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Bundesweite Premiere: Oberkirchenrat Klaus Eberl, Schulleiterin Angelika Büscher, Imam Amir Djeladini und Schuldezernent Otmar Scholl. Bundesweite Premiere: Oberkirchenrat Klaus Eberl (im Audio zu hören), Schulleiterin Angelika Büscher, Imam und Lehrer Amir Djeladini und Schuldezernent Otmar Scholl (v.l.).

Johannes-Löh-Gesamtschule in Burscheid

Ein Modellprojekt, das Schule machen soll

Premiere in der Johannes-Löh-Gesamtschule in Burscheid: Ab dem neuen Schuljahr gibt es dort phasenweise einen kooperativen evangelisch-katholisch-muslimischen Religionsunterricht. Ein entsprechendes Modellprojekt wurde nun vorgestellt.

Amir Djeladini ist Imam und Prediger, er wird den Islamischen Religionsunterricht in Burscheid erteilen. Amir Djeladini ist Imam und Prediger, er wird den Islamischen Religionsunterricht in Burscheid erteilen.

Genauer: In Burscheid gibt es ab dem heute beginnenden Schuljahr erstmals Islamischen Religionsunterricht. Außerdem werden evangelische, katholische und muslimische Schülerinnen und Schüler phasenweise kooperativen Religionsunterricht haben. Das ist wohl deutschlandweit erstmalig an einer weiterführenden Schule.

Da die evangelische Gesamtschule die einzige weiterführende Schule in Burscheid ist, haben sich dort auch insgesamt 37 muslimische Schülerinnen und Schüler (21 im Schuljahr 2014/15, 16 im Schuljahr 2015/16) angemeldet. Als Schule in Trägerschaft der Evangelischen Kirche im Rheinland sind der Religionsunterricht, regelmäßige Gottesdienste und Andachten wesentliche Bestandteile des Schullebens.

Den Islamischen Religionsunterricht an der Johannes-Löh-Gesamtschule Burscheid wird Amir Djeladini erteilen. "Heute ist ein großer Tag für Toleranz, Akzeptanz, Zusammenarbeit, Erziehung und Wissenschaft", sagte Djeladini bei der Vorstellung des Modellprojekts. Der 46-jährige Makedonier ist seit 1996 angestellter Imam, Prediger und Lehrer an der Mesxhidiaksa Moschee in Leverkusen.

Die Lehrerlaubnis „Idschaza“ für Islamischen Religionsunterricht in Nordrhein-Westfalen besitzt er seit 2013. Islamischer Religionsunterricht bedeute, dass die Kinder ihre Religion kennen- und auch praktizieren lernen, etwa, wie die fünf täglichen Gebete funktionieren. Am kommenden Dienstag hat Djeladini seinen ersten Schultag: Dann beginnt der Islamische Religionsunterricht in Burscheid.

Auch ein Beitrag zum Abbau von Vorurteilen: Schulleiterin Angelika Büscher. Auch ein Beitrag zum Abbau von Vorurteilen: Schulleiterin Angelika Büscher.

„Ein Verständnis von Religion und Glauben, der Lebenshilfe bedeutet und Menschen zueinander führt, kann nicht zuletzt auch dazu beitragen Vorurteile abzubauen“, ist Angelika Büscher überzeugt, Leiterin der von der Evangelischen Kirche im Rheinland getragenen Gesamtschule. Büscher weiter: „Wir möchten den Kindern und Jugendlichen in Fragen der Religion und des Glaubens Grundlagen vermitteln, die ihnen einen eigenen Standpunkt einzunehmen ermöglichen, damit sie eine eigene Beziehung zu Gott aufbauen und festigen können.“ 

Der Religionsunterricht solle "nicht unverbunden nebeneinander stehen", erläuterte Büscher bei der Vorstellung des Modellprojekts. Praktisch wird es in Burscheid jetzt so laufen: Die Kids beginnen mit dem Religionsunterricht in ihren jeweiligen Gruppen. Also evangelisch, katholisch, muslimisch. Und nach ein paar Wochen schließt sich der kooperative Teil an. Klar ist: In der fünften Klasse steht dann in diesem Halbjahr das gemeinsame Thema Schöpfung auf dem Lehrplan. In der sechsten Klasse ist das Thema Jesus vorgesehen. Jesus spielt ja auch im Koran eine Rolle, erläuterte Schulleiterin Büscher, die selbst auch Religionslehrerin ist.

In der eigenen Religion beheimaten, Dialogfähigkeit einüben: Oberkirchenrat Klaus Eberl. In der eigenen Religion beheimaten, Dialogfähigkeit einüben: Oberkirchenrat Klaus Eberl.

Oberkirchenrat Klaus Eberl, Leiter der Bildungsabteilung im Landeskirchenamt, erläutert: „Die Schule wird damit dem Anspruch kirchlicher Schulen gerecht, auch bildungspolitische Pilotprojekte zu initiieren.“ Eben diese Kombination aus Unterricht in rein evangelischen, rein katholischen und rein muslimischen Lerngruppen in Abwechslung mit konfessionell und religiös gemischten Lernphasen. Damit solle beides erreicht werden: erstens Kinder und Jugendliche in ihrer eigenen Konfession beheimaten, zweitens ihre Sprach- und Dialogfähigkeit entwickeln.

Wie Oberkirchenrat Eberl betont, ist das Modellprojekt an der Johannes-Löh-Gesamtschule "eingebettet in das funktionierende Miteinander der Religionen und Kulturen" in Burscheid. In der Stadt gibt es einen intensiven interkulturellen und interreligiösen Dialog. So wird die jährliche „Interkulturelle Woche“ alle zwei Jahre zur Großveranstaltung „Interkulturelles Fest“ erweitert. Dazu gehört die „Nacht der offenen Türen“, in die neben den verschiedenen Kirchen - evangelisch, freikirchlich, katholisch, griechisch-orthodox - auch die islamische Gebetsstätte in Burscheid einbezogen ist.

Eberl und Büscher machten bei der Vorstellung des Modellprojekts die Grundlagen deutlich. Nordrhein-Westfalen hat inzwischen einen Lehrplan für Islamischen Religionsunterricht, es ist nun  ein reguläres Fach. Und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat mit ihrer neuen Denkschrift zum Religionsunterricht "Religiöse Orientierung gewinnen" der Doppelaufgabe religiöse Beheimatung und Dialogfähigkeit die Basis gegeben.

Der rheinische Schuldezernent Otmar Scholl betonte, dass mit Amir Djeladini der Richtige gefunden wurde: "Wir sind überzeugt, dass er als Lehrer ins System passt und den Weg zu den Kindern und ins Kollegium findet." Ein Beirat wird das Modellprojekt in Burscheid begleiten, eine Auswertung sei geplant, so Eberl. "Dann gehen wir in Serie." Seine Erwartung: "Das gute Beispiel macht Schule."

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ekir.de / neu / 12.08.2015



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