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Joachim Knitter ist Pfarrer in Siegburg. Joachim Knitter ist Pfarrer in Siegburg.

Interview über Reisesegen und Reisesegen-Gottesdienste

Eine fröhliche Kasualie

Nun stehen auch in Rheinland-Pfalz, Saarland und Hessen die Schulsommerferien vor der Tür. Manche Kirchengemeinde verabschiedet ihre Mitglieder mit einem Reisesegen-Gottesdienst in die Urlaubszeit. Weil Ferien und Reisen kostbar sind, sagt Pfarrer Joachim Knitter.

An wen richtet sich ein Reisesegen-Gottesdienst?

Eingeladen sind alle, auch die, die in den Ferien zu Hause Ruhe und Erholung suchen.

Was genau ist ein Reisesegen?

Er ist eine fröhliche Kasualie und steht im Ausblick und in Hoffnung auf eine gute Zeit. Mir hat vor vielen Jahren eine alte Frau erzählt, wie ihre Mutter ihr beibrachte, jedes Brot vor dem Anschnitt mit dem Kreuzzeichen zu segnen. Sie lernte: Brot ist kostbar. Auch Ferien und Reisen sind kostbar. Um Zeiten der Muße und des Auftankens zu haben, muss man gar nicht weit weg fahren. Sich für diese Zeit segnen zu lassen, bedeutet vor allem, den Wert dieser Tage oder Wochen zu verinnerlichen.

Ferienbeginn, Sonntagsgottesdienst oder Start einer Gemeindefreizeit – wann ist die beste Zeit für einen Reisesegen?

Die Nähe zu den Ferien halte ich für wesentlich. Wir feiern in Siegburg den Reisesegen immer am letzten Sonntag vor den großen Ferien in der Kirche. Weil es etwas Intimes ist, gesegnet zu werden, rate ich in diesem Fall von Freiluft-Gottesdiensten ab, so sehr ich sie sonst mag. Auch Taufen passen in diesen Rahmen, etwa in Anspielung auf die Geschichte vom Kämmerer aus Äthiopien aus dem 8. Kapitel der Apostelgeschichte. Der Start einer Gemeindefreizeit könnte ebenfalls ein Anlass sein, mir ist er allerdings zu sehr auf die Teilnehmenden bezogen, andere könnten sich ausgeschlossen fühlen.

Was gehört in einen Reisesegen-Gottesdienst?

Es sollte sich ein „roter Faden“ durch den Gottesdienst ziehen. Das können „Heilige Orte“ sein, oder „Interviews im Strandkorb“ mit ganz unterschiedlichen Personen – nicht nur aus der Gemeinde! „Was ist denn für Sie Muße?“, habe ich beispielsweise Menschen gefragt, die selbst bis über die Ohren in Arbeit stecken, oder denen es daran mangelt, weil sie arbeitslos oder im Ruhestand sind. Auch eine beschwingte musikalische Note gehört in den Gottesdienst. Die Segnungen selbst haben ihren Platz in der Endphase.

Wer segnet im Gottesdienst?

Die Segnung erfolgt durch ehrenamtlich Mitarbeitende, ist der Segen doch kein Privileg der Amtsträgerinnen und Amtsträger. Im Gegenteil, auch ich habe ihn so nötig wie die anderen, ich trage deshalb auch keinen Talar. Eine Projektgruppe sollte die Situation des Segnens geprobt und verinnerlicht haben. Denn Segen ist ein Handwerk: Je sicherer die Segnenden sind, umso besser. Am Ende des Reisesegens segnen sie sich übrigens gegenseitig.

Joachim Knitter ist Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Siegburg und Autor des Buches „Dein Segen leuchtet. Reisesegen-Gottesdienste“, erschienen im Gütersloher Verlagshaus 2008

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ekir.de / wb / 20.07.2015



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