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Podiumsdiskussion Podiumsdiskussion zur "Großen Transformation" mit (v.l.) Uwe Schneidewind, Marlehn Thieme, Uwe Becker, Ilka Werner und Moderatorin Julitta Münch.

Landessynode 2016

Zwischen Politik und Spiritualität

An den Vortrag von Prof. Dr. Uwe Schneidewind vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie schloss sich eine Podiumsdiskussion über die Große Transformation an.

„Ist Kirche die Speerspitze der Revolution?“, fragte Moderatorin Julitta Münch (WDR) zu Beginn der Diskussion über die Rolle der Kirche beim Umbau der Gesellschaft angesichts von Klimakatastrophe und Globalisierung.

Uwe Becker, bis vor kurzen Vorstandssprecher der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe und jetzt Professor für Diakoniewissenschaft Sozialethik und Verbändeforschung an der Evangelischen Fachhochschule Bochum, vermisste Beschäftigung mit konkreter Politik und deutliche Forderungen seitens der Kirche und erinnerte an die Verhandlungen zum Transatlantischen Freihandelsabkommen (TTIP): „Während wir hier sprechen, sind uns andere weit voraus und bringen konkrete Maßnahmen auf den Weg.“ Auch andere gesellschaftliche Kräfte wie Attac oder Occupy seien mit diesen Themen beschäftigt, aber da habe Kirche teils Berührungsängste. „Wir müssen darauf achten, dass wir nicht zu binnenkirchlich sprechen und agieren.“

Auch Marlehn Thieme als EKD-Ratsmitglied Vorsitzende des Rates der Bundesregierung für Nachhaltige Entwicklung stellte fest, die Vielzahl von Konflikten, die sich mit einem tiefgreifenden Umbau der Gesellschaft verbinden, müsse erst rational bearbeitet werden, damit man dann zu einer auch nach außen überzeugenden Spiritualität kommen könne.

"Wir müssen uns deutlich mehr trauen"

Ilka Werner, Superintendentin in Solingen und Mitglied der Arbeitsgruppe Große Transformation, stellte die Frage, warum Äußerungen von Kirche so häufig verhallten: „Wir müssen uns deutlich mehr trauen, nach unseren Wurzeln zu fragen und die Spannung einer Synode über die begrenzte Zeit hinaus halten.“

Beide Dimensionen müssten zusammenkommen, sagte Uwe Schneidewind, Präsident und wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal Institutes für Klima, Umwelt und Energie: „Man hat in der Kirche sehr viele Menschen, die diese spirituelle Kraft, diesen Kern, spüren. Wenn sie das jetzt verbinden mit einem differenzierten Blick auf das, was an gesellschaftlicher und politischer Veränderung stattfindet, können sie tatsächlich zu einer Speerspitze werden.“

Aus dem Publikum brachte Dr. Frank Vogelsang, Direktor der Evangelischen Akademie im Rheinland, die Kraft der Sprache in die Diskussion ein: „Tragfähige Bilder und Metaphern können Emotionen binden wie das mit ,Bewahrung der Schöpfung‘ gelungen ist. Wenn Kirche solche Begriffe findet, und die Bibellektüre könnte dabei helfen, ist schon viel gewonnen.“

Eine andere Perspektive auf Umbrüche bot Frauke Augstein von der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG). Der jungen Generation, sagte sie, fielen Veränderungen leichter, weil sie nichts Liebgewonnenes aufgeben müsse, sondern neu anfangen könne.

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ekir.de, roß / Foto: Hans-Jürgen Vollrath / 12.01.2016



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