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Sabine Walther aus Essen gibt mittlerweile auch selbst Kurse im PTI. Sabine Walther aus Essen besucht seit 20 Jahren die Workshops im PTI. Mittlerweile gibt sie dort auch selbst Kurse.

50 Jahre PTI

„Man darf ein bisschen verrückt sein“

Seit mehr als zwei Jahrzehnten besucht Sabine Walther Workshops am Pädagogisch-Theologischen Institut (PTI ) in Bonn. Ihr gefällt besonders die Haltung, dass jede und jeder willkommen ist, unabhängig davon welche Fähigkeiten mitgebracht werden.

In der Szene hat sich herumgesprochen, dass bei den Workshops im PTI in Bonn eine ganz besondere Stimmung herrscht. Das ist wie Urlaub: Drei oder vier Tage verbringen wir in Bonn, Menschen mit und ohne Behinderung aus dem gesamten Rheinland. Wir leben zusammen, tauschen uns aus, reden über Stärken und Schwächen, über Vertrauen und Selbsterfahrung. Und wir widmen uns auch der Kunst. Da darf man ein bisschen verrückt sein, jenseits der Norm. Bei der Beschäftigung mit Kunst verschwimmen die Unterschiede.

Früher war ich Begleiterin oder Teilnehmerin, mittlerweile biete ich auch eigene Kurse im PTI an – zuletzt im Rahmen einer inklusiven Musikwerkstatt mit Liedern von Udo Jürgens. Mit Igor Zeller stand uns ein bekannter Kirchenmusiker zur Seite, der sich für Schlager begeistert. Und beim Kurs, den ich an einem Vormittag angeboten habe, haben wir Schallplattencover unter dem Motto „Ich bin ein Star!“ gestaltet.

Zur Vorbereitung habe ich einige Anschauungsbeispiele mitgebracht. Mein Mann ist Heavy-Metal- und Hard-Rock-Fan, von ihm habe ich mir einige Cover geborgt, Metallica und solche Sachen. Und im Bestand meiner Eltern habe ich Motive aus der Welt von Oper und Operette gefunden. Im Kurs selbst haben wir dann zunächst eine Fotosession abgehalten und uns gegenseitig fotografiert. Mit den Porträts und Schnipseln aus als alten Zeitungen haben wir dann die collagenartigen Cover gestaltet, natürlich sollte darauf auf auch das eigene Gesicht zu sehen sein.

Es geht um das Gefühl, dass es für alles eine Lösung gibt

Für mich geht es in den Kursen weniger um eine Methodik als um eine Haltung: die betrifft zunächst das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung. Jede und jeder ist bei uns willkommen, egal, welche Fähigkeiten man mitbringt. Außerdem geht es um ein Gefühl: dass es für alles eine Lösung gibt. Oft gilt es zu improvisieren, sich in andere hineinzufühlen und Sichtweisen zu verändern, auch die eigenen. Mit Ruhe und Gelassenheit findet sich meist ein Weg. Dazu kann auch gehören, eigene Grenzen zu akzeptieren.

Seit rund 20 Jahren besuche ich nun die Workshops. Über die Jahre hat es immer weitere Kreise gezogen, kürzlich habe ich auch eine dreijährige Weiterbildung zur Kunsttherapeutin beendet und biete in Essen mittlerweile eigene Kurse an. Ich bin Teil einer Szene. Ich empfinde es jedes Mal aufs Neue als Bereicherung dazuzugehören.

Besonders freue ich mich auf den Monsterworkshop, der im Oktober im PTI stattfindet (Link): Es geht um die künstlerische Beschäftigung mit Monstern, Mischwesen, Feen und Elfen. Wir besprechen biblische Motive und Darstellungen an Kirchen, bei denen sich viele phantastische Figuren finden: Wasserspeier, Dämonen und allerlei Biester. So lautet auch das Motto des Workshops: „Zum Biest werden“. Es geht um die Vielfalt des Menschseins und des Lebens.

Sabine Walther, 50, arbeitet als Diplom-Verwaltungswirtin für die Stadt Essen und berät Langzeitarbeitslose. Auf ekir.de werden in den nächsten Tagen noch weitere Menschen erzählen, wie sie von den Angeboten des PTI profitiert haben.

 

Das Pädagogisch-Theologische Institut (PTI) in Bonn ist die religionspädagogische Einrichtung der Evangelischen Kirche im Rheinland. Es fördert auf landeskirchlicher Ebene das Lehren und Lernen in Schule und Gemeinde. Am 26. Juni feiert das Institut mit einem großen Fest sein 50-jähriges Bestehen.

 

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ekir.de / Thomas Becker / 22.06.2017



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