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Kids, die das Heilpädagogische Zentrum in Pskow besuchen. Kids, die das Heilpädagogische Zentrum in Pskow besuchen.

Russische Notizen 5

Lebensperspektiven geschaffen

Anlässlich des 25. Jahrestags des Beginns der Versöhnunginitiative in Pskow in Russland ist Oberkirchenrat Klaus Eberl zu Besuch in der Partnerstadt der Evangelischen Kirche im Rheinland. In seinen heutigen "Russischen Notizen" porträtiert er die Inklusionsarbeit in Pskow.

Heute ist Tag der Offenen Tür im Heilpädagogischen Zentrum und der Werkstatt. Unsere Schülerinnen und Schüler sind da mit ihren Familien, auch die behinderten Mitarbeitenden der Werkstatt. Und natürlich das Team der beiden Einrichtungen, Offizielle von Stadt und Oblast und die deutsche Generalgouverneurin aus St. Petersburg. Die Initiative Pskow übergibt der Werkstatt als Jubiläumsgeschenk ein weiteres Gewächshaus, die Wassenberger Gemeinde den Schlüssel des neuen Busses, der leider noch Prozeduren der Zollabfertigung über sich ergehen lassen muss.

Das Heilpädagogische Zentrum ist Ausgangspunkt einer tiefgreifenden Umgestaltung der Behindertenhilfe und der Förderpädagogik in Russland. Dem Versöhnungsbeschluss der rheinischen Landessynode von 1991 sollten Taten folgen, Hoffnungszeichen für Menschen am Rande der russischen Gesellschaft. Schon lange waren die traurigen und unwürdigen Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderungen im russischen Anstaltssystem bekannt: keine Bildung, keine Förderung, keine Lebensperspektive.

Die Evangelische Kirchengemeinde Wassenberg machte sich zur Aufgabe, in Pskow ein Heilpädagogisches Zentrum als Förderschule für Kinder mit schweren und mehrfachen Behinderungen zu gründen. Mit Hilfe der NRW-Landesregierung und fachlich begleitet durch die Rurtal-Schule Oberbruch realisierte die Kirchengemeinde 1993 das Projekt und fand in der Stadt und später im Oblast Pskow verlässliche Partner.

Heute ist das Heilpädagogische Zentrum Pskow im ganzen Land bekannt als sichtbares Zeichen eines Systemwechsels. Niemand soll zurückgelassen werden. Kinder mit schweren Behinderungen sind bildungsfähig und sollen auf dem Weg zu mehr Selbstständigkeit alle nötige Förderung, Therapie und Wertschätzung erfahren.

Die Lehrpläne und Konzepte, die im Heilpädagogischen Zentrum entwickelt wurden, ziehen mittlerweile in vielen Städten und Hochschulen Russlands ihre Kreise. Dazu tragen regelmäßige Fachtagungen und Kongresse in Pskow bei, außerdem Vortragsreisen der Direktoren Dr. Andrej Zarjow und Swetlana Andreewa.

Was kommt nach der Schule? Die Werkstatt! Mit Hilfe der Werner-Peter-Schmitz-Stiftung konnte die Initiative Pskow Ende der 90er Jahre eine Werkstatt für behinderte Menschen bauen, die in Russland ohne Gleichen ist. Gearbeitet wird in fünf Abteilungen: Kartonagen, Schlosserei, Schreinerei und Landwirtschaft.

Hinzu kommt der Förderbereich, in dem Menschen mit schweren und mehrfachen Behinderungen betreut werden. Verbunden mit dem Frühförderzentrum Limpopo und dem integrativen Kindergarten, die altersmäßig vor der Schule angesiedelt sind, sowie der Werkstatt und den betreuten Wohngemeinschaften auf der anderen Seite, besteht nun in Pskow ein in Russland einzigartiges System der Förderung behinderter Menschen im Lebenslauf.

Im Festakt betone ich den Slogan der Kindernothilfe, der auch die Arbeit der Initiative Pskow gut zum Ausdruck bringt: Bildung ändert alles!

Abends treffen wir uns mit der kleinen deutschen Reisegruppe, Mitarbeitenden und den großartigen Freiwilligen, die im Rahmen des Auslandsfreiwilligendienstes in Pskow arbeiten, zum Grillabend.

 

 

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24.06.2016



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