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Unter Cranachs Augen: Die beiden Poetry Slammer Johannes Berger und Sira Busch (v.l.) traten gegen die Preacher Holger Pyka und Margarete Preis an. Unter Cranachs Augen: Die beiden Poetry Slammer Johannes Berger und Sira Busch (v.l.) traten gegen die Preacher Holger Pyka und Margarete Preis an.

Preacher Slam im Rahmen der Cranach-Ausstellung in Düsseldorf

Die reden nur

Modernes Redekunstformat wetteifert mit Jahrhunderte alter Predigttradition. Welt trifft Religion. Poetry Slammer treten gegen Preacher an: Zum Rededuell hatte das Museum Kunstpalast in Düsseldorf gebeten – als Begleitveranstaltung zur aktuellen Cranach-Ausstellung. Zwei Preacher und zwei Poetry Slammer maßen sich in Redekunst.

Das Publikum ist die Jury: Preacher Slam im Museum Kunstpalast. Das Publikum ist die Jury: Preacher Slam im Museum Kunstpalast.

Das Publikum genoss diese Unterhaltung auf hohem Niveau und trug mit Applaus und Wertungen zum Gelingen des Abends bei. Und wenn ein Poetry Slam auch ein Wettbewerb ist, bei dem selbstverfasste Texte in begrenzter Zeit vorgetragen und vom Publikum bewertet werden, so stand für die Slammer doch der Spaß am Auftritt und an den Texten der anderen Teilnehmenden im Vordergrund.

Pfarrer und Prädikantin sind das Predigt-Team. Pfarrer und Prädikantin sind das Predigt-Team.

„Die Bandbreite der Texte, diese Mischung war einfach toll“, meinte Margarete Preis, die als Prädikantin aus Düsseldorf-Urdenbach auf Seiten der Preacher am Redekräfte-Messen teilnahm und den Austausch mit den anderen Slammern sichtlich genoss.

Partner in ihrem Preacher-Team war Holger Pyka, Pfarrer in Wuppertal in der Gemeinde Uellendahl-Ostersbaum. Wie Margarete Preis hat er bereits viel Erfahrung nicht nur im Predigen, sondern auch in Sachen Poetry Slam. Gemeinsam traten sie gegen Sira Busch, die Mathematikstudentin aus Münster gilt als eine der vielseitigsten Poetry-Slammerinnen in NRW, und Johannes Berger, Slam-Poet und Musiker aus Hannover, 2014 deutschsprachiger U20-Meister.

Zunächst kam die Pflicht: In der ersten Wettbewerbs-Runde ging es um Luther. Die beiden Frauen und Männer mussten in maximal sechs Minuten einen selbstgeschriebenen Text über den Reformator vortragen.

Margarete Preis startet mit Luther, Cranach und Facebook. Margarete Preis startet mit Luther, Cranach und Facebook.

Mit „Luther, Cranach und Facebook“ ging Margarete Preis an den Start und schilderte „Teatime“ im Himmel: Gott, der - im elektronischen Tablet stöbernd - mit seiner besseren Hälfte Sophia auf dem Sofa sitzt, eine Portion „Tee-ologie“ genießt und sich mit ihr über den Reformator und seine Wirkung austauscht.

Johannes Berger sorgt für Johannes Berger sorgt für "Luther bei die Fische".

„Luther bei die Fische“ forderte als nächstes Johannes Berger, der dem Publikum eine Szene beim weihnachtlichen Festessen einer Großfamilie schilderte: Wo der gerade erwachsene Enkel mit dem Satz „Luther war Antisemit“ provozieren will, daraufhin aber vom erzürnten Großvater ordentliche Gegenrede erhält. Nicht, weil dieser das abstreitet, sondern weil er vom Enkel erstmal eigenes Engagement gegen die Ungerechtigkeit in der Welt erwartet.

Holger Pyka erzählt rückwärts. Holger Pyka erzählt rückwärts.

Mit einem „Rückwärtstext“ trat Pfarrer Holger Pyka an: Beginnend am Tag nach dem Reformationsjubiläum 2017, an dem die Welt im Chaos versinkt, der Geist Gottes auf dem Wasser schwebt und sich Gedanken über Luther-Badeenten machen muss, die nur auf der Seite liegend schwimmen können. Welche menschlichen Kräfte und vor allem niederen Beweggründe für diese Endszene eine Rolle spielen, wird in der Rückschau klar.

Sira Busch schaut auf die Luther-Biografie. Sira Busch schaut auf die Luther-Biografie.

Um Luthers Leben ging es abschließend bei Sira Busch. „Wenn man erstmal seine Biografie liest, klingt das alles gar nicht so erfolgreich“, leitete die Studentin ihren ironischen Abriss über den Werdegang des Reformators ein.

Nach der ersten Runde haben die Preacher die Nase vorn, stellt Slam-Leiter Bernard Hoffmeister fest. Nach der ersten Runde haben die Preacher die Nase vorn, stellt Slam-Leiter Bernard Hoffmeister fest.

Die erste Runde ging recht deutlich an die Preacher. Gemeinsam erhielten sie 53 Punkte der Jury, für die sich fünf Besucher zu Beginn des Abends spontan gemeldet hatten. Das waren elf Punkte mehr als die Poetry Slammer einfahren konnten. Doch nach der Pflicht kam ja die Kür.

In der zweiten Hälfe trugen die vier Wettstreitenden Texte zu Themen ihrer Wahl vor – und das Team von Sira Busch und Johannes Berger war ganz in seinem Element. Während die Mathematikstudentin mit einem witzigen Plädoyer für ein Studium mit weniger Druck und Stress, dafür aber mehr Zeit, Persönlichkeit zu entwickeln, punktete, kam Johannes Berger mit einem Lamento gegen zu viel – verordnetes – „immer gut drauf sein müssen“ gut bei den Zuschauerinnen und Zuschauern im Kunstpalast an.

Margarete Preis brachte das Publikum mit einer zweiten Portion „Tee-ologie“ zum Nachdenken. Holger Pyka sinierte darüber, was der Satz des Kunden im Dönerladen  „Döner mit allem, aber ohne scharf“ bedeutet, wenn man ihn aufs Leben überträgt.  Der Wunsch nach einem Leben ohne alles Unangenehme?

Damit holte Pyka die meisten Punkte in der zweiten Runde, die aber insgesamt sehr ausgeglichen ausfiel. Alles in allem gingen somit die Preacher als Sieger aus dem Rededuell hervor. Doch im Einzel, das Sira Busch und Holger Pyka anschließend noch als Zugabe austrugen, lag die Poetry Slammerin aus Münster mit leichtem Vorsprung vorne.

Unverbiestert

Ende gut, alles gut? „Das hat richtig Spaß gemacht“, resümierte Johannes Berger. Das Niveau solcher Wettbewerbsabende sei nicht immer so hoch und das Publikum sei angenehm durchmischt gewesen. „Pfarrer können eben Texte schreiben“, lautete Sira Buschs fröhlich vorgetragenes Fazit.

Margarete Preis pries den Austausch mit den anderen Teilnehmenden und den Spaß an deren Texten an. Holger Pyka freute sich über den guten Kontakt zum Publikum, der an diesem Abend möglich war, die grundsätzliche Tatsache, dass man bei einem Slam Menschen mit Texten erreichen kann und dass es bei dieser Art von Wettbewerb nicht verbiestert zugehe.

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ekir.de / Alexandra Stoffel, Fotos: Gerald Biebersdorf / 28.04.2017



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