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Pastor Jörg Rauber, Akademischer Rat an der Fachrichtung Evangelische Theologie der Universität des Saarlandes. Pastor Jörg Rauber, Akademischer Rat an der Fachrichtung Evangelische Theologie der Universität des Saarlandes.

Ausbildung von Religionslehrerinnen und Religionslehrern

Gefragtes Studienfach

Evangelische Religionslehre ist ein gefragtes Studienfach. An der Universität des Saarlandes haben sich die Studierendenzahlen in 20 Jahren verdoppelt. Ein Interview über die Entwicklungen in der Ausbildung von Religionslehrerinnen und Religionslehrern. 

Ein Gespräch mit Pastor Jörg Rauber, Akademischer Rat an der Fachrichtung Evangelische Theologie

Die Fachrichtung Evangelische Theologie an der Universität des Saarlandes bildet Religionslehrerinnen und -lehrer von der Grundschule bis zum Gymnasium aus. Wie hat sich die Studierendenzahl in den letzten Jahren entwickelt?

Wir haben einen klaren Anstieg. Seit dem Wintersemester 1994 bis zum laufenden Studienjahr hat sich die Zahl der Studierenden innerhalb von zehn Jahren von 95 auf aktuell 206 mehr als verdoppelt. Nur etwa jeder zehnte Bewerber bekommt einen Studienplatz für das Fach Evangelische Religionslehre.

Was sind die Gründe für diese Entwicklung?

Der Lehrerberuf ist generell beliebt. Das Fach Evangelische Religion ist attraktiv, weil es Fragen aufgreift, die viele junge Menschen bewegen. Religionslehre ermöglicht Orientierung in einer pluralistischen Welt, beispielsweise weil es zu einer aktiven Auseinandersetzung mit den Werten des Christentums anleitet. Nicht zuletzt gibt es bislang recht gute Berufsaussichten für Religionslehrerinnen und -lehrer.

Welche jungen Leute studieren heute das Fach Evangelische Religion?

Die Studierenden sind sehr verschieden. Wir haben einerseits kirchlich sehr engagierte junge Leute, deren Interesse durch eigenes Erleben von Kirche und Gemeinde geweckt worden ist. Andere haben einen guten Religionsunterricht in der Schule erlebt. Daneben gibt es auch Studierende, die ganz pragmatisch ein zweites Fach fürs Lehramt suchen. Auffallend ist, dass sich nur noch wenige kritisch eingestellte junge Menschen für unser Fach einschreiben. Die Tendenz geht zu eher an gut präsentiertem Lernstoff interessierten Studierenden. Eine „Konsumhaltung“, die dem aktuellen Trend zur "Kompetenzorientierung" offensichtlich zuwider läuft. Zur kritischen Auseinandersetzung mit den überlieferten religiösen Inhalten müssen wir zumeist provozieren. Das scheint allerdings ein genereller Trend bei Studierenden zu sein.

Werden Religionslehrer gesucht, oder bilden Sie über den Bedarf aus?

Noch übersteigt der Bedarf des Landes bereits die Zulassungsquoten. Zudem beenden nicht alle Studierenden ihr Studium in Saarbrücken und nicht alle Absolventen wollen im Saarland arbeiten. Aus unserer Sicht müssten die Zulassungszahlen entsprechend deutlich höher sein, um tatsächlich nicht nur den Bedarf zahlenmäßig zu decken, sondern auch eine qualitative Auswahl zu ermöglichen.

Wie hat sich das Berufsbild des Religionslehrers gewandelt? Welche Fähigkeiten sind heute in den Schulen gefragt?

Religionslehrer verstehen sich heute als Fachleute für die Gestaltung themenzentrierter Lehr-Lern-Prozesse. Jeder Jugendliche sollte selbst Werte und Orientierungsraster bilden können, um in der pluralen Gesellschaft zurechtzukommen. Religionslehrerinnen und -lehrer müssen dazu anleiten, diese Kompetenzen zu entwickeln. Dies erfordert eine große Bandbreite an kommunikativen und methodischen Verhaltensformen.

Haben sich die Studieninhalte in den letzten zehn Jahren gewandelt?

Die Inhalte in den traditionellen theologischen Disziplinen haben sich sicher nicht revolutionär verändert. Aber: Statt Faktenwissen zu pauken, geht der Trend zum Verstehen lernen. Es geht um die Kompetenz, Fakten systematisch zu verknüpfen sowie Aussagen und Sachverhalte selbständig kritisch zu beurteilen und einzuordnen. Für viele spürbarer hat sich dagegen die unter dem Stichwort "Bologna-Reform" laufende Umstellung auf modularisierte Studienverläufe ausgewirkt. Es wird heute viel stärker nach Schema studiert. Man arbeitet sein Programm ab. Die Studienkultur hat sich dadurch stark verändert: vom Erkenntnisgewinn hin zum Examenswissen.

Wie werden die angehenden Religionslehrerinnen und -lehrer auf die Praxis an den Schulen vorbereitet?

Die Praxisanteile im Studium haben deutlich zugenommen. Es gibt vielfältige Formen direkter Zusammenarbeit zwischen Schule und Universität. Zunächst sind die erweiterten Praktika für Studierende zu nennen. Daneben findet bei uns bei Studientagen, Workshops und Projekten eine fruchtbare Vernetzung von Praxis und Lehre statt. Außerdem orientieren wir uns bei der Themenauswahl stärker als früher an den Stoffplänen der Schulen und den erkennbaren Anforderungen des Schulalltags.

Zum Theologiestudium gehört derzeit noch das Lernen der alten Sprachen Latein, Griechisch und Hebräisch. Brauchen die Studierenden wirklich noch diese Kenntnisse?

Die Sprachanforderungen wurden in den letzten Jahren deutlich abgesenkt. Wir konzentrieren uns heute auch stärker auf fachspezifische Texte in den alten Sprachen. Andererseits sollten wir den wissenschaftlichen Anspruch auch des Lehramtsstudiums nicht gänzlich aufgeben zugunsten einer reinen Ausbildung. Das erfordert dann auch die Fähigkeit, zum Beispiel Textstellen der Bibel oder aus historischen Quellen in der jeweiligen Originalsprache betrachten zu können. Von daher gehören die alten Sprachen zur wissenschaftlichen Grundbefähigung.

Ist die Fachrichtung Evangelische Theologie an der Saar-Uni mit drei Lehrstühlen im Vergleich zu großen theologischen Fakultäten wie Münster oder Heidelberg überhaupt leistungsfähig oder gibt es hier nur eine Schmalspurausbildung?

Diese Frage kann ich mit bestem Gewissen verneinen. Hier lehren ja nicht ausschließlich drei Professoren. Durch weitere akademisch Mitarbeitende und einzelne Lehraufträge bieten wir Jahr für Jahr ein in Tiefe und Breite sicher weit mehr als die Mindeststandards erfüllendes Lehrangebot.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 9. Oktober 2014. Die letzte Aktualierung erfolgte am Donnerstag, 16. Oktober 2014. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / Ulrike Klös, Foto: Thomas Seeber / 16.10.2014



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