EKiR von A-Z
EKiR von A-Z Themen, Arbeitsfelder, kirchliche Einrichtungen von A-Z mehr

Papst Benedikt XVI. (l.) betet in aller Ruhe das Abendgebet, Papst Franziskus wird unruhig: Prot's-Sitzung 2016 mit Heribert Rösner (l.) und Detlev Prößdorf. Papst Benedikt XVI. (l.) betet in aller Ruhe das Abendgebet, Papst Franziskus wird unruhig.Bild-Download

Evangelische Karnevalssitzung

Schärfer, bissiger, politischer

Prot's-Sitzung 2016: schärfer, bissiger, politischer. Und hin und wieder immer mal ein Hauch von Loriot. Die Grundidee: Auf einer außerordentlichen Synode wird Martin Luther auf sein jeckes Potenzial untersucht. 

Leitung der Synode (v.l.): Schatzmeister (Heribert Rösner), Präses (Detlev Prößdorf) und Ehrenamtliche (Dorothee Schaper). Leitung der Synode (v.l.): Schatzmeister (Heribert Rösner), Präses (Detlev Prößdorf) und Ehrenamtliche (Dorothee Schaper). Bild-Download

Ein Jahr vor dem Jubiläum "500 Jahre Reformation" leiten Präses Pfarrer Alfons Bökelmann (Detlev Prößdorf), Schatzmeister Dr. Bernwald Geldner (Heribert Rösner) und die Ehrenamtliche Ester Schmitz (Dorothee Schaper) die Synode. Das Ergebnis gleich vorweg: Am Ende wird der Reformator mit dem höchstmöglichen protestantischen Orden ausgzeichnet: Er ist ab sofort Prot's-Löffel-Träger ehrenhalber. Mehr geht wirklich nicht.

Zu Beginn der Synode macht Ester Schmitz darauf aufmerksam, dass die ganze Sache gut protestantisch einem guten Zweck dient: "Je mehr Sie trinken, umso rosiger wird Ihr Gesicht und auch die Zukunft der evangelischen Jugend und der Arbeit des Flüchtlingsrates. Die bekommen den Erlös der Synode." 

Ein Flüchtling im eigenen Land ist die "Ecclesia semper reformanda", die vor ihrem 500. Geburtstag von Wittenberg nach Köln geflohen ist. Denn wie das so ist, wenn sich das Alter nullt: Es kommen auch die entfernten Verwandten, und man befürchtet Streit.

Der immer zu reformierenden Kirche graut es vor dem orthodoxen Großonkel, "der immer was zu meckern hat", und vor der anglikanischen "Cousine, die sich immer für was Besseres hält". "Ach", seufzt die Jubilarin, "und freien Evangelischen kommen nicht, wenn die evangelischen Freien kommen. Und umgekehrt." Da feiert sie ihr Jubiläum doch lieber in Köln.

Die immer zu reformierende Kirche wird von einem Funkenmariechen wiederbelebt. Die immer zu reformierende Kirche wird von einem Funkenmariechen wiederbelebt.Bild-Download

Vom Aussterben bedrohte Population

Die Voraussetzungen für ein gelungenes Fest könnten nicht besser sein. Schließlich übernimmt ein Funkenmariechen die Vorbereitungen. Und die schafft es mit viel Schwung, das leicht vergreiste Geburtstagskind schon ein Jahr vorher zum Tanz aus dem Rollstuhl zu bewegen. 

Auf einen Höhepunkt wird die Jubilarin allerdings verzichten müssen. Die Beffchen-Funken werden fehlen. Das war eine Gruppe von Pfarrerinnen und Pfarrern, die auf vergangenen Prot's-Sitzungen mit Beffchen und Funkenkostüm schwungvoll-jecke Tänze zum Besten gegeben haben. Ach wie schade.

Die Population ist vom Aussterben bedroht, wie Professor Bernhard Grzimek, manchem bekannt als Pfarrer an der Kölner Kartäuserkirche, mit Bedauern kundtut. Er hat die Beffchen-Funken auf die Rote Liste der bedrohten Arten gesetzt. Ein Exemplar hat er im Dschungel von Bocklemünd entdeckt und das "possierliche Tierchen" in die Prot's-Sitzung mitgebracht, das dort allerlei Schabernack treibt. Von der Sitzung geht der Grzimeksche Ruf in die Gemeinden: "Sorgt für Nachwuchs!"

Satzungsgemäßer Verlauf

Um Fortpflanzung ging es denn auch in der nächsten Nummer. Die Aussage von Papst Franziskus, Katholiken müssten sich nicht zwanghaft wie die Karnickel vermehren, ist Thema. Zunächst wird die Gegendarstellung des deutschen Kaninchenzüchtervereins verlesen. Die Vermehrung der deutschen Kaninchen verlaufe satzungsgemäß und anders als in päpstlichen Phantasien in völlig geordneten Bahnen.

Schwierigkeiten hat der Papst, als er auf der Bühne auf eine ziemlich ausgelassene Gruppe von Rammlern und Häsinnen trifft, die um nichts auf der Welt katholisch werden möchten. Eine päpstliche Frage wird in diesem Sinne konkret beantwortet: "Soll ich Euch ein Liedchen klimpern?" "Nein, wir möchten lieber ...!" Da wird aus dem Heiligen Vater flugs ein eiliger, und er nimmt die Beine samt Sandalen in die Hand. Abmarsch ohne Klatschmarsch.

Der moderne Pfarrer beeindruckt die Gemeinde auch ohne Talar. Der moderne Pfarrer beeindruckt die Gemeinde auch ohne Talar.Bild-Download

Vieles ist schon versackt

Es heißt ja, man solle niemals in Artikeln die Witze von Sitzungen erzählen. An dieser Stelle wird die Regel von zwei Ausnahmen gebrochen. Treffen sich ein katholischer und ein evangelischer Pfarrer. Der Katholik: "Wenn ich den Pfarrgemeinderat treffe, heißt es immer ,Guten Tag, Hochwürden.'" Der evangelische: "Wenn ich im Presbyterium über Geld spreche, sagen die nur "Mein Gott!'"

Einen haben wir noch: Warum klemmt sich der Papst unter beide Achseln je eine Viagra-Pille? Damit er beim Segen urbi et orbi die Arme länger hoch halten kann.

Aufällig im Programm sind die vielen gelungenen und bisweilen sehr bissigen Seitenhiebe auf Politik und Verwaltung der Stadt und des Bundes. Da ist die Sanierung der Kölner Oper, deren Dauer die des Dombaus übertritt und 3016 eröffnet wird. Oder der Hubschrauber-Landeplatz auf dem Kalk-Berg, der langsam zerbröselt, aber: "In Köln ist schon so vieles versackt."

Irgendwann fällt die Kathedrale um

Oder der Wildpinkler am Dom, den die Erleichterung 200 Euro kosten soll. "Wenn das alle machen, fällt irgendwann die Kathedrale um", sagt die unfreundliche Dame vom Ordnungsamt. "Wie", entgegnet der Mann, nachdem er das Tatwerkzeug hinter dem Reißverschluss verborgen hat: "Sie glauben ernsthaft, ich könnte den Dom umpissen?"

Und da ist dann noch der Kaspar aus dem gleichnamigen Theater, der die AFD-Hexe Petry und das Krokodil Pegida zu einem unfreiwilligen sozialen Jahr an den Hindukusch schicken möchte.

Unmöglich, an dieser Stelle alle gelungenen Nummern zu erzählen. Es lohnt sich auf jeden Fall, die Sitzung zu besuchen. Die personelle Neuaufstellung des Ensembles hat der Prot's-Sitzung ohne Zweifel sehr gut getan.

Karten für die vierstündige Prot's-Sitzung 2016 gibt es für 20 Euro in der Evangelischen Informationsstelle Köln, CityPavillon an der Antoniterkirche, Schildergasse 57, Telefon 0221/660 57 20. Sitzungstermine sind noch Freitag bis Sonntag, 29. bis 31. Januar, Beginn jeweils 20 Uhr in der Diakonie Michaelshoven.

Facebook, Twitter und Google+ einschalten
Seite drucken Seite versenden

 

Synodenprotokoll und Fotodokumentation: Stefan Rahmann / 25.01.2016



© 2016, Evangelische Kirche im Rheinland – EKiR.de
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung