Jürgen Rams von der Männerarbeit der Evangelischen Kirche im Rheinland Begleitung hilft: Jürgen Rams von der Männerarbeit der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Männerarbeit

Durch die Krise hindurchkommen

"Zwischen Macht und Ohnmacht" heißt ein Seminar für Männer in Trennungssituationen, ein Angebot der Männerarbeit und der Hauptstelle für Familien- und Lebensberatung. Ein Gespräch mit Jürgen Rams von der Männerarbeit über Trennung  und Krisenbewältigung.

Warum ist eine Trennung für Betroffene so bodenlos schrecklich?  

Eine Trennung von einem Partner, für den man sich mal entschieden hat, bedeutet für Männer wie Frauen, die eigene frühere Entscheidung in Frage gestellt zu sehen. Das ist ein schmerzlicher Vorgang. Er erfordert, sich den Gründen zu stellen, das Scheitern einzugestehen und Scheitern als Teil des Lebens anzunehmen. Da Männer auch heute noch vielfach als das "starke" Geschlecht gelten, haben sie mit Scheitern ein Problem und sind oft nicht in der Lage, dem Gefühl der Trauer Raum zu geben. Da kann dann schon so etwas wie "Bodenlosigkeit" entstehen. Insbesondere dann, wenn die Begleitung und Unterstützung durch Freunde, Bekannte oder professionelle Beratung nicht gegeben ist.    

Ist das bei Männern anders als bei Frauen?  

Schrecklich – um Ihren Begriff aus der ersten Frage aufzugreifen - ist der Prozess sicher für beide, Frauen wie Männer. Aber die Art des Umgangs unterscheidet sich. Frauen verfügen in der Regel häufiger über ein Netzwerk von Freundinnen und Bekannten, das ihnen hilft. Männer haben dies durch ihre immer noch überwiegende Voll-Erwerbstätigkeit nicht so ausbauen können. In Krisenzeiten fehlt ihnen dann oft der Freund, mit dem man Probleme teilen kann. Zum anderen besteht bei vielen Männern immer noch die Vorstellung, Man(n) schafft das schon alleine. Alles andere wird als Schwäche empfunden. Für die Väter unter den Männern kommt hinzu, dass sie ihren Alltag mit den Kindern verlieren. Mit diesem Verlust umzugehen und die Beziehung zu den Kindern auf neue, andere Füße zu stellen, ist eine enorme Herausforderung.  

Kann man diese Erschütterung lindern? Wäre eine Rücknahme der Trennung die einzige Lösung?  

Durch Begleitung von Freunden und/oder professionelle Unterstützung kann einiges aufgefangen werden. Für Männer stellt sich verstärkt die Aufgabe, auf ihre Gefühle zu achten, gerade auch in schwierigen Situationen. Trauer ist kein negatives Gefühl. Sie fühlt sich sicher auch nicht schön an, aber sie hat eine wichtige Hilfsfunktion. Sie zeigt uns an, was uns wichtig ist. Insofern kommen wir nicht umhin, das ernst zu nehmen. Dadurch ist dann meines Erachtens auch Linderung möglich. Die Rücknahme einer Trennung macht nur dann Sinn, wenn sich eine neue Perspektive für das Paar ergibt, dass Trennendes durch Gemeinsames ausgeglichen werden kann und beide bereit sind, sich neu aufeinander einzulassen.    

Jan Cort Mensching ist Dipl.- Pädagoge an der Evangelischen Hauptstelle für Familien- und Lebensberatung im Rheinland. Jan Cort Mensching ist Dipl.- Pädagoge an der Evangelischen Hauptstelle für Familien- und Lebensberatung im Rheinland.

Warum heben Sie zusammen mit dem Kollegen Jan Cort Mensching von der Evangelischen Hauptstelle für Familien- und Lebensberatung dieses Seminar aus der Taufe? Ist die Nachfrage bei Männern gestiegen?

Wir erleben momentan eine große Veränderung bei den Rollen von Männern und Frauen. Das verunsichert und macht es erforderlich, sich für andere Verhaltensweisen zu öffnen. Männer nehmen wahr, dass zum Beispiel die aktive Gestaltung der Väterrolle ihnen neue wichtige Erfahrungen vermittelt. Der eigene Körper kommt stärker in den Blick. Gefühle sind nicht mehr nur etwas für Frauen. Viele Männer haben erkannt, dass sie diese Öffnung bereichert. Hierbei erleben wir noch viel zu wenig Unterstützung für die Männer. Auch die Gesellschaft verfährt immer noch weitgehend nach dem Prinzip, die Männer schaffen das schon alleine. Das glaube ich nicht. Es gibt niemand auf der Welt, der ohne andere Menschen leben kann. Wir wollen als Männerarbeit und Beratungsstelle ein Zeichen setzen und ermutigen, derartige Angebote verstärkt zu entwickeln. Wir wollen zum anderen Männern einen Raum bieten, auf ihre Weise mit einem schwierigen persönlichen Problem weiter zu kommen. Die Sensibilität von Männern für diese Themen nimmt zu. Dadurch entsteht ein verstärkter Bedarf für derartige Semnare.

Kann das Seminar wirklich Abhilfe schaffen? Was kann es leisten?

Hinter der Frage scheint eine gewisse Skepsis zu stehen. Ich frage mich, worin sie besteht. Gegenüber der Wirksamkeit von solchen Beratungsformen oder gegenüber den Männern, die sich ja eh nicht ändern? Wenn wir nicht von der Sinnhaftigkeit des Angebotes überzeugt wären, würden wir es nicht durchführen. Das Seminar kann den Männern helfen, die eigene Situation zu reflektieren, die Gefühle in diesem Zusammenhang wahrzunehmen, sie zuzulassen, das Ganze zu sortieren und zu erkennen, welche weiteren Schritte notwendig sind, um mit den durch die Trennung erfolgten Problemen leben zu können bzw. einen neuen Weg zu finden. Jeder Mensch erlebt solch eine Trennungsgeschichte unterschiedlich, insofern wäre es vermessen zu denken, wir könnten dem Einzelnen mit allgemeingültigen Antworten helfen. Das Ziel ist, Wege aus der Krise zu finden, aber das sieht für jeden anders aus. Sich darauf einzulassen und den Einzelnen zu unterstützen ist ein Prozess, der offen und notwendig ist, um nicht an den Menschen vorbei zu reden.

Was hilft Betroffenen weiter, um doch auch wieder in ein gutes Leben zu finden? Mehr als nur Gras, das über die Ehe oder Beziehung und vor allem die Trennung und evtl. Scheidung wächst?

Die Antwort ist oben schon angedeutet. Sich über die Gründe des Scheiterns klar zu werden, ist wichtig, um möglichst eine Wiederholung zu verhindern. Menschen, die begleiten, helfen weiter, das kann jeder bestätigen, der das erfahren hat. Hierbei sind nicht Ratschläge das Entscheidende, sondern die Erfahrung der Nähe anderer Menschen: Ich bin nicht allein, andere tragen es mit. Naürlich auch die Rahmenbedingungen: Habe ich einen zufriedenstellenden Beruf? Steht die Familie noch zu mir oder haben sich alle abgewendet? All das entscheidet mit darüber, wie schnell und wie gut jemand durch eine derartige Krise hindurchkommt und zu einem „guten“ Leben zurückfindet. Ohne Frage ist die Zeit dann auch eine Kategorie, die ihre Bedeutung hat. Wenn es beim Gras alleine bleibt, habe ich die Sorge, dass dann das Unkraut wieder schnell durchkommt. Also, es ist hilfreich, auch darunter zu schauen und daran zu arbeiten.

Zwischen Macht und Ohnmacht. Seminar für Männer in Trennungssituationen. Sechs Abende. Mit dem Familientherapeuten Jan Cort Mensching und dem Systemischen Therapeuten Jürgen Rams. Details: http://www.ekir.de/maenner/service/wenn-maenner-zum-hoerer-greifen-247.php  

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 8. August 2013. Die letzte Aktualierung erfolgte am Donnerstag, 8. August 2013. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / neu / 09.08.2013



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