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Foto: Kirchenkreis Moers Eine Familie mit Scout: Sie haben sich bei einem Treffen im Gemeindehaus der Rheinhauser Friedenskirchengemeinde gefunden.

Duisburg-Rheinhausen

„Scouts“ für das neue Leben der Roma-Familien

Der „Runde Tisch Offenes Rheinhausen“ will zugezogenen Roma ganz konkret beim Neuanfang in Deutschland helfen. Bei Wunsch der Familien werden ihnen ehrenamtliche „Scouts“ an die Seite gestellt.

„Ein Scout ist ein Führer, er hat den Geführten nichts voraus, aber er verfügt über Orts- und Sprachkenntnis, die er weitergibt“, erläutert Pfarrer Dieter Herberth von der evangelischen Christuskirchengemeinde in Duisburg-Rheinhausen. Deshalb habe man den Begriff „Scout“ und nicht etwa „Pate“ gewählt.

Zehn Ehrenamtliche haben sich jetzt auf ihre Scout-Tätigkeit vorbereitet. Sie haben sich über die Geschichte der Roma kundig gemacht, über Fragen des Sozialrechts und die örtlichen Hilfsangebote. Eine hauptamtliche Mitarbeiterin der Diakonie organisiert zudem regelmäßige Treffs, in denen sie sich austauschen können.

"Wir danken Gott dafür, dass wir das alles haben"

„Meine Kinder haben Brot, sie haben Kleidung zum Anziehen und sie müssen nicht frieren. Wir danken Gott dafür, dass wir das alles haben“, sagt Nicu Chelu. Der 31-Jährige kommt aus einem Dorf in Rumänien und hofft mit seiner Frau und acht Kindern auf eine bessere Zukunft in Rheinhausen.

„In Rumänien gibt es noch Hunger“, erklärt Pfarrer Herberth. Er kennt als Rumänien-Deutscher die Situation: „Wer keine Arbeit hat, hat kein Geld. Wer kein Geld hat, kann sich nichts zu essen kaufen und kein Holz, um zu heizen.“ Diese Situation sei der Grund für die Flucht vieler Roma aus Rumänien nach Deutschland.

Nicu Chelu lebt jetzt seit mehr als einem Jahr in Duisburg-Rheinhausen und will sich integrieren. Er wolle arbeiten, seine Kinder sollen Freunde finden, in die Schule gehen und gesundheitlich versorgt werden, betont der Familienvater. Das hat bisher nur zum Teil geklappt. Manche Arztpraxen und sogar Krankenhäuser haben nach Informationen des Scout-Projekts eine Behandlung verweigert. Ihnen sei die EU-Versicherungskarte unbekannt gewesen oder sie wollten Roma nicht behandeln.

Hilfe bei Behördengängen, in Schulen und bei Arztbesuchen

Bei der Arbeitssuche sei unter anderem die Adresse „In den Peschen“ ein Hinderungsgrund. Die beiden Hochhäuser seien in Duisburg schlecht beleumundet. Wie viele andere der etwa 60 Familien in den Häusern wolle Chelu deshalb mit seiner Familie so schnell wie möglich in eine andere Wohnung ziehen.

Organisiert hat das Scout-Projekt die Abteilung Duisburg-West des Diakonischen Werkes Kirchenkreis Moers. Nach Angaben des Leiters der Abteilung, Jürgen Voß, helfen die Scouts bei allen Herausforderungen des neuen Alltags, zum Beispiel bei Behördengängen, in Schulen und bei Arztbesuchen. Sie unterstützten aber auch, wenn es um das Finden von kulturellen oder sportlichen Angeboten geht, etwa einem Sport- oder Musikverein oder einem Sprachkursus. „Wenn das Projekt gut läuft, soll es ausgebaut werden, aber wir wollen im Kleinen anfangen und Erfahrungen sammeln“, so Voß.

 

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Dienstag, 25. Februar 2014. Die letzte Aktualierung erfolgte am Mittwoch, 26. Februar 2014. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / 26.02.2014



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