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Stellten die Studie über Religionsunterricht vor (v.l.): Oberkirchenrat Eberl, Professorin Baumann sowie aus Wien Professor Rothgangel und Dr. Klutz. Stellten die Studie über Religionsunterricht vor (v.l.): Oberkirchenrat Eberl, Professorin Baumann sowie aus Wien Professor Rothgangel und Dr. Klutz.

Studie über Erfahrungen und Ziele evangelischer Religionslehrerinnen und -lehrer

„Reli macht stark“

Die Evangelische Kirche im Rheinland hat eine Studie zum Religionsunterricht in allen Schulformen vorgelegt. Wissenschaftlich ausgewertet wurde eine Online-Umfrage unter mehr als 1.000 evangelischen Religionslehrerinnen und -lehrern über ihre Ziele und Erfahrungen.

„Evangelischer Religionsunterricht trägt danach entscheidend zur Identitätsbildung, Starkmachung und Dialogbereitschaft junger Menschen bei“, sagte Oberkirchenrat Klaus Eberl, Leiter der Abteilung Bildung im Landeskirchenamt, bei der Vorstellung der Studie im Rahmen einer Tagung im Pädagogisch-Theologischen Institut (PTI). Damit helfe das Fach in erfreulichem Maße, dass Schule ihren Beitrag zur Friedensbildung in der Gesellschaft leistet. „So kann evangelischer Religionsunterricht ein Beitrag zu einer pluralitätsfähigen Schule sein. So wie es unsere Lehrerinnen und Lehrer sehen, hat evangelischer Religionsunterricht durchaus eine Schlüsselrolle für die Friedensfähigkeit unserer Jugendlichen.“

Der Religionsunterricht ist ja ein staatliches Unterrichtsfach, dessen inhaltliche Ausgestaltung in Verantwortung der Kirchen steht. Wie die Studie zeige, wünschten sich die evangelischen Religionslehrerinnen und -lehrer beides: das Profil der eigenen Konfession herauszuarbeiten und gleichzeitig kooperative Brücken zur Katholischen Kirche und anderen Religionen zu schlagen. Hier sei noch viel Arbeit zu leisten.

„Ich hoffe, dass wir da auf landeskirchlichem Gebiet aktuell gerade in der Zusammenarbeit mit der Katholischen Kirche weiterkommen“, sagte Eberl. Er wünsche sich, dass noch mehr Modelle eines konfessionell-kooperativen und interreligiösen Lernens zum Einsatz kommen könnten. „Die Studie zeigt, dass die Lehrerinnen und Lehrer diesen Weg auch gehen wollen“, betonte der Oberkirchenrat. Mit ihr sei jetzt verlässliches Datenmaterial da, mit dem man weiterarbeiten könne.

An der Online-Befragung haben exakt 1.093 evangelischen Religionslehrerinnen und Religionslehrer teilgenommen. Das Datenmaterial wurde an den religionspädagogischen Instituten der Universitäten Wien (Prof. Dr. Martin Rothgangel, Dr. Philipp Klutz) und Wuppertal (Prof. Dr. Christhard Lück) ausgewertet und interpretiert.

Grund der Studie ist die stark veränderte Schullandschaft

Professorin Ulrike Baumann vom PTI erläuterte den Ansatz der Befragung. In der in den letzten 25 Jahren stark veränderten Schullandschaft werde Religionsunterricht häufig nur noch im Klassenverband ohne solide konfessionelle Kooperation gegeben. Zudem fehlten Antworten darauf, dass etwa im Norden NRWs die Schülermehrheit muslimisch sei. Probleme seien auch: Heutige Schülerinnen und Schüler seien immer weniger religiös sozialisiert. Es fehlten schlichtweg die Kenntnisse.

Zudem erhalte der schulische Religionsunterricht immer weniger Rückhalt bei den Eltern. Deshalb habe nun eine Projektgruppe aus Schulreferenten, Bezirksbeauftragten, Dozenten des PTI und des Landeskirchenamts gemeinsam mit den Hochschulen die Religionslehrerinnen und -lehrer aller Schulformen und Regionen direkt zur genauen Situation befragt.

In der Grundschule häufig Stundenausfälle

Parallel wurden in drei exemplarischen Regionen der rheinischen Kirche im Grundschulbereich vertiefende Gruppendiskussionen geführt: in Duisburg, Gummersbach und Trier. Dr. Philipp Klutz, jetzt an der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz, berichtete von dieser Grundschulbefragung. Schulorganisatorisch gelte der Evangelische Religionsunterricht leider als fragiles Fach: Sein Stundenkontingent werde schnell zur Diskussion gestellt. Außerdem sei "Reli" in der Grundschule auch häufig von Stundenausfällen betroffen.

Die Lehrerschaft selbst sehe ihr Fach aber bewusst als einladend und offen auch für nicht Evangelische an. Sie erlebe jedoch bei andersgläubigen Schülerinnen und Schülern sowie Eltern durchaus Berührungsängste und Distanzierung. In seiner inhaltlichen Ausrichtung, aber auch in seiner Existenz werde der evangelische Religionsunterricht von rechten Glaubensgruppierungen sogar in Frage gestellt.

Hilfe für gelingendes Leben

Oft liege ein unvereinbares Grundverständnis vor: Der evangelische Religionsunterricht zeichne sich durch Offenheit aus, er stelle ausdrücklich die Bedürfnisse der Kinder in den Mittelpunkt und wolle Hilfe für ein gelingendes Leben sein. Gerade rechte kirchliche Gruppen wünschten jedoch eher einen Unterricht, der Enge und Geschlossenheit vermittle.

Projektleiter Professor Martin Rothgangel vom Institut für Religionspädagogik an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, strich heraus, dass die Antworten der Lehrerinnen und Lehrer auf beeindruckende Weise die Kinder in den Mittelpunkt ihrer pädagogischen Arbeit stellten. „Ihr Ziel ist es, den christlichen Glauben bewusst in die Lebenszusammenhänge der Kinder zu setzen. Damit kommt ein urkirchliches Anliegen zum Ausdruck.“

Oft ein Balanceakt

Gleichzeitig zeige die Studie, dass der evangelische Religionsunterricht auch besonders zu schützen sei. Es werde in ihr nicht verschwiegen, dass es Schulleitungen gebe, die es den Religionslehrerinnen und -lehrern schwer machten. „Das Arbeiten in den verschiedenen Schulformen ist also oft auch ein Balanceakt. Da ist es wichtig, dass das Fach Evangelische Religion sein Profil schärft und seine Identität herausstellt.“ Hier liege auch eine Gestaltungsaufgabe der Kirchen und der Politik, den Wert des Fachs begreiflich zu machen.

Allgemein sei das Fach Evangelische Religion, nachdem es in der Vergangenheit steigende Abmeldezahlen zu verzeichnen gehabt habe, inzwischen wieder zu einem beliebten Unterrichtsfach geworden, erläuterte Ulrike Baumann. „Es gibt sogar eine Tendenz, dass verstärkt Kinder ohne Religionszugehörigkeit gerade das Fach Evangelische Religion wählen.“

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ekir.de / Text und Foto: Ebba Hagenberg-Miliu / 27.11.2014



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