EKiR von A-Z
EKiR von A-Z Themen, Arbeitsfelder, kirchliche Einrichtungen von A-Z mehr

Haiti-Projekt Sie wollen gerne in Landwirtschaft, Sanitärhandwerk und Pflege arbeiten: Jean-Rene Simon und Jean Romain Avril (2.u.3.v.li.) sowie Milca Dieujuste (6.v.re.) mit Pfarrer Roland Kühne (re.) in Haiti.

Haiti-Projekt

In Kempen für den Wiederaufbau lernen

Eine enge Verbindung zwischen Menschen vom Niederrhein und aus der Karibik besteht seit fünf Jahren: Seit 2011 helfen Kempener Berufsschülerinnen und Berufsschüler beim Wiederaufbau nach dem Erdbeben in Haiti. Nun planen drei Haitianer ein Praktikum in Deutschland. Pfarrer Roland Kühne kümmert sich um Visa und Spenden. 

Ihr Weg nach Deutschland wird kein leichter sein: Bevor die drei Haitianer Milca Dieujuste, Jean-Rene Simon und Jean Romain Avril in diesem Sommer ein Praktikum im niederrheinischen Kempen antreten können, sind noch einige bürokratische und finanzielle Hürden zu nehmen. Roland Kühne hilft derzeit dabei, der jungen Frau und den beiden Männern den Aufenthalt zu ermöglichen. Kennengelernt hatte der Pfarrer am Rhein-Maas-Berufskolleg in Kempen die drei durch ein Hilfsprojekt, bei dem er und zahlreiche Berufsschülerinnen und Berufsschüler seit 2011 tatkräftig beim Wiederaufbau in Haiti mithelfen.

Erdbeben machte Millionen obdachlos

Durch ein Erdbeben der Stärke sieben war die Region um die Hauptstadt Port-au-Prince des karibischen Inselstaats Haiti vor sechseinhalb Jahren verwüstet worden. Das Unglück kostete etwa 300.000 Menschen das Leben und machte fast zwei Millionen Bewohner obdachlos. „In meinen Berufsschulklassen entwickelte sich damals die Bereitschaft, die Handwerkskraft und die erlernten Fähigkeiten für den Bau von Häusern in Haiti einzusetzen“, berichtet Roland Kühne. Sechs Mal sind mittlerweile Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und der Pfarrer in Haiti gewesen. Sie haben an einem Haus im Lehrerausbildungszentrum in Liancourt mitgebaut und wirken seit 2014 zusammen mit Haitianern beim Gebäudebau für obdachlose Jugendliche und Waisen in Les Cayes mit.

Wissen in Deutschland erwerben

„Dabei arbeiten wir Hand in Hand mit Jean-Rene Simon, Jean Romain Avril und Milca Dieujuste und haben sie als sehr engagierte Menschen kennengelernt“, sagt Pfarrer Kühne. Der 42-jährige Jean Romain Avril möchte nun in Deutschland in einem Installationsbetrieb sein Wissen erweitern, Jean-Rene Simon (38) will gerne in der Landwirtschaft lernen, und der Wunsch von Milca Dieujuste ist eine Ausbildung in der Kinderkrankenpflege. Wegen eines Praktikums für die 25-Jährige ist Roland Kühne derzeit im Gespräch mit dem Johanniter-Krankenhaus in Bonn. „In Kempen gibt es viele Betriebe, die unser Haiti-Projekt unterstützen, sodass wir auch für die beiden Männer schnell Praktikumsplätze finden werden“, meint Roland Kühne.

Visa kosten Zeit und Geld

Nicht so schnell auf den Weg zu bringen, sind jedoch die Visa für die drei Haitianer. „Die deutsche Botschaft in Port-au-Prince stellt keine Visa aus, dafür fehlt ihr das Personal“, erklärt der Pfarrer. So müssen die Ausreisewilligen in die Dominikanische Republik auf der anderen Seite der Insel gelangen und bei der deutschen Botschaft in Santo Domingo ihr Visum beantragen. „Das bedeutet für unsere Freunde eine bis zu achtstündige Reise mit dem Bus“, erklärt Roland Kühne. Und die müsse ebenso bezahlt werden, wie die biometrischen Fotos für die Visa, die zudem nur ein einziger Fotograf in Haiti anfertigen könne.

Dafür sowie für die Reise der drei Haitianer an den Niederrhein bitten Pfarrer Kühne und die Evangelische Kirchengemeinde Kempen nun um Spenden. Für den Flug nach Deutschland rechnet der Pfarrer mit Kosten von etwa 800 Euro pro Person. Die Krankenversicherung von 100 Euro pro Kopf und Monat für die drei Haitianer will die Evangelische Kirchengemeinde Kempen übernehmen. Die Gemeinde hat ebenso die für die Visa notwendigen Empfehlungsschreiben und Einladungen für Milca Dieujuste, Jean-Rene Simon und Jean Romain Avril geschrieben.

Wer spricht gut und gerne Französisch?

Notwendig sei außerdem, dass die Ausreisenden Familie in Haiti haben, erklärt Pfarrer Kühne. „Damit wird ein Stück weit ihre Rückreise aus Deutschland nach dem Praktikum gesichert.“ Doch dass die drei Haitianer nicht mehr in ihr Heimatland zurückkehren wollen, sei auch gar nicht anzunehmen, meint der Theologe. „Sie möchten viel mehr bei uns Wissen erwerben, um ihr Land weiter aufzubauen.“ Und damit sie am Niederrhein viel lernen, sucht der Pfarrer ehrenamtliche Dolmetscher, die gut und gerne französisch sprechen.

Dolmetscher und Dolmetscherinnen, Spenderinnen und Spender sowie an dem Hilfsprojekt Interessierte können sich gerne bei Pfarrer Roland Kühne unter Telefon 02152 557094 melden. 

Facebook, Twitter und Google+ einschalten
Seite drucken Seite versenden

 

ekir.de / Sabine Eisenhauer / Foto: Haiti-Projekt / 20.05.2016



© 2017, Evangelische Kirche im Rheinland - EKiR.de
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung.