Uni vergibt Schülerpreis

Überraschung im Festsaal

Religionsunterricht kann fesseln. So stark, dass eine 16-Jährige den EKD-Ratsvorsitzenden interviewt und damit den Facharbeitspreis Religion der theologischen Fakultäten der Universität Bonn gewinnt.

Kathrin Herres schrieb über Leiderfahrungen eine Facharbeit und erhielt dafür den zweiten Preis der theologischen Fakultäten der Universität Bonn. LupeKathrin Herres schrieb über Leiderfahrungen eine Facharbeit und erhielt dafür den zweiten Preis der theologischen Fakultäten der Universität Bonn.

Sie habe Präses Nikolaus Schneider um ein Interview gebeten, "weil ich bei meinem Thema sein Buch verwendet habe“, erzählt Kathrin Herres. Die Elftklässlerin des Siegburger Anno-Gymnasiums meint das Buch „Wenn das Leid, das wir tragen, den Weg uns weist“, das Schneider nach dem Tod seiner Tochter Meike gemeinsam mit Ehefrau Anne schrieb. „Und da mailte mir Herr Schneider total nett zurück, natürlich wolle er mit mir reden“, berichtet die Schülerin.

Preisübergabe durch die Professoren Günter Röhser (r.) und Claude Ozankom. LupePreisübergabe durch die Professoren Günter Röhser (r.) und Claude Ozankom.

Flugs präparierte sie sich mit Fragen - und überzeugte mit dem Resultat auch eine Preisjury katholischer und evangelischer Theologen: Kathrin konnte sich nun an der Bonner Universität den zweiten Preis beim Schülerfacharbeitswettbewerb Religion 2012 abholen. Und das sozusagen mit Nikolaus Schneider „im Gepäck“.

Wenn man Jugendliche frage, ob sie an Gott glauben, erhalte man oft die Antwort, dass es Gott wegen des vielen Leids auf der Welt nicht geben könne, erklärt Kathrin ihr Thema. „Und weil ich an Gott glaube, wollte ich eine genauere Antwort finden.“ Im Vergleich zog sie zwei aktuelle Bücher von Eltern heran, denen das schlimmste Leid überhaupt widerfahren war: ihr Kind zu verlieren. Dem Buch eines jüdischen Rabbi stellte Kathrin das der Eheleute Schneider entgegen und arbeitete Parallelen, Schnittpunkte und Gegensätze heraus. Alle Autoren hatten um ihre todkranken Kinder gekämpft und auf schmerzvolle Weise verloren, dabei aber unterschiedliche Glaubensschlüsse gezogen. Die Kathrin im direkten Gespräch mit Nikolaus Schneider noch einmal ohne Scheu auslotete.

Kathrin Herres mit ihrem Interviewpartner Präses Nikolaus Schneider. LupeKathrin Herres mit ihrem Interviewpartner Präses Nikolaus Schneider.

Inwieweit das entsetzliche Leid seine Gottesbeziehung verändert habe, fragte die Schülerin den Ratsvorsitzenden direkt. „Bis zum Tod meiner Tochter habe ich Gott eigentlich nur als den richtig lieben Gott erlebt. Aber seither kenne ich ihn auch als für mich unverständlichen fernen Gott.“ Er habe begriffen, dass Gott Liebender und Allmächtiger sei. „Wir wissen nicht wie. Logisch ist es nicht. Aber Gott ist eben mehr als unsere Logik“, antwortete Schneider. Ob Gott den Menschen mit Leid strafen wolle, der Verlust eines geliebten Menschen also einen Gottesbeweis darstelle, war eine weitere Frage der Schülerin. Die Schneider sofort verneinte.

„Gegen diese Art göttliche Pädagogik habe ich was“, betonte er. Er glaube nicht, dass Gott solch eine zynische, schreckliche, grausame Pädagogik benutze. Vielmehr sei er sicher, Gott ist auf der Seite derer, die Leid tragen. „Wir wurden im Fallen gehalten. Das gilt für meine Tochter, das gilt auch für uns“, erklärte Nikolaus Schneider. Und dabei habe sie Tränen in seinen Augen gesehen, sagt Kathrin im Rückblick. „Er war total authentisch. Er hat sich nicht geschämt.“

Womit die Schülerin bei der Preisjury punktete. Kathrins Arbeit sei das ideale Beispiel einer gymnasialen Facharbeit. Dazu habe sie mit großem persönlichem Engagement das schwierige Thema durch ein selbständig geführtes, sehr persönliches Interview vertieft. Was Kathrin natürlich freut. „Obwohl, ich saß bei der Verleihung ja total ahnungslos im Uni-Festsaal“, lacht sie dann. Nur dass plötzlich sogar ihr Opa aus Berlin mit im Publikum auftauchte, das habe sie gewundert. „Und plötzlich war ich auf Platz zwei.“

Dritter Preis für Schüler des Bodelschwingh-Gymnasiums Herchen

Und noch ein Bezug zur Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR): David Mennekes vom Bodelschwingh-Gymnasium Herchen, einer der Schulen der EKiR, erhielt den dritten Preis. Sein Thema lautete: "Die Gottesbeweise - Kann man Gott mit der menschlichen Vernunft beweisen?" David habe sich einem anspruchsvollen und traditionsreichen Thema gewidmet, so die Jury. Sie lobt seinen souveränen Umgang mit dem theologischen Stoff, die Durchdringung der theologischen Thematik. Die kenntnisreiche und reflektierte Auseinandersetzung mit dem "scheinbar anachronistischen Thema" Gottesbeweis führe ins "Zentrum" des christlichen Glaubens: "Gott ist die Liebe."

Den ersten Preis erhielt der Schüler Christopher Nicolaus aus Bornheim für seine Facharbeit "Neurobiologie und Glauben - Müssen wir glauben?"

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Dienstag, 5. Juni 2012. Die letzte Aktualierung erfolgte am Mittwoch, 6. Juni 2012. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / ham, neu, Fotos privat/Uni Bonn / 05.06.2012



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