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Der heutige Kreml von Pskow. Der heutige Kreml von Pskow.

Russische Notizen 1

Die Reise

Vor 75 Jahren begann der Überfall Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion, 50 Jahre später suchte eine Gruppe aus der Evangelischen Kirche im Rheinland Versöhnung mit Russland. In seinen "Russischen Notizen" führt Oberkirchenrat Klaus Eberl nun aus diesen Anlässen einige Tage lang Tagebuch. Teil 1: Die Reise

1941 - 1991 - 2016. Drei Jahreszahlen, die Einschnitte in den deutsch-russischen Beziehungen markieren. Wer Versöhnung buchstabieren will, muss gedenken. Wer Zukunft gestalten möchte, darf die Vergangenheit nicht vergessen.

1941
Am 22.Juni 1941 hat Nazi-Deutschland die damalige Sowjetunion überfallen. Ziel war die vollständige Vernichtung des russischen Volkes. Mein Vater war als 17-jähriger beim Russlandfeldzug dabei. Es dauerte nicht lange, bis er die Widerwärtigkeit dieses Angriffskrieges begreifen musste. Er hat den Krieg gehasst. Nie hat er diese traumatischen Erlebnisse vergessen. Als ich später Pskow besuchte, erinnerte ich mich daran, dass er stets voller Hochachtung von den Menschen in Russland gesprochen hatte. Pskow, die schöne Stadt an der Welikaja, war das deutsche Hauptquartier im Aufmarschgebiet zu Leningrad. Die Stadt sollte ausgehungert werden. 900.000 Menschen starben während der Belagerung. Als die Rote Armee die Deutsche Wehrmacht zurückdrängen konnte, hinterließen die Deutschen Pskow als zerstörte Stadt.

Präses Peter Beier (1934-1996) Präses Peter Beier (1934-1996)

1991
50 Jahre nach dem Überfall besuchte eine große Delegation der rheinischen Kirche die Stadt Pskow. Die Landessynode hatte einen Beschluss zur "Versöhnung mit der Sowjetunion" gefasst. Bemühungen der Evangelischen Akademie und ihres Direktors Dieter Bach fanden in der Synode große Zustimmung. So fuhren wir im Juni unter Leitung von Präses Peter Beier nach Pskow, um um Versöhnung zu bitten. Der Präses zitierte in seiner Ansprache die beklemmenden Worte Paul Celans "Der Tod ist ein Meister aus Deutschland". Die Delegation war sich der deutschen Schuld mehr als bewusst. Die russischen Gastgeber machten es uns allerdings leicht. Sie empfingen uns mit offenen Armen. Schnell wurde klar: Es kann jetzt nicht bei Worten bleiben. Nach einer Begegnung mit Eltern schwerstbehinderter Kinder entstand der Plan, in Trägerschaft der Wassenberger Kirchengemeinde ein Heilpädagogisches Zentrum zu gründen. Eine wagemutige Idee. Dass dies der Beginn einer langjährigen Partnerschaft und ein Wendepunkt in der russischen Behindertenarbeit sein würde, konnte niemand ahnen. Es war des Anfang des "Wunders von Pskow" wie einmal die Rheinische Post titelte.

2016
Ich sitze im Flugzeug. Mehr als hundert Mal bin ich nach Pskow gereist. Mit dem Auto, der Eisenbahn, dem Flugzeug - einmal sogar mit dem Fahrrad, 3.000 Kilometer. Jetzt fahre ich zum Gedenken des deutschen Überfalls vor 75 Jahren und zur Feier unserer Partnerschaft. Es ist eine Reise zu Freunden. Dabei schweben dunkle Wolken über den deutsch-russischen Beziehungen. Die Krim-Annexion, das militärische Engagement Russlands in der Ostukraine einerseits, die Aufrüstung der NATO mit ihren Militärmanövern und die Sanktionen andererseits belasten die Beziehungen. Umso wichtiger ist es, dass wir weiterhin die zivilgesellschaftlichen Kontakte pflegen. Versöhnung ist ein schwieriges Wort. Und Vertrauen wächst langsamt.

 

 

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21.06.2016



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