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Vier Jahrzehnte Erfahrung: Auf dem Podium erschilderten die Pfarrerinnen Friederike Lamprecht (v.l.), Simone Enthöfer, Elisabeth Müller und Gisela Vogel ihre Erfahrungen. Vier Jahrzehnte Erfahrung: Auf dem Podium erschilderten die Pfarrerinnen Friederike Lamprecht (v.l.), Simone Enthöfer, Elisabeth Müller und Gisela Vogel ihre Erfahrungen.

Pionierinnen im Pfarramt (5)

Geschenk nach leidvoller Geschichte

Die Podiumsdiskussion am Ende des Festtags "Pionierinnen im Pfarramt" war der Moment, als Zeitzeuginnen das Thema noch einmal persönlich beleuchteten: Im Gespräch mit Moderatorin Bettina von Clausewitz kamen rheinische Pfarrerinnen aus vier Jahrzehnten zu Wort. 

Auftritt von vier Pfarrschwestern ganz unterschiedlicher Jahrgänge: Auf dem Podium saß die junge Friederike Lamprecht, die gerade mal im letzten Jahr ordiniert wurde und ganz frisch in einer Gemeinde arbeitet, neben Gisela Vogel, einer Frau, die in der rheinischen Kirche als Oberkirchenrätin selbst Geschichte schrieb.

1968, also lange vor der vollendeten Gleichstellung von Pfarrerinnen und Pfarrern in der Landeskirche, war Vogel schon Pastorin geworden, aber erst 1977 berechtigt, eine Gemeinde zu übernehmen. Und daneben saßen wiederum als konsequente Vertreterin feministischer Theologie Pfarrerin Elisabeth Müller, ordiniert 1990, und die heutige Landesjugendpfarrerin Simone Enthöfer, 1999 ordiniert.

„Heute Ruhe nach dem Sturm“

Wie sahen nun alle diese schon vom Alter und damit von der Ausgangslage her unterschiedlichen rheinischen Pfarrerinnen ihre Erfahrungen? „Also ich bin total glücklich, dass wir Frauen in unserer Kirche so weit wie heute gekommen sind“, sagte Gisela Vogel. Sie sei anfangs ja noch mit der bis 1973 wirksamen Zölibatsklausel für Pastorinnen konfrontiert gewesen. All das sei glücklicherweise längst Vergangenheit.

„Wir haben heute längst ein Stück Ruhe nach dem Sturm. Ich sehe das als Geschenk nach einer leidvollen Geschichte der Frauen auch in der Evangelischen Kirche“, betonte die ehemalige Oberkirchenrätin. Und 40 Jahre Gleichstellung von Frauen und Männern im Pfarramt heiße inzwischen längst, dass man einander zuhöre und voneinander lerne.

Den Generalschlüssel musste sie sich erst einmal erkämpfen

Nun ja, sie habe schon anfangs erfahren müssen, dass es offensichtlich nicht selbstverständlich war, als Frau auf die Kanzel zu streben, meinte Pfarrerin Müller. „Es gab doch beim Theologiestudium in Marburg wirklich Studentinnen, die bekannten, sie wollten sich da nur einen Ehemann fischen und dann Pfarrfrau werden.“ Außerdem habe sie sich als Pfarrerin in ihrer ersten Gemeinde dann erst einmal kraftvoll den Generalschlüssel erkämpfen müssen.

Das seien nun nicht mehr die Probleme der jüngeren Pfarrerinnen, bestätigten Lamprecht und Enthöfer. Aber es sei für sie in Zusammenarbeit mit den meisten viel älteren Pfarrkollegen nicht immer ganz leicht, „für voll“ genommen zu werden.

"Ich mache mein Ding"

„Ich kann aber damit umgehen. Ich bin einfach selbst auch ein Platzhirsch“, meinte Lamprecht, die Jüngste auf dem Podium, selbstbewusst. In Kooperation mit älteren männlichen Pfarrkollegen ließe sich oft die Weiblichkeit auch positiv nutzen, fügte sie schmunzelnd hinzu. „Ich mache einfach mein Ding. Ich mache denen keine Konkurrenz. Und sie mir keine.“

Ja, sie kenne das auch, dass Kollegen ihr in ihrer damaligen Gemeinde immer auf die Schulter geklopft hätten, bestätigte Enthöfer. „Mädchen, wenn Du Probleme hast, komm zu mir.“ Enthöfer lachte. Inzwischen ist sie ein paar Jahre weiter. „Jetzt würde mich das freuen, für ganz jung gehalten zu werden.“ 

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ekir.de / Ebba Hagenberg-Miliu, Foto Anna Siggelkow / 20.11.2015



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