Walther Henßen Walther Henßen

Evangelien auf Saarländisch

Der Dialekt als eine "Tür" in das Haus Kirche

„Ich habe Glück gehabt, dass ich nicht mit dem Johannes-Evangelium angefangen habe, dann hätte ich die Evangelien wohl nicht ins Saarländische übersetzt“, sagt der Theologe Walther Henßen.

Der Pfarrer im Ruhestand hat mit „Em Zimmermanns Jupp sei Älschder“ als Erster die vier Evangelien des Neuen Testaments in saarländische Mundart übersetzt. Henßen, 1938 in Ottweiler geboren, liebt das Direkte des Dialekts. Seine Übersetzung widerlegt das Vorurteil, Mundart tauge nur für den Plausch über den Gartenzaun und Comedy-Einlagen.

„Die Sprache besteht nicht nur aus witzigen Wörtern“, betont Henßen. Im Dialekt drückten Menschen mit ihren eigenen Worten viel direkter Lebenserfahrungen aus. In den vergangenen Jahren habe die saarländische Mundart zudem an Reputation gewonnen, auch wenn die jungen Menschen es weniger sprechen. Am internationalen „Tag der Muttersprache“ beteiligte sich Henßen an einem Mundart-Tag des Saarländischen Rundfunks. Wenn die Sprache nicht gepflegt werde, gehe ein Kulturgut verloren - und ein Stück Identität.

Biblische Texte aus dem Griechischen übersetzt

„Ich wohne inzwischen zwar in Essen, aber ich habe immer den Kontakt ins Saarland gehalten“, sagt der Bibelübersetzer. Nur deshalb habe er sich die Übersetzung zugetraut. „Es reicht nicht in der Sprache zu reden, man muss auch Saarländisch denken können“, so Henßen, der drei Jahre an seinem Werk arbeitete. Ein Weg zunächst über das Hochdeutsche sei nicht das Gleiche.

Für seine Schriftform des Saarländischen entschied sich der Theologe für einen „Saarbrücker Mischdialekt“. Dabei handelt es sich nach Darstellung Henßens um eine Form des Rheinfränkischen. Eine zweite Sprachgruppe im Saarland wird dem Moselfränkischen zugeordnet.

Die Evangelien "uff Saarlännisch" Die Evangelien "uff Saarlännisch"

Für seine Evangelien-Übersetzung ging Henßen zu den Quellen. Wie Martin Luther übertrug er aus dem griechischen Grundtext. „Jede Übersetzung ist Interpretation“, erklärt der Theologe. Bei der Übersetzung aus der Übersetzung gingen Feinheiten verloren und Fehler wiederholten sich.

Jetzt erfahren Leserinnen und Leser in den Evangelien von Jesus „wie er uff die Welt kumm is“ und „vom Umgang mit denne, wo annerschder ticke“. Henßen ist sich im Klaren darüber, dass seine Übertragung eine Gratwanderung ist und hofft, dass die Dialektform einen neuen Blickwinkel für die christliche Botschaft öffnen kann. Er empfiehlt das möglichst laute Lesen, um sich den Text zu erschließen. Dabei ist der Übersetzer sich ziemlich sicher, dass die Saarländer die Wörter schon ihrer Mundart gemäß aussprechen werden.

Mit dem Herrgott eng verbunden

Angefangen hat Henßen mit den Evangelien nach Markus, Matthäus und Lukas. Beim Johannes-Evangelium habe er gemerkt: „Das is ein ganz ander Gespräch“, wie der Saarländer sage. Der philosophische Hintergrund erfordere einen gedanklichen Umwandlungsprozess anders als zum Beispiel in den Geschichten der ersten Evangelien. So heißt es jetzt im Prolog des Johannes-Evangeliums: „Se allereerscht, noch bevor irjend ebbes vorher dò gewään war, hat es das Wort gebb. Von Anfang aan is se schon dò gewään. Es war schon immer mim Herrgott eng verbunn, jò, es war sogar de Herrgott in Person.“

Eine erste Lesung fand Anfang Mai in Lebach statt, weitere sollen folgen. Die Resonanz auf seine Bibelübersetzung war bisher durchweg positiv. Selbst ein Nicht-Saarländer schrieb ihm begeistert, dass er durch die Übersetzung die Frohe Botschaft erstmals richtig verstanden habe. Dem Leser war der Dialekt näher als die Sprache Martin Luthers, die ja auch nicht mehr gesprochen werde. Presse und Rundfunk im Saarland nahmen die Übersetzung mehrfach auf.

Heimat in der Kirche

Saarlands Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer erklärte in einem Geleitwort zu den biblischen Texten, dass so „eine größere, emotionalere Nähe zum heiligen Text“ geschaffen werde. Gerhard Koepke und Christian Weyer, Superintendenten der Kirchenkreise Saar-Ost und Saar-West, freuen sich über ein Werk, das „dem Volk aufs Maul schaut und die Herzen auf eine neue Weise erreichen kann“. Bereits 2012 hatte Henßen beim Evangelischen Medienverband im Rheinland unter dem „eteos“-Label „Wo's lang geht - Die 10 Geboode uff Saarlännisch“ veröffentlicht. Das Buch ist inzwischen in der zweiten Auflage erschienen.

Für den Theologen bietet die Mundart vielen ein Stück Heimat in der Kirche. Das ist auch seine Erfahrung aus vielen Mundart-Gottesdiensten, die er als einer der Ersten gehalten hat. Henßen beruft sich auf Manfred Rekowski, den neuen Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. In seiner Vorstellungsrede habe er gesagt: „Das Haus der Kirche muss viele Türen haben.“ Die Verkündigung in Mundart ist für Walther Henßen eine davon.

Em Zimmermanns Jupp sei Äldschder. Die vier Evangelien in saarländischer Mundart. Walther Henßen, Geistkirch-Verlag, Saarbrücken 2013, ISBN 978-3-938889-17-3 , Hardcover , 366 Seiten, 19,80 Euro

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Freitag, 17. Mai 2013. Die letzte Aktualierung erfolgte am Dienstag, 28. Mai 2013. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / rtm / 27.05.2013



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