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Das Reformationsjubiläum ist Anlass für Siegfried Eckerts Streitschrift. Das Reformationsjubiläum ist Anlass für Siegfried Eckerts Streitschrift.

Reformationsjubiläum

Leidenschaftliche Streitschrift

Bei Kirchentagen steht er mit bekannten Menschen auf großer Bühne. Zum Schreiben nimmt er die „Froschperspektive“ ein, stellt sich als „Dorfpfarrer“ vor. Die Rede ist von Siegfried Eckert, Pfarrer der Evangelischen Thomas-Kirchengemeinde Bad Godesberg. 

„2017 Reformation statt Reförmchen“ heißt das im Gütersloher Verlagshaus erschienene Buch des 51-jährigen Theologen. Angesichts des bevorstehenden Jubiläums 500 Jahre Thesenanschlag Martin Luthers legt Eckert „eine leidenschaftliche Streitschrift“ vor, wie es im Klappentext heißt. Wie ist es um die Kirche bestellt? Braucht es heute Umkehr, ist die evangelische Kirche ausgebrannt und muss in Behandlung? Für Eckert ist jedenfalls klar: „Mit Reförmchen ist keinem geholfen!“

Und so pflückt der Theologe, der u.a. mit Eckart von Hirschhausen regelmäßig zusammen arbeitet, die „Kirche der Freiheit“, das EKD-Impulspapier aus dem Jahr 2006 mit zwölf als „Leuchtfeuer“ titulierten Thesen, auseinander. Unterhaltsam in der Schreibe, streng in der Sache: Trotz aller Unkenrufe werde auch in Zukunft die Parochie die verlässlichste Basis des Protestantismus bilden, hält Eckert dem EKD-Papier entgegen. „Leuchtfeuer sind höchstens kurzfristige Placebos für eine vom Burn-out bedrohte Kirche.“

Von unten nach oben

Eckert beklagt, dass die Stärkung zentraler Elemente, der „verdächtig ökonomiebetonte Geist“ und die Schaffung effektiverer Organisationsformen „auf Kosten einer geringeren Beteiligung und schlechteren Ausstattung der Basis“ geschieht. Scharfer Vorwurf im Nebensatz: Die „oben“ verlangten denen „unten“ Opfer ab, „während oben sich einige an ihrem Zukunftsbüfett die Bäuche vollschlagen“. Deshalb verwirft Eckert die „schiefen Türme von Hannover“.

Und hält dagegen: „Wir Protestanten ticken plural, föderal, dezentral, partizipatorisch, von unten nach oben.“ Dass die „Basis“ nicht überall eine reine Idylle ist, schwant dem Autor: „Nichts wächst gegen den Trend, trotz fetter Kirchensteuerjahre. Gemeinden entwickeln sich zu Seniorenkreisen.“ Gerade deshalb rät er dazu, „unaufgeregte Volkskirche“ zu bleiben, „Gedanken teilen, Freude schenken, Trost stiften, Kerzen entzünden, die Tradition auf Stand-by halten, zur Einkehr einladen, zum Innehalten ums Lagerfeuer und die Glut des Glaubens wach halten“.

Rosas Brille

Gleichwohl ist für Eckert die Kirche „reformationsbedürftig“. Um da weiterzukommen, empfiehlt er Rosas Brille. Gemeint sind die Erkenntnisse des Soziologie-Professors Hartmut Rosa, der zur Entschleunigung aufruft. Es gelte, neue Resonanzräume zu entdecken, darin auch Platz für Gott und Glaube.

Die „erschöpfte Kirche“ wünscht sich Eckert wieder als „Kirche voller Energie und Feuer“. Gott lade die Menschenkinder in die Schutzräume seiner Gegenwart ein, in die Resonanzräume des feurigen Pfingstgeistes, ist der Gemeindepfarrer, Landessynodale und Buchautor überzeugt.

Kirchesein entscheide sich an Gemeinden und an Gemeinden an anderen Orten, betont Eckert auch gegenüber ekir.de. Die Kirche müsse wie ein Baum von unten nach oben wachsen. Und auch das sagt er: „Ich habe mir das Buch in den Sommerferien 2013 in Frankreich von der Seele geschrieben.“

Buch und Podiumsdiskussion

Siegfried Eckert: 2017 Reformation statt Reförmchen, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh, 2014, 272 Seiten, 19,99 Euro

„Welche Kirche braucht das Land? Quergedachtes zu 2017. Diskussion, moderiert von Dr. Eckart von Hirschhausen. Gäste: Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Dr. Thies Gundlach, Vizepräsident des EKD-Kirchenamts, Dr. Stefan Vesper, Generalsekretär des Zentralrats der Katholiken, und Buchautor Pfarrer Siegfried Eckert, Sonntag, 19. Oktober, 17 Uhr, Pauluskirche, Bonn-Friesdorf, In der Maar 7. 

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Mittwoch, 15. Oktober 2014. Die letzte Aktualierung erfolgte am Mittwoch, 15. Oktober 2014. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / neu / 15.10.2014



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