sorge sehe er, „dass der Staat sein ausgleichendes Handeln den Armen gegenüber vermindert, so dass die Kluft zwischen Arm und Reich größer wird“. Aber auch die Kirche selbst müsse darauf achten, keine solche Kluft entstehen zu lassen. Jesus Christus habe seinen irdischen Auftrag in den Worten verdichtet: „Armen wird das Evangelium gepredigt“ (Matthäus 11,5). Die Nachfolge Jesu Christi verpflichte die Kirche „in Mitleidenschaft und mit Leidenschaft“ zur Integration der Armen in Gesellschaft und Gemeinden: „Integration meint mehr, als dass Arme unsere Mildtätigkeit erfahren. Die Integration von Armen in unserer Kirche stellt auch Anforderungen an unser theologisches und liturgisches Reden, an unsere ,Gott-Sprache’. Unseren Glauben so zu bekennen und zu bezeugen, dass arme Menschen in unserer Kirche Heimat finden, sehe ich neben unserem diakonischen und sozialpolitischen Handeln als unverzichtbare Aufgabe. Wir dürfen nicht nur Kirche für Arme sein. Wir müssen Kirche mit Armen sein!“

Präses bittet Opfer von Gewalt in der Kirche um Entschuldigung

Nachdrücklich unterstrich der rheinische Präses, dass kein Mensch das Recht habe, im Namen Gottes Gewalt auszuüben: „Im Namen unserer Kirche bitte ich um Entschuldigung für alle Gewalt, die Menschen in kirchlichen und diakonischen Einrichtungen zugefügt wurde. Ich bitte die Opfer um Vergebung und halte fest: Wer immer Gewalttätigkeit als ein Liebe-volles Erziehungsmittel versteht, der hat von göttlicher und menschlicher Liebe nichts verstanden. Wer immer seine eigene Gewalttätigkeit damit legitimiert, die strafende Hand Gottes zu sein, der sündigt“, sagte er mit Blick auf gewalttätige Übergriffe in kirchlichen Einrichtungen und sexualisierte Gewalt.

Mehr zur Landessynode 2011 im Internet unter: www.ekir.de/landessynode

 

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 20. Januar 2011. Die letzte Aktualierung erfolgte am Donnerstag, 20. Januar 2011. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

Bad Neuenahr / EKiR-Pressestelle / 20.01.2011



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