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Die österreichische Kinderbuchautorin Helga Bansch bei der Lesung in Bad Honnef. Die österreichische Kinderbuchautorin Helga Bansch bei der Lesung in Bad Honnef.

Büchereiarbeit

„Die Rabenrosa“ in Bad Honnef

Vom Umgang mit dem Fremd- und Andersartigen handelt das Kinderbuch „Die Rabenrosa“ von Helga Bansch. Kürzlich hat sie den Evangelischen Buchpreis erhalten – und Station auf ihrer Lesereise auch in Bad Honnef gemacht. Die Lesung mit Flüchtlingsfamilien ist Teil des Modellprojekts „Sprachräume – Büchereien für Integration“.

Die Rabenrose in ihrem Nest. Die Rabenrose in ihrem Nest.

 Fünf Eier liegen im Nest der Rabenmutter – eins ist anders: nicht schwarz wie die anderen, sondern rosafarben. Heraus schlüpft auch kein Vogel, sondern ein kleines Mädchen, die sich selbstbewusst „Die Rabenrosa“ nennt. So heißt auch das Kinderbuch der österreichischen Illustratorin Helga Bansch, die an diesem Nachmittag in der Bücherei der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Honnef-Aegidienberg zu Besuch ist.  

Kinder im Kita- bis Grundschulalter sind mit ihren Eltern der Einladung der Gemeinde gefolgt, um die multimediale Lesung zu erleben. Da auch Flüchtlingsfamilien unter den Zuhörenden sind, die noch kein Deutsch sprechen, wird die Lesung von einem syrischen Dolmetscher in Arabisch übersetzt.  

Die Veranstaltung ist Teil des Projekts „Sprachräume – Büchereien für Integration“, das die Evangelische Kirche im Rheinland und ihre Büchereifachstelle entwickelt haben. Es wird von Europäischen Union als Modellprojekt gefördert, um Medienangebote und Serviceleistungen in Büchereien aufzubauen, die die Integration von Flüchtlingen erfolgreich unterstützen. Entstehen soll ein nachhaltiges Konzept für die ehrenamtliche Büchereiarbeit, das eine Vernetzung mit lokalen Einrichtungen und Akteuren der Flüchtlingsarbeit ermöglicht. Zudem sollen Büchereien als Orte der interkulturellen Begegnung und des multimedialen Lernens gestärkt werden.  

Die Geschichte der Rabenrosa wird multimedial inszeniert

Das Buch von Helga Bansch ist wie gemacht, um die Ziele des Projekts zu verwirklichen. Schließlich geht es darin um den Umgang mit dem Fremden- und Andersartigen, und die Autorin und Illustratorin, die rund zwei Jahrzehnte als Grundschullehrerin gearbeitet hat, weiß diese Inhalte zu inszenieren: Das Licht in der Bücherei ist abgedunkelt, Bilder aus dem Buch werden großflächig an die Wand projiziert, Geräusche ertönen aus den Lautsprechern: Äste rascheln, Wind pfeift, Raben krächzen.  

„Hoch oben auf einem Baum lag unser Nest“, liest Helga Bansch mit österreichischem Akzent aus dem Buch. „Gleich, als wir dem Ei geschlüpft waren, nahmen uns Mama und Papa unter ihre Flügel. Da war es schön warm.“ Die 59-Jährige wendet sich einem Kamishibai zu, das vorne auf dem Tisch vor ihr aufgebaut ist – eine kleine, aufklappbare Holzbühne, wie ein Miniaturtheater. Vor der Bühne ist ein Nest zu sehen, in dem es sich fünf ausstaffierte Rabengeschwister gemütlich eingerichtet haben, auch die Rabenrosa.  

Helga Bansch nimmt zuvor aus Pappe gestaltete Vögel zur Hand: eine Eule, einen Kauz, einen Reiher. Sie bestaunen die „die kleine Rosa“, wie sie im Buch auch genannt wird: Spätestens jetzt, durch die Blicke der anderen, fällt ihr auf, dass sie anders ist. „Ich schaute mich an, und dann meine Schwestern und Brüder“, liest Helga Bansch weiter mit ihrem österreichischen Akzent. „Da wusste ich erst, dass ich anders bin.“  

Die Kinder basteln, die Eltern kommen ins Gespräch

Gut eine halbe Stunde dauert die Lesung, danach beginnt ein Workshop für Kinder, die bunte Raben aus Stofffedern, Papierrollen und Pappe basteln. Ihre Eltern kommen ganz ungezwungen über die Kinder miteinander ins Gespräch kommen. „Solche Begegnungen zu ermöglichen, ist Teil unseres Projekts“, sagt Helga Schwarze, Leiterin der Büchereifachstelle der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Elisabeth Lauer (li.) und Sohad Ahmad tauschen Telefonnummern aus. Elisabeth Lauer (li.) und Sohad Ahmad tauschen Telefonnummern aus.

Dass die Idee aufgeht, zeigt sich an diesem Nachmittag auch für Elisabeth Lauer. Sie hatte davon gehört, dass Ehrenamtliche im Rahmen des Projekts auch eine Lesepatenschaft für eine Flüchtlingsfamilie übernehmen können, um ihnen beim Lernen der deutschen Sprache zu helfen. Sie wolle Kontakte knüpfen, sagt sie am Rande eines Gespräch mit Sohad Ahmad, einer Mutter aus Syrien, die seit einem Jahr in Bad Honnef lebt und Arbeit bei der Kita der Kirchengemeinde gefunden hat.  

Die beiden tauschen ihre Telefonnummern aus, und Sohad Ahmad freut sich über die Gelegenheit, ihre Deutschkenntnisse bald mithilfe einer ehrenamtlichen Sprachpatin vertiefen zu können. Ihre siebenjährige Tochter, die gerade am Tisch einen Pappraben bastelt, spricht nach Jahr schon flüssig Deutsch. Sie selbst hat schon einige Sprachkurse besucht und ist dankbar für weitere Möglichkeiten, Deutsch zu lernen.  

Auch mithilfe von Kinderbücher. Die Geschichte von Rabenrosa erinnere sie an Mogli, sagt sie und lacht. Kindheitserinnerungen werden wach. Früher, als Kind, da habe sie die Geschichte geliebt. Auch der Dolmetscher, selbst aus Syrien, pflichtet ihr bei. „Das war früher meine Lieblingsserie.“ Doch dann kam der Krieg und nichts war mehr, wie es war. Blicke genügt, um das anzudeuten. 

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ekir.de / Thomas Becker, Fotos: Markus J. Feger / 07.11.2016



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