„Verschieden ist für mich normal“
Professor Ruddat bei seiner Abschiedsvorlesung zum Thema "'Ein jeder braucht sein Brot, sein Wein'. FeierAbendMahl und Kirchen(all)tag".
Doch auch nach seiner feierlichen Verabschiedung kann sich der Wissenschaftler noch nicht ganz zurücklehnen. Noch gibt es gewissermaßen Pflichtveranstaltungen, denn bis zum Abschluss des Sommersemesters wird er seine eigene Vertretung sein. Nachfolgerin Andrea Bieler hat zurzeit noch Verpflichtungen an der „Pacific School of Religion“ im kalifornischen Berkeley und kann daher erst im Juli die Professorenstelle für Praktische Theologie in Wuppertal antreten.
Nach seinem Studium in Bonn und Heidelberg war Ruddat unter anderem von 1976 bis 1991 in Leverkusen als Gemeindepfarrer tätig. Dann wechselte er zur Evangelischen Fachhochschule (EFH) in Bochum. In Wuppertal lehrt er seit 2001 das Fach Praktische Theologie. 2009 und 2010 war er Rektor der durch Fusion entstandenen Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel.
Zum Abschied ein Gutschein des Kirchentags
Seit 1997 war der Praktische Theologe außerdem Vorsitzender des Ständigen Ausschusses Abendmahl, Gottesdienst, Fest und Feier (AGoFF) und Mitglied der Präsidialversammlung des Deutschen Evangelischen Kirchentags. Inzwischen hat er diese Ämter abgegeben. „Ich habe in zwanzig Jahren beim Kirchentag alles gemacht, was man machen kann“, erläutert er. Jetzt seien andere in den Gremien gefragt. Für einzelne Projekte wolle er sich beim Kirchentag aber weiter einsetzen.
Bei der Verabschiedung in der Hochschule gab es dann auch gleich einen Gutschein von Kirchentagspastor Joachim Lenz. Ruddat hatte zum zehnten Todestag der Theologin Dorothee Sölle einen ihr gewidmeten Liturgischen Tag angeregt – und wenn der Kirchentag zustimmt, darf er nun helfen, dies 2013 in Hamburg auch umzusetzen.
Integration war immer ein Thema
Einige Themen durchziehen das ganze Berufsleben des Theologen, so der Umgang mit Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung. „In meiner Zeit als Pfarrer in Leverkusen haben wir schon versucht eine integrative Gemeinde zu entwickeln“, so Ruddat. Für ihn ist das eine Gemeinde, in der sich Eltern, Kinder, Senioren, Menschen mit und ohne Behinderungen gemeinsam zuhause fühlen. „Eine Frage ist, wie wir mit Menschen umgehen, die angeblich nicht normal sind“, sagt Ruddat und betont: „Verschieden ist für mich normal.“
Ruddat war auch Mitglied des Arbeitskreises "Kirche und Euthanasie" der Evangelischen Kirche im Rheinland. Der Arbeitskreis bereitete die „Erklärung zur Zwangssterilisierung, Vernichtung sogenannten lebensunwerten Lebens und medizinischen Versuchen an Menschen unter dem Nationalsozialismus“ vor. Die rheinische Landessynode beschloss die Erklärung 1985.
Er wird weiter Bücher schreiben
Zur Verabschiedung Ruddats in der Kirchlichen Hochschule in Wuppertal kamen der Präses der rheinischen Kirche Nikolaus Schneider, der Rektor der EFH-Bochum Professor Dr. Gerhard Schäfer, Kolleginnen, Kollegen und weitere Gäste. Bücher zu den Themen Feierabendmahl und inklusive Gemeinde, aber auch eine Studienreise nach Irland gehören jetzt zu den Plänen des künftigen Ruheständlers.
Doch die volle Aufmerksamkeit von Günter Ruddat sollen demnächst vor allem neun junge Menschen im Alter bis zu sechs Jahren genießen. „Meine Enkel freuen sich auf den Großvater“, sagt der 65-Jährige, der zusammen mit seiner Ehefrau Kriemhild vier erwachsene Söhne und Schwiegertöchter hat. Außerdem engagiert er sich weiter in der Eine-Welt-Gruppe seiner Kirchengemeinde.
ekir.de / rtm; Foto Elke Claussen / 22.02.2012
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