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Vizepräses Pistorius predigte zum Gedenktag der Bücherverbrennung

„Es ist nicht die Kraft unseres Intellektes, die uns frei macht, sondern der Geist Gottes“

Pressemitteilung Nr. 99/2015 

An das christliche Verständnis von Freiheit hat der rheinische Vizepräses Christoph Pistorius in einem evangelischen Hochschulgottesdienst in der Aachener Annakirche am Sonntag, 10. Mai 2015, dem Gedenktag der Bücherverbrennung, erinnert. „Es geht hier um mehr, als dass ein Mensch sich kraft seiner Gedanken einen Freiraum schafft, sich Freiheit erkämpft oder gar ertrotzt. Es ist nicht die Kraft unseres Intellektes, die uns frei macht, sondern der Geist Gottes“, sagte Pistorius. Predigttext war ein Vers aus dem zweiten Brief des Paulus an die Korinther: „Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“ (2. Kor. 3,17). Leitmotiv des Gottesdienstes war das Lied „Die Gedanken sind frei“.


Pistorius zeigte, wie zentral Freiheit für das Leben der Menschen ist, wie sehr sie aber auch immer wieder gefährdet sei. Zum Beispiel in der Gesellschaft: „Wenn es nur noch um Effizienz geht, und wenn Menschen nur noch nach ihrem ökonomischen Wert angesehen werden, dann wünsche ich uns allen viele Gedanken, die das hinterfragten.“


Zum Beispiel im Optimismus der Forschung: „Angesichts ertrinkender Flüchtlinge im Mittelmeer, angesichts des weltweit immer größer werdenden Unrechts und der steigenden Ungerechtigkeit in der Verteilung der Mittel und der Chancen, angesichts der großen Zukunftssorgen der Menschen und der gesamten Erde ist mir das Vertrauen darein, dass das Denken allein mit den Fragen der Zukunft fertig wird, zu vollmundig.“


Zum Beispiel in der Emanzipation der Persönlichkeit: „Jeder Mensch soll sich seine Autonomie bewahren und selbstbestimmt leben“, so Pistorius, um aber auch kritisch fortzufahren: „Ich möchte nicht, dass das Lied ,Die Gedanken sind frei’ dazu verleitet so zu leben, als ob es nur mich auf dieser Welt gäbe.“


Gegen die Ambivalenzen des menschlichen Freiheitsstrebens, das zwischen Erfolg und Scheitern hin und her gerissen ist, vermittle der christliche Glauben ein Vertrauen in das Getragensein des Lebens, das sich auch auf die Verständnis von Freiheit auswirke: „Sie drückt sich aus in einer Gelassenheit gegenüber den Alltagssorgen. Und sie drückt sich aus in Offenheit und Toleranz, wenn Menschen anders denken, leben und glauben als ich. Und sie drückt sich aus in der Gewissheit, dass auch ein Leben mit Schuld eine profunde Hoffnung und Zukunftsperspektive hat. Dass es lohnt, auch in Phasen des Scheiterns oder der Krankheit einen Blick auf Lebensqualität zu bewahren. Und nicht zuletzt darin, dass ich weiß, dass mit dem Tod nicht das letzte Wort über einem Menschenleben gesprochen wird.“

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Düsseldorf/Aachen / EkiR-Pressestelle / 10.05.2015



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