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Durch die Berufung von Lehrerinnen und Lehrern hat die Kirche ein Mitsprachrecht beim Religionsunterricht. Das findet Sebastian Kleinert gut. Durch die Berufung von Lehrerinnen und Lehrern hat die Kirche ein Mitspracherecht beim Religionsunterricht. Das findet Religionslehrer Sebastian Kleinert gut.

50 Jahre PTI

„Unterricht ist keine Predigt“

Sebastian Kleinert hat kürzlich im Pädagogisch-Theologischen Institut (PTI ) in Bonn seine „Vokation“ ausgehändigt bekommen und darf jetzt evangelische Religion in Schulen unterrichten. Zuvor nahm er an einer Studientagung zum Thema „Du sollst dir kein Bildnis machen. Religionsunterricht im Museum“ teil.

Am Ende hielt ich also meine „Vokation“ in den Händen: in Form einer schlichten Urkunde, mit der ich von der Landeskirche berufen werde, Religionsunterricht an Schulen zu erteilen. Ich sehe die „Vokation“ mehr als einen Zuspruch durch die Kirche denn als einen Anspruch, hinter dem bestimmte Forderungen stehen. So wurde es beim Übergeben der Urkunden auch formuliert: dass die evangelische Kirche dankbar und froh ist, dass Religionslehrer für christliche Werte einstehen und sie im Unterricht vermitteln.

Die Urkunden wurden uns überreicht im Rahmen eines Gottesdienstes, den wir im Pädagogisch-Theologischen Institut in Bonn gefeiert haben. Fünf Tage haben wir dort zuvor an einer Studientagung teilgenommen, um uns inhaltlich vorzubereiten, zu sammeln, auszutauschen und neue Methoden für den Unterricht kennenzulernen. Die Tagung stand unter dem Thema „Du sollst dir kein Bildnis machen. Religionsunterricht im Museum“.

Darf man sich Gott vorstellen?

Das Thema finde ich spannend, weil es schülernah ist. Wenn ich im Unterricht frage „Wie stellt ihr euch Gott vor?“, ist die erste Antwort der Schüler meist: „Man darf sich Gott nicht vorstellen.“ Schließlich heiße es im zweiten Gebot: „Du sollst dir kein Bildnis machen.“ Meiner Ansicht nach ist damit aber gemeint, dass wir uns nicht auf ein bestimmtes Gottesbild festlegen sollen, sondern uns Gott immer wieder verändernd vorstellen können, offen, wandelbar.

Es ist wie beim eigenen Smartphone: Wir haben zig Bilder von unseren liebsten Menschen gespeichert. Was gerade unser Lieblingsbild ist, ändert sich ständig. Es ist schwer, sich auf ein bestimmtes Bild festzulegen, und man sollte möglichst viele Bilder haben.

20 Methoden zur didaktischen Bildbetrachtung ausprobiert

Bei der Tagung waren wir mehrmals im Museum und haben rund 20 Methoden zur didaktischen Bildbetrachtung ausprobiert. Einmal standen wir vor einem Bild, auf dem Straßenlaternen voller Insekten und Nachfalter zu sehen sind. Eine Gruppe sollte das Bild mit Rasseln, Trommeln oder Hände-Reiben vertonen. Eine zweite Gruppe hat diese musikalischen Annäherungen interpretiert. Es ging um Sinneswahrnehmungen, eine Transformation vom einen ins andere Medium und um vertiefte Bildbetrachtungen.

Der Tagung stand ich von Anfang an positiv gegenüber. Und dass Kirche durch die Berufung von Lehrern auch Mitspracherecht beim Religionsunterricht hat, finde ich gut. So kann die Kirche positiven Einfluss auf Bildung nehmen und Werte vermitteln. Wie genau wir Religionslehrer das anstellen, bleibt uns größtenteils überlassen. Ich habe auch keine Vorgaben erlebt, was unsere private Lebensführung angeht. Dass etwa kontrolliert wird, ob wir Gottesdienste besuchen.

Ein eigenes Gottesbild zu vermitteln, kann ein Vorteil sein

Obligatorisch ist nur die Kirchenmitgliedschaft, hinter der im  besten Fall das Bekenntnis zum Glauben steht. Ohne dieses Bekenntnis wäre der Unterricht sehr religionswissenschaftlich ausgerichtet, mit einer Sicht von außen auf Gott. Diese Sicht soll ihren Platz haben; der Unterricht ist ja keine Predigt.

Andererseits kann es ein Vorteil sein, ein eigenes Gottesbild zu vermitteln, etwa in der Christologie. Da haben mich Schüler schon gefragt: „Was glauben Sie denn: Ist Jesus für die Menschen gestorben?“ Darauf eine persönliche Antwort geben zu können und sie gleichermaßen nicht absolut zu setzen, kann Schülern eine wertvolle Orientierung bieten.

Sebastian Kleinert, 31, arbeitet als Geschichts- und evangelischer Religionslehrer an einem Gymnasium in Köln. Auf ekir.de werden erzählen verschiedene Menschen. wie sie von den Angeboten des PTI profitiert haben.

Das Pädagogisch-Theologische Institut (PTI) in Bonn ist die religionspädagogische Einrichtung der Evangelischen Kirche im Rheinland. Es fördert auf landeskirchlicher Ebene das Lehren und Lernen in Schule und Gemeinde. Es feiert sein 50-jähriges Bestehe  am 30. Juni 2017 mit einem Festgottesdienst.

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ekir.de / Thomas Becker, Foto: Anna Siggelkow / 30.06.2017



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