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Präses Manfred Rekowski. Foto: ekir.de / Eric Lichtenscheidt Präses Manfred Rekowski. Foto: ekir.de / Eric Lichtenscheidt

Interview Präses Manfred Rekowski

"Mehr Raum für den Heiligen Geist"

Manfred Rekowski (59), Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, im Interview anlässlich des Reformationsjubiläums

Der rheinische Präses Manfred Rekowski und Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck haben 2017 oft gemeinsam Gottesdienst gefeiert. Im März haben sie eine Kooperationserklärung unterzeichnet. Die rheinische Kirche und das Ruhrbistum wollen über 2017 hinaus enger zusammenarbeiten. Am Ende des Jahres wünschen wir uns eine Bilanz und einen Ausblick. Beide antworten uns unabhängig voneinander auf dieselben 13 Fragen.

Präses Rekowski, sind Sie froh, dass das Reformationsjubiläum jetzt vorbei ist?

Erst einmal bin ich froh, dass ich im jetzt endenden Jubiläumsjahr viele Veranstaltungen und Gottesdienste erlebt habe, aus denen ich Anregungen mit ins Jahr 501 der Reformation nehme. Dass die Termindichte im Kalender nun wieder etwas geringer wird, ist eine stille Hoffnung von mir.

Was ist jetzt anders als vorher?

Es hat sich gezeigt, wie es im Sinne der Reformation heute weitergehen kann: Jenseits der Kirchenmauern wurde gefeiert, zum Beispiel Gottesdienste in Kneipen, Kinos oder auf Plätzen. Gott wurde im Alltag neu entdeckt. Auch die ökumenischen Beziehungen zu mehreren Bistümern wurden vertieft.

Wann feiern Sie mit Bischof Overbeck das erste gemeinsame Abendmahl?

Ich bin tief überzeugt: Jesus Christus, der Herr der einen Kirche, lädt uns Christinnen und Christen aus allen Konfessionen zum Abendmahl an seinen Tisch. Er wartet schon lange auf uns. Seinem Ruf folge ich gern. Und ich feiere mit jedem, der sich mit mir einladen lässt. Sofort.

Was ist das größte Hindernis auf dem Weg dorthin?

Erstarrung. Statt auf unsere gemeinsame Wurzel, nämlich Christus, zu sehen, starren viele gebannt auf das unterschiedliche Verständnis des bischöflichen Amts und das damit verbundene Verständnis, was Kirche ist. Da braucht es einen geweiteten Blick in evangelischer und katholischer Kirche.

Wieso ist die Ökumene den Kirchen so wichtig?

Die Bibel sagt, dass die Einheit seiner Kirche die Herzensangelegenheit Jesu Christi selbst ist. Also sind wir gefragt, unseren Teil dazuzutun, dass das Wirklichkeit wird. Zudem braucht unsere geschundene Welt unbedingt unser Zeugnis von der Liebe Gottes und den gemeinsamen Einsatz aller Kirchen.

Ist eine echte Einheit der Kirche überhaupt ein realistisches Ziel?

Warum nicht? Einheit heißt ja nicht Einheitlichkeit! Ich traue Gott zu, dass er uns Wege weist, wie wir in versöhnter Verschiedenheit seine glaubwürdige Kirche in einer vielfältigen Welt sein können. Wir sollten alles dafür tun, dass wir als Institutionen dem Willen Gottes nicht im Wege stehen.

Wie viel Luther steckt in Papst Franziskus?

Die Ernsthaftigkeit und den kreativen Ehrgeiz, mit der Luther seine Kirche aus der Erstarrung holen und die Botschaft vom gnädigen und liebenden Gott unters Volk bringen wollte, erkenne ich auch in der Amtsführung von Papst Franziskus. Veränderungen erzeugen Widerstand - damals und heute.

Was würde ein Reformator oder eine Reformatorin heute in der evangelischen Kirche ändern?

Ich nehme mal an, er würde wortgewaltig und deftig über die Fülle an Ordnungen und die große Bedeutung der Institution herziehen. Und nicht minder klar würde er vermutlich für mehr Gottvertrauen und Raum für den Heiligen Geist plädieren - also mehr Glauben und weniger Institution.

Wo ist die evangelische Kirche in den vergangenen 20 Jahren katholischer geworden?

Evangelische Christinnen und Christen sind am Wort und an der Bibel orientiert. In den letzten Jahren haben wir dazu sinnliche Wahrnehmungen des Glaubens (wieder) entdeckt, die mehr im Katholizismus verwurzelt sind  - zum Beispiel das Pilgern oder eine Spiritualität, die nicht nur den Intellekt anspricht.

Wenn Sie einen Wunsch an die katholische Kirche frei hätten - welcher wäre das?

Praktikable seelsorgliche Lösungen in Fragen der gemeinsamen Praxis, so wie Papst Franziskus das beispielsweise mit Blick auf die gemeinsame Feier der Eucharistie von Menschen in konfessionsverbindenden Ehen den Bischofskonferenzen seelsorglich ans Herz gelegt hat.

Worum beneiden Sie die Katholiken?

Ich bestaune die Leidenschaft für den Karneval, die Katholiken im Rheinland offenbar schon mit der Muttermilch aufsaugen. Ich bewundere den Reichtum des gottesdienstlichen Lebens und einer Frömmigkeit, die für viele zum Alltag gehört: Da können sich die Protestanten eine Scheibe abschneiden.

Mit welcher Gestalt der Kirchengeschichte würden Sie gern mal essen gehen?

Mit Katharina von Bora, Martin Luthers Frau. Ich würde mir gerne aus ihrer Perspektive die Geschichte der Reformation erzählen lassen. Denn sie war ja nicht nur "die Frau an seiner Seite", sondern sie war auch selbst eine Reformatorin.

Was machen Sie am 1. November?

Urlaub. Oder um es mit dem rheinischen Reformationsmotto zu sagen: ein paar terminfreie Tage - vergnügt, erlöst, befreit.

 

 

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Aus: Sonderveröffentlichung der Rheinischen Post „1517-2017. 500 Jahre Reformation“ am 31. 10. 2017 / 30.10.2017



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