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Nikolaus Schneider Nikolaus Schneider feiert am 3. September seinen 70. Geburtstag. Foto ekir.de-Archiv/Sandra Stein

70. Geburtstag von Präses i.R. Nikolaus Schneider

Menschenfreund und Moderator

Das Ringen mit Gott und mit seiner Kirche hat ihn geprägt. Wenn Seelsorge in Widerspruch zu kirchlichen Grundpositionen gerät, steht für ihn der Mensch im Mittelpunkt. Denn: "Gute wissenschaftliche Theologie ist nicht unbedingt identisch mit guter alltagstauglicher Theologie", sagt Nikolaus Schneider. Heute wird er 70.
 

Weniger als fünf Jahre stand der ehemalige Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland auch an der Spitze der EKD, bevor er sich vorzeitig als oberster Repräsentant der deutschen Protestantinnen und Protestanten zurückzog, um seiner krebskranken Frau Anne beizustehen.

2010 hatte sich Schneider nach dem Rücktritt Margot Käßmanns als deren Stellvertreter in die Pflicht nehmen lassen. Wortmeldungen gegen die soziale Spaltung im Land und Weichenstellungen für ein ökumenisches Miteinander mit Blick auf das 500. Reformationsjubiläum im laufenden Jahr bleiben aus seiner Amtszeit in Erinnerung.

In der innerkirchlich teils scharfen Auseinandersetzung über eine sogenannte Orientierungshilfe des Rates zu Ehe und Familie bezog Schneider deutlich Stellung: Zwar könne die Ehe zwischen Mann und Frau als Leitbild für verlässliche familiäre Bindungen dienen, doch seien die biblischen Überlieferungen an der Lebenswirklichkeit von heute auszurichten.

Und dazu gehörten neben der Gleichberechtigung von Mann und Frau und der Betonung des Kindeswohls auch homosexuelle Partnerschaften. "Ich lebe gut und gerne mit der Vielstimmigkeit in meiner Kirche", sagte Schneider, der sich in seinem Leitungsämtern stets als Moderator verstand.

Sozialen Spaltungen entgegenwirken

Seine sonore Stimme, freundlichen Augen und sein verständiges Lächeln sind geeignet, einen Gesprächspartner für sich einzunehmen. Eine kämpferische Miene passt nicht zu dem rundlichen Gesicht des Mannes, den seine Freunde "Niko" nennen.

Aufgewachsen in einem atheistischen Arbeiterhaushalt in Duisburg, ist es der schulische Religionsunterricht, der in ihm Interesse am Glauben weckt. Nach Theologie-Studium und Vikariat wird der Sohn eines Hochofenmeisters Gemeinde- und Diakoniepfarrer. An der Seite der Krupp-Arbeiter in Duisburg-Rheinhausen kämpft Schneider, der in seiner Freizeit als Fußball-Torwart beim VfL Hüttenheim auf dem Platz steht, für den Erhalt der Arbeitsplätze in der Kohle- und Stahlindustrie.

"Es reicht nicht aus, im Namen der Kirche großzügige Mildtätigkeit und individuelle Fürsorge zu praktizieren", sagt Schneider. Gottes Wort rufe Christen dazu auf, den sozialen Spaltungen in der Welt entgegenzuwirken.

Ratsvorsitz vorzeitig abgegeben

An 1987 ist Nikolaus Schneider Superintendent des Kirchenkreises Moers. 1997 wird er Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, 2003 folgt er Manfred Kock als Präses. An der Spitze der zweitgrößten deutschen Landeskirche steht er bis 2013, seine Amtszeit als EKD-Ratsvorsitzender soll erst zwei Jahre später, im Herbst 2015 enden. Doch es kommt anders.

Als bei Schneiders Frau Anne, die er im Studium kennengelernt und 1970 geheiratet hat, im Sommer 2014 Brustkrebs diagnostiziert wird, ist für ihn binnen weniger Tage klar: "Jetzt ist eine Situation, da geht die Liebe zu meiner Frau vor dem Dienst."

Nach dem Studium hatte Anne Schneider als Religions- und Mathematiklehrerin gearbeitet - und ihrem Mann in seinen Ämtern als Ratgeberin zur Seite gestanden. Von "einer fast 50-jährigen theologischen Denk- und Gesprächsgemeinschaft" spricht Nikolaus Schneider. Aus der Ehe gingen drei Töchter hervor. Die jüngste Tochter Meike starb 2005 im Alter von 22 Jahren an Leukämie.

Risse im Glauben

Meikes Tod habe seinem Glauben Risse gegeben, sagt Nikolaus Schneider. Nach der Krebsdiagnose von Anne Schneider schildert das Paar, das 2013 aus dem Rheinland nach Berlin gezogen ist, seine Gefühle noch im Sommer 2014 in mehreren Interviews. Wenn Anne es wünsche, werde er sie sogar zur Sterbehilfe in die Schweiz begleiten, sagt Schneider. Aus Liebe - gegen seine eigene theologische Überzeugung und im Widerspruch zur kirchlichen Position in der Sterbehilfe-Debatte.

"Wir sind jeden Tag sehr, sehr dankbar", sagt Nikolaus Schneider ein Jahr später, als Anne mit Hilfe der Ärzte den aggressiven Krebs besiegt hat: "Eigentlich waren wir darauf eingestellt, dass wir nicht mehr viel Zeit haben."

Bedford-Strohm: sozial engagiert und warmherzig

Prof. Heinrich Bedford-Strohm, Nachfolger Schneiders im Amt des EKD-Ratsvorsitzenden, würdigte den Jubilar als sozial engagierten Theologen und warmherzigen Menschen. "Ich danke Dir für alles, was Du für unsere Kirchen getan hast und tust." Schneider habe durch seine Zugewandtheit und Ausstrahlung viele Herzen für die Kirche gewonnen.

Rekowski: Menschen und Positionen zueinander gebracht

Sein Nachfolger im Amt des rheinischen Präses, Manfred Rekowski, würdigt Schneider in seinem Gratulationsschreiben zum 70. Geburtstag so: "Für Dich sind Gespräch, Ausgleich und Konsens immer wichtiger gewesen als das dogmatische Beharren auf Positionen." Mit seiner Gabe, Menschen und Positionen zueinander zu bringen, habe er der Kirche in schwierigen Zeiten einen großen Dienst erwiesen.

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epd / Karsten Frerichs, ekir.de / neu / 03.09.2017



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