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PSZ Düsseldorf

Mehr Rücksicht auf traumatisierte Flüchtlinge nehmen

Das Psychosoziale Zentrum (PSZ) Düsseldorf fordert von Behörden mehr Sensibilität im Umgang mit traumatisierten Flüchtlingen. Das Asylverfahren berücksichtige zu wenig, dass Flüchtlinge, die Gewalt erlitten haben, bei der geforderten lückenlosen Erklärung ihrer Fluchtgeschichte oft große psychische Probleme bekämen.

"Diese Menschen geraten bei der Befragung oft in eine Starre, weil sie über das Schreckliche, das sie erlebt haben, nicht sprechen wollen", sagte PSZ-Leiterin Eva von Keuk. Daraus entstehe dann die Gefahr, sich in Widersprüche zu verwickeln, was die Ängste vor einer Abschiebung verstärke. Das PSZ fordert vor diesem Hintergrund mehr behördliche Kapazitäten, um Flüchtlinge besser auf diese Situation vorbereiten zu können.

Das von einem gemeinnützigen Verein, der der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe angehört, getragene Düsseldorfer PSZ feiert in diesen Tagen sein 30-jähriges Bestehen. Es ist eine von bundesweit 40 Beratungs- und Therapieeinrichtungen - davon 15 in NRW - für traumatisierte und psychisch belastete Flüchtlinge. Seit Bestehen wurden in Düsseldorf rund 8.000 Flüchtlinge aus mehr als vierzig Ländern betreut, im Vorjahr waren es rund 800.

Neben den 21 festen Mitarbeitenden leistet eine Vielzahl von geschulten Ehrenamtlichen Psychotherapie, Beratung, Gruppen- und Sozialarbeit. Doch könne das PSZ den Betreuungsbedarf nicht annähernd decken, machte die scheidende Leiterin Anette Windgasse deutlich: "Was den Flüchtlingen angetan wurde, ist oft nicht zu beschreiben."

Trauerort hilft den Flüchtlingen

Deswegen mache der Umgang der deutschen Behörden mit den Betroffenen häufig ratlos. So habe es Fälle gegeben, wo schwer traumatisierte Flüchtlinge in Dörfern untergebracht wurden, wo sie dann niemanden hätten, der ihre Sprache spreche. Auch lange Verzögerungen bei der Nachholung von Familienangehörigen belasteten die Traumatisierten.

2011 hatte das PSZ an der Berger Kirche in der Düsseldorfer Altstadt einen Trauerort für Flüchtlinge initiiert, damit diese dort ungestört ihre persönlichen Trauerrituale abhalten können. Auch dies sei ein therapeutisch notwendiges Angebot, weil viele Flüchtlinge die Gräber ihrer verstorbenen Angehörigen nicht mehr besuchen könnten.

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epd / 19.05.2017



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