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Oberkirchenrätin Barbara Rudolph Nötig ist ein rechtlich verbindliches, faires Klimaabkommen: Oberkirchenrätin Barbara Rudolph.

Ökumenischer Pilgerweg für Klimagerechtigkeit

„Wir tragen Verantwortung für Gottes Schöpfung“

Der Kampf gegen den Klimawandel ist ein Gebot der Nächstenliebe gegenüber den armen Ländern des Südens, sagt Oberkirchenrätin Barbara Rudolph, Leiterin der Ökumene-Abteilung im Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche im Rheinland. Ein Interview.

Am 25. Oktober kommt der Ökumenische Pilgerweg für Klimagerechtigkeit in das Gebiet der Evangelischen Kirche im Rheinland. Was bedeutet Klimagerechtigkeit?

Klimagerechtigkeit ist ein Kunstwort, das den Zusammenhang zwischen Klima und Gerechtigkeit hervorhebt. Überschwemmungen, Dürren, erhöhte Temperaturen, Stürme sind Folgen des Ausstoßes von Treibhausgasen in den nördlichen Industriestaaten, treffen aber zumeist die armen Länder im Süden. Der Klimawandel ist darum eine Frage der Gerechtigkeit. Damit sind die elementaren sozialen und ökonomischen Menschenrechte wie Ernährung, Wasser, Gesundheit, angemessene Unterkunft gefährdet. Hinzu kommt, dass die heutige Generation auf Kosten der kommenden Generationen lebt.

Welche Erwartungen haben Sie an den UN-Klimagipfel in Paris?

Ich erwarte ein rechtlich verbindliches und faires Klimaabkommen, das das Kyoto-Protokoll ablöst. In dem Abkommen müssen gerechte, weitreichende und dauerhafte Klimaschutzmaßnahmen vereinbart werden, die den Klimawandel stoppen. Das bedeutet einen mittelfristigen Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger zugunsten erneuerbarer Energien und eine entschiedene Minderung des Energieverbrauchs. Zugleich ist Geld notwendig, um die Länder zu unterstützen, die vom Klimawandel betroffen sind. Bisher verweigerte vor allem die USA diese Forderungen, da besteht Hoffnung auf weiterführende Maßnahmen.

Warum ist die Sorge um Klimagerechtigkeit ein kirchliches Anliegen?

Es ist die Verantwortung vor Gott und den Menschen, die die Kirche dazu bringt, sich für Klimagerechtigkeit einzusetzen. Die Bewahrung der Schöpfung, die Gott den Menschen im Paradies anvertraut hat, ist nicht nur ein großer Respekt vor der Schöpfung, sondern auch vor Gott selbst, dem Schöpfer. Jesus hat seinen Jüngern in vielen Geschichten diese Schöpfung als Beispiel für Gottes Liebe nahe gebracht. Der Heilige Geist schwebt seit Anbeginn über der Schöpfung und gibt der Kirche einen Blick für Gottes großes Werk. Die Verantwortung vor den Menschen, vor allem gegenüber denen, die unter dem Klimawandel leiden, ist ein Gebot der Nächstenliebe.

Machen sich die westlichen Länder durch ihren klimaschädlichen Lebensstil schuldig?

Auf diese Frage kann man nur mit einem klaren „Ja“ antworten, schuldig vor Gott und den Menschen. Jesus Christus legt die Menschen aber nicht auf ihre Schuld fest, er sagt: Deine Sünden sind dir vergeben. Gehe – und sündige nicht mehr. Das ist Einladung und Herausforderung zugleich.

Opfer des Klimawandels sind vor allem arme Länder. Wie reagieren die Partnerkirchen der Evangelischen Kirche im Rheinland in Übersee auf die wachsende Bedrohung?

In West-Papua etwa wehren sich Gemeinden und Dörfer gegen die Rodung des Urwaldes und prozessieren gegen Minenbetreiber. In Namibia unterstützen die Kirchen Familien in Regionen, die von der zunehmenden Dürre betroffen sind, auf den Philippinen Familien, die durch Stürme alles verloren haben. In Indonesien startet die Evangelische Kirche im Rheinland gemeinsam mit den Partnern im Jahr 2016 eine Baumpflanzaktion, in Tansania wird die Wasserwirtschaft in den Dörfern optimiert. Darüber hinaus geht es darum, auf politisch Verantwortliche in Nord und Süd einzuwirken, gegenüber Firmen entsprechende Umweltauflagen durchzusetzen.

Was tut die Evangelische Kirche im Rheinland, um zu mehr Klimagerechtigkeit beizutragen?

Sie unterstützt die einzelnen Christinnen und Christen bei einem bewussten Umgang mit Energie. Sie unterstützt Kirchengemeinden, sich umweltfreundlich zu verhalten. Im Landeskirchenamt befindet sich zum Beispiel eine Solaranlage. Im Gespräch mit Politikern bringt sie Beschlüsse der Landessynode in die Öffentlichkeit. Mit der Unterstützung des „Schöpfungstages“ ermutigt sie Christinnen und Christen durch Gebet und Predigt. Auch der Pilgerweg nach Paris ist eine Aktion für Klimagerechtigkeit.

Was kann der einzelne Christ, die Christin tun?

Es ist nachgewiesen, dass die Menschen in Deutschland wissen, was man tun kann, um Energie zu sparen: keine elektrischen Geräte im Standby-Modus, weniger Auto fahren, weniger Fleisch essen und so weiter. Der große Schritt ist, von der Erkenntnis zum Handeln zu kommen. Die christliche Gemeinschaft, in der man sich gemeinsam verpflichtet, Rechenschaft ablegt und vor allem auch gemeinsam feiert, ist eine wichtige Hilfestellung, zumal wenn sie Christenmenschen in Nord und Süd miteinander vereint. 

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ekir.de / Ulrike Klös, Foto: Sergej Lepke / 20.10.2015



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