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Beim Religionsunterricht wird auch die eigene religöse Sprachfähigkeit geübt. Das erleichtert den konstruktiven Austausch miteinander. Beim bekenntnisorientierten Religionsunterricht wird auch die eigene religöse Sprachfähigkeit geübt. Das erleichtert den konstruktiven Austausch mit anderen Konfessionen.

Gemeinsame Erklärung

Reli-Unterricht für mehr Toleranz

Bekenntnisorientierter Religionsunterricht fördert „die Fähigkeit zu demokratischem Handeln, zum respektvollen Miteinander, zu gegenseitiger Toleranz und zu gesellschaftlichem Verantwortungsbewusstsein“. So heißt es in einer „Gemeinsamen Erklärung zum Religionsunterricht in Nordrhein-Westfalen“ – und das zeigt auch die Praxis.

Unterzeichnet wurde die Erklärung vor kurzem von Schulministerin Sylvia Löhrmann und von Vertretern der christlichen Kirchen, des Judentums und des Islams.

Pfarrer Rainer Pleißner, der am Berufskolleg für Technik und Medien in Mönchengladbach Religion unterrichtet, kann die genannten Punkte aus eigener Erfahrung nur bekräftigen: „Ein harmonisches Miteinander und eine fundierte Diskussion sind gut möglich, wenn die Schüler eine Grundahnung in ihrer eigenen Glaubenskonfession haben. Wenn dann ethische Fragestellungen anstehen, zum Beispiel die Frage der Sterbehilfe oder wie man mit alten Menschen umgeht, dann ist das eine Bereicherung, wenn man im Unterricht ganz spezifisch Schüler ansprechen kann, die aus einer anderen Religion kommen“, sagt er.

Durch die Begegnung mit Andersgläubigen lernen

Im Religionsunterricht am Berufskolleg gehört der friedliche und befruchtende Austausch zwischen Angehörigen unterschiedlicher Religionen für Rainer Pleißner zum Berufsalltag. „Das ist ja viel interessanter, wenn die Mitschüler hören, wie Menschen aus ihrem direkten Umfeld eine ganz andere Position einnehmen“, bestätigt Pfarrer Pleißner.

„Eines der wichtigsten Ziele der Schule ist die Einübung von Pluralitätsfähigkeit, d.h. unter anderem, dass die Schülerinnen und Schüler ihre eigene kulturelle und religiöse Verwurzelung und Identität erkennen und gleichzeitig in der Lage sind, an der Differenz – also in der Begegnung mit Andersgläubigen und -denkenden - zu lernen“, sagt Landeskirchenrat Eckhard Langner, stellvertretender Leiter der Abteilung Bildung der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Schülerinnen und Schüler in der eigenen Konfession beheimaten

Als Mitunterzeichner der „Gemeinsamen Erklärung“ hat die rheinische Landeskirche die Initiative des Schulministeriums sehr begrüßt. „Das Ministerium hat in diesem Statement deutlich hervorgehoben, dass der bekenntnisorientierte Religionsunterricht einen unverzichtbaren Beitrag zum Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule leistet“, erläutert Landeskirchenrat Langner.

„Wir haben die Aufgabe, die Schüler im Religionsunterricht in der eigenen Konfession zu beheimaten“, erklärt er, „doch ihnen zugleich auch nahezubringen, sich über dieses Wissen untereinander und mit anderen auszutauschen. Zur religiösen Sprachfähigkeit gehört auch, dass ich wahrnehme, andere denken anders über manche Themen. Ich muss lernen, mich mit ihnen zu verständigen, konstruktiv und lösungsorientiert“, beschreibt er. „Wir haben ein schönes Beispiel an einer unserer eigenen Schulen, der Johannes-Löh-Gesamtschule in Burscheid“, führt Langner an.

Viele Themen kommen in allen Religionen vor

An dieser einzigen weiterführenden Schule in Burscheid wird evangelischer, katholischer und islamischer Religionsunterricht angeboten. Alle Schülerinnen und Schüler werden in ihren eigenen Konfessionen unterrichtet. Doch zu fest verabredeten Zeiten und Themen, kommen sie mit den Lehrerinnen und Lehrern zum gemeinsam vorbereiteten Unterricht zusammen. „Die Auseinandersetzung mit anderen Religionen ist Bestandteil aller Lehrpläne. Das Thema Schöpfung kommt in allen Religionen vor. Das Thema Jesus kommt überall vor. Auch Abraham kommt in allen Lehrplänen vor“, erläutert Schulleiterin Angelika Büscher die Inhalte des gemeinsamen Unterrichts.

Neu bei ihnen sei, dass nicht jede Religionsgruppe diese Inhalte für sich behandle, sondern dass sich die Schülerinnen und Schüler gemeinsam damit befassen und „voneinander lernen und nicht nur übereinander reden“, sagt Büscher und unterstreicht: „So will die Schule eine Basis schaffen für mehr Verständnis und mehr Toleranz.“

An der Johannes-Löh-Gesamtschule spielt die Musik der Zukunft

Für Landeskirchenrat Eckhard Langner ist dieses Projekt vorbildlich: „Das ist das, wo wir sagen: da spielt schon jetzt die Musik der Zukunft“, sagt er. Solche Erfahrungen tragen dazu bei, dass man Vorurteile abbauen und die Schulgemeinschaft stärken kann. „Zum Dialog gehört, dass wir lernen, friedliche Formen der Auseinandersetzung einzuüben und dabei die friedensbildende Kraft der Religionen zu entdecken und zu entfalten. Dazu ermutigt dieses Papier.“ 

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ekir.de / sto, Foto: epd-bild/Meike Böschemeyer / 07.07.2016



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