Ehrenamtspreis 2011

"Begleitengel", "Büchereiengel" und "Seelsorgeengel"

"Ehrenamtliches Engagement ist ein zentraler Ausdruck des Glaubens", sagte Oberkirchenrat Klaus Eberl in der Feier zur Übergabe der Ehrenamtspreise der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) 2011. 

Das Team der Evangelischen Öffentlichen Bücherei in Burscheid ist eines der drei Träger des Ehrenamtspreises 2011. Die Urkunde überreichte Oberkirchenrat Klaus Eberl. LupeDas Team der Evangelischen Öffentlichen Bücherei in Burscheid ist eines der drei Träger des Ehrenamtspreises 2011. Die Urkunde überreichte Oberkirchenrat Klaus Eberl.

Drei Initiativen haben den mit 1.000 Euro dotierten Ehrenamtspreis erhalten, überreicht von Oberkirchenrat Eberl im Mutterhaus in Kaiserswerth. Das Team der Evangelischen Öffentlichen Bücherei Burscheid, bestehend aus zurzeit fünf Ehrenamtlerinnen, fährt zwei Mal im Monat mit einer mobilen Bücherei zur Gemeinschaftsgrundschule Dierath und ermöglicht es so den Kindern, in der Pause kostenlos Bücher auszuleihen. Allein im Schuljahr 2010/2011 hat es 2.389 solcher Ausleihen gegeben. Erreicht werden insbesondere Kinder, die aus eher bildungsfernen Familien stammen, und Kinder mit Migrationshintergrund.

"Ein eher stilles Projekt" nannte Dr. Sabine Zoske in ihrer Laudatio das Burscheider Projekt. "Aber was für ein wirksames!" Das Team mache Teilhabe und Integration möglich, bringe die "weite und schöne Welt der Bücher und der Literatur" zu den kleinen Kundinnen und Kunden. Eine Welt, die die Kids sonst wohl kaum betreten könnten, weil ihre Eltern ihnen keine Bücher kaufen (können).

Ausgezeichnet wurde auch die Krisenbegleitung / Suizidprävention, die aus der Telefonseelsorge Duisburg-Mülheim-Oberhausen hervorgegangen ist. LupeAusgezeichnet wurde auch die Krisenbegleitung / Suizidprävention, die aus der Telefonseelsorge Duisburg-Mülheim-Oberhausen hervorgegangen ist.

Auch die Krisenbegleitung unter dem Dach der Telefonseelsorge Duisburg-Mülheim-Oberhausen erhielt einen Ehrenamtspreis. Eine Arbeit "im Verborgenen", und zugleich eine sehr wichtige Arbeit, auf die die EKiR stolz ist, wie Volker Hufschmidt in seiner Laudatio sagte. Das siebenköpfige Team bietet Suizidgefährdeten, von Suizid betroffenen Angehörigen und Menschen in Lebenskrisen sehr zeitnah Gespräche an, nicht am Telefon, sondern persönlich und von „Angesicht zu Angesicht“.

In den Gesprächen werde der Gedanke des Suizids als „Teil der Lösung“ grundsätzlich akzeptiert - im Sinne des Verstehens, dass der Wunsch nach Veränderung der Situation und die Verzweiflung der/dem Betroffenen keine Spielräume mehr lässt. Vier bis fünf Menschen würden pro Person pro Jahr begleitet. Dafür sind die Ehrenamtlichen besonders geschult. Eine hauptamtliche Kraft übernimmt die Supervision und die fachliche Begleitung.

Außerdem erhielt LupeAußerdem erhielt "Do it!" den Ehrenamtspreis, ein Projekt für ehrenamtliche Vormundschaften für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

Und schließlich erhielt das Projekt „Do it!“ den Ehrenamtspreis 2011. Hinter dem Namen stehen engagierte Frauen und Männer aus Wuppertal, die ehrenamtliche Vormundschaften für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge übernehmen, wie Kirchenleitungs- und Jurymitglied Renate Brunotte erläuterte. Die Jugendlichen sind zwischen 13 und 17 Jahren, kamen ohne Eltern und Verwandte nach Deutschland, traumatisiert von einer langen und meist auch gefährlichen Flucht aus dem Kongo, Angola, Äthiopien, dem Irak, Afghanistan, Iran, den palästinensischen Gebieten und auch aus Sri Lanka.

Im einzelnen geht es um die Aufenthaltserlaubnis, angemessene Unterbringung, schulische Bildung, wenn nötig medizinische Versorgung. Brunotte: "Sie wissen, wie schutzbedürftig diese jungen Menschen sind, deren Gründe zur Flucht meist in der Kombination mehrerer Faktoren bestehen. Diese Kinder und Jugendlichen kommen aus großer Armut und Not, litten unter Menschenrechtsverletzungen oder wurden als Kindersoldaten missbraucht."

Oberkirchenrat Klaus Eberl LupeOberkirchenrat Klaus Eberl

Die rheinische Kirche hat damit zum dritten Mal ihren Ehrenamtspreis verliehen - an Menschen, die in der Kirche mitarbeiten, freiwillig, ohne Geld dafür zu nehmen, die mit ihrem Engagement Kirche und Gesellschaft prägen und verändern, wie Oberkirchenrat Eberl sagte. Mehr als 100 Projekte sind eingereicht worden. Die drei Ausgezeichneten sind damit auch "exemplarisch für die vielen anderen".

Zur „Freiheit eines Christenmenschen“ gehöre es, Verantwortung zu übernehmen - für die Kirche, für den Stadtteil, für die Gesellschaft, so Eberl. Das bürgerschaftliche Engagement habe sich in den letzten Jahren verändert. "Es ist selbstbewusster geworden. Ehrenamtliche sind nicht Hilfstruppen des Pfarrers oder der Pfarrerin. Sie bringen eigene Kompetenzen ein."

Die Kirche nehme heute eine doppelte Aufgabe wahr: "Sie ist Motivationsquelle des Ehrenamts, das in die Gesellschaft ausstrahlt; und sie ist, mit ihren eigenen Strukturen und Rahmenbedingungen, Ort konkreten ehrenamtlichen Engagements." Weil oft übersehen werde, welch wunderbare Projekte mitten in unserer Kirche wachsen und gedeihen, gebe es den Ehrenamtspreis.

Eberl erinnerte an das Motto des Preises: "Ihr seid das Salz der Erde". Der Vers aus der Bergrede Jesu spreche - die Seligpreisungen im Rücken - das große Zutrauen aus, das Gott in jeden Menschen investiert. "Salz wirkt. Immer. Es bewahrt vor Fäulnis und Verderben. Es löst Vereisungen auf. Und doch bleibt es unsichtbar. Ist nicht auf Selbstbehauptung aus. Es will nur da sein, wo es gebraucht wird. Man merkt sofort, wenn es fehlt."

Der Preis sei Ausdruck von Dank und Anerkennung: "Die rheinische Kirche weiß, dass sie ohne Ihren Einsatz (und den der vielen anderen Ehrenamtlichen) sehr viel ärmer wäre und sehr viel weniger bunt. Wir sind ein bisschen stolz darauf." Ehrenamtliche machten ihrer Kirche Ehre und legten für sie Ehre ein. "Von einer Kirche, die sich durch Ihr Engagement geehrt sieht und die gerne Ehre zurückgibt. All das in dem Wissen, dass wir das unter den Augen des einen und einzigen tun, dem alle Ehre gebührt."

Dr. Sabine Zoske LupeDr. Sabine Zoske

Dank kam auch von Sabine Zoske, in zu Beginn in der Andacht an die Adventszeit als Zeit der Lichter erinnerte, "die auf das eine große Licht der Weihnacht vorausweisen, das Licht, das mit Jesus Christus in die Welt gekommen ist". Ehrenamtliche seien Lichtgestalten für ihre Mitmenschen, auch die ",Begleitengel' von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, die ,Büchereiengel' aus Burscheid und die ,Seelsorgeengel' aus Duisburg". Schließlich seien Engel Lichtgestalten, "auch die, von denen die Advents- und Weihnachtszeit voll ist und von denen die Bibel erzählt".

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Freitag, 2. Dezember 2011. Die letzte Aktualierung erfolgte am Montag, 5. Dezember 2011. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

02.12.2011



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