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Pavel Büchler: The Problem of God, 2007, Gefundenes Buch und Vergrößerungsglas. © Pavel Büchler / Kunstsammlung NRW Pavel Büchler: The Problem of God, 2007, Gefundenes Buch und Vergrößerungsglas. © Pavel Büchler / Kunstsammlung NRW

Ausstellung in Düsseldorf

Kunst kreist um "Problem Gott"

„The Problem of God“ (Das Problem Gott) heißt eine Ausstellung, die noch bis 24. Januar 2016 in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, genauer im K21 Ständehaus in Düsseldorf zu sehen ist. 

Ein zugeschlagenes Buch, zwischen dessen Seiten ein riesiges Vergrößerungsglas liegt. Es legt nur ein einziges Wort als sichtbaren Teil des Buchinhalts offen. Und das spiegelverkehrt: „Invisible“ - unsichtbar. Dieses Werk stammt vom tschechischen Künstler Pavel Büchler und ist namensgebend für die gesamte Ausstellung, es trägt den Titel „The Problem of God“.

Gott ist unsichtbar, das ist der Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit dem Glauben und bei der Begegnung mit Menschen, die glauben. Es ist auch das Grundproblem, denn was nicht sichtbar ist, ist für viele schwer zu verstehen und zu akzeptieren.

Für Kuratorin Isabelle Malz war dieses Werk der konzeptionelle Ausgangspunkt der Schau. „Mir gefielen der vielschichtige Charakter und die intelligente Sprengkraft, mit der es sich in humorvoller Leichtigkeit dem grundsätzlichen Problem, das mit dem Glauben verbunden ist, annähert“, sagt Malz über Büchlers Beitrag.

Ohne Klöppel

Um Büchlers Werk im unteren Ausstellungsraum des Ständehauses zu sehen, muss die Besucherin oder der Besucher die Treppe ins Untergeschoss hinuntergehen. Dabei schreitet man unter einer großen Bronzeglocke durch, der jedoch ein entscheidender Teil zu ihrer Funktion fehlt: der Klöppel. Zwar bewegt sich die Glocke zur vollen Stunde, läuten kann sie dabei aber nicht. „For Whom“ – „Für wen?“ – hat der belgische Künstler Kris Martin dieses Projekt genannt.

Es ist ein typisches Beispiel für die Werke, die in der Ausstellung gezeigt werden. Denn die Glocke ist nicht nur ein Toninstrument, sondern ihre große Bedeutung in Europa erlangt sie vor allem durch ihren christlichen Gebrauch, als Aufruf zum Gottesdienst oder zum Gebet. Zusätzlich gibt ihr Geläut die Stunde an und gliedert den Tag. Bei Kris Martin ist sie allerdings verstummt und jeder Wirkung beraubt.

Wie hat sich christliche Bildsprache und Symbolik als Kulturgut in einem säkularen, also nicht religiösen Zusammenhang weiter entwickelt? Darauf geben die rund 120 Werke von 33 internationalen Künstlerinnen und Künstlern in dieser Schau unterschiedliche und vielschichtige Antworten. Gezeigt wird eben keine sakrale Kunst, die auch in Kirchen hängen könnte, sondern weltliche Gegenwartskunst, die aber die christliche Bildsprache als wichtigen Bestandteil unserer Kultur benutzt, in neue Zusammenhänge bringt und damit Fragen aufwirft.

Vielfältige Zugänge

„Die Künstler nähern sich mit ungeheuer vielfältigen Zugängen dem Thema. Genauso vielfältig werden die Zugänge der Besucher sein“, verspricht Dr. Marion Ackermann, die Direktorin der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Die Konzentration liegt auf der Kunst der vergangenen 25 Jahre. Zu sehen sind neben Gemälden und Skulpturen auch Videos, Filme, Fotografien, Papier- und Glasarbeiten sowie komplexe, zum Teil extra für die Ausstellung geschaffene Rauminstallationen.

Als „Matrix für die Ausstellung“ bezeichnet Kuratorin Isabelle Malz eine Auswahl von Bild- und Kunstwerken aus der Fotografischen Sammlung von Aby Warburg. Der 1929 verstorbene Kunsthistoriker hatte zahlreiche Abbildungen von Kunstwerken gesammelt, um die versteckten Bezüge ihrer Motive zu erforschen. Im K21 sind nun einige Abbildungen zu sehen, die Warburg unter dem Stichwort „religiöse Ikonographie“ eingeordnet hatte.

Abwechslungsreich sind die Themen, die die Künstlerinnen und Künstler aufgreifen: körperliche Leidens- und Schmerzerfahrungen, die Suche nach dem nicht-Darstellbaren, Unsichtbaren, eine humorvolle und kritische Beschäftigung mit manchen Aspekten von Religion und Glauben oder auch die Auseinandersetzung mit aktuellen Fragen von Politik und Gesellschaft.

Verstärkte Beschäftigung mit Religion

Tatsächlich beobachtet Malz, dass sich Künstlerinnen und Künstler wieder verstärkt mit Religion beschäftigen, und vermutet mehrere Ursachen. „Eine davon ist, dass in Politik und Medien das Thema Religion derzeit allgegenwärtig ist, weniger jedoch unter theologischen Gesichtspunkten, sondern als gesellschaftspolitisches Ereignis“, sagt sie.

Ein Auslöser für die aktuelle Präsentation ist das Jubiläum 50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil. Es bewirkte 1965 nach mehrjährigen Beratungen eine Öffnung der katholischen Kirche zur Gesellschaft – und damit auch zur Kunst. Diese Anregung hatte die Deutsche Bischofskonferenz an die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen gegeben. Finanziert wird die Ausstellung jedoch von weltlicher Seite: Die Kulturstiftung des Bundes, das Familienministerium NRW und der Verein Ausstellungshaus für christliche Kunst fördern.

Umfangreiches Begleitprogramm

Flankiert wird „The Problem of God“ von einem umfangreichen Begleitprogramm. Vorträge, Gespräche, Führungen, aber auch eine Theateraufführung, Kunstpilgern, ein Konzert, Familientage, Ferienworkshops und eine zweitätige Konferenz in Kooperation mit der Deutschen Bischofskonferenz bieten zahlreiche Möglichkeiten, sich mit dem Thema auseinander zu setzen.

Erstmals gibt es neben dem üblichen Multimedia-Guide auch einen Audio-Guide in leichter Sprache. Dieser richtet sich vor allem an Menschen mit Lernschwierigkeiten und geringen Deutschkenntnissen.

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ekir.de / Alexandra Stoffel / 05.10.2015



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