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Schulsozialarbeit

Schulklima mitprägen

„Schulsozialarbeit ist angesichts der heutigen Herausforderungen in unserem Bildungssystem wichtiger denn je“, sagt Volker Bourgett, Abteilungsleiter des Jugendhilfeverbundes beim Diakonischen Werk an der Saar (DWSAAR). 

„Sie ist von zentraler Bedeutung bei der Weiterentwicklung des Bildungswesens zu einem ganzheitlichen System von Bildung, Erziehung und Betreuung.“ Gerade für Kinder und Jugendliche, die an den Anforderungen der Schule scheiterten, seien die Angebote der Schulsozialarbeit wichtig für den weiteren Lebensweg, betonte Bourgett in einem Pressegespräch anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Schulsozialarbeit in der Gesamtschule/ Gemeinschaftsschule Rastbachtal in Saarbrücken.

Bourgett: „Die Mitarbeiterinnen achten und stärken die Potenziale der Schülerinnen und Schüler. Sie helfen Krisen zu überwinden und fördern die Persönlichkeitsentwicklung.“ Gleichzeitig präge die Schulsozialarbeit das Lern- und Lebensklima an einer Schule entscheidend mit. Dies zeige die Erfahrung von 25 Jahren Schulsozialarbeit im Saarland.

Zentraler Bestandteil des Schullebens

Das Projekt an der Gesamtschule/ Gemeinschaftsschule Rastbachtal war eines der ersten im Saarland. Seit 1990 unterstützt und ergänzt das Team die schulische Bildungsarbeit – erst in Trägerschaft des Evangelischen Jugendwerkes an der Saar, seit 2003 in Trägerschaft des Diakonischen Werkes an der Saar.

Für Schulleiterin Ulrike Kleer ist Schulsozialarbeit ein zentraler Bestandteil des schulischen Lebens. Für viele Schülerinnen und Schüler seien die entsprechenden Ansprechpartnerinnen wichtig bei schulischen und privaten Krisen. Auch Lehrerinnen und Lehrer sowie Schulleitung suchten immer wieder ihren kompetenten Rat und ihre Unterstützung bei allen Problemen, mit denen Schulen heute konfrontiert werde. Kleer: „Daher ist die Schule ohne ihre Schulsozialarbeiterinnen nicht vorstellbar.“

Anforderungen deutlich gestiegen

Schulsozialarbeiterin Margit Goll, die seit Anfang an dabei ist, sagt: „Seit 1990 sind die Anforderungen an die Schulsozialarbeit deutlich gestiegen.“ So betreute in der Jahrgangsstufe 5 der damalige Kollege 27 Schülerinnen und Schüler und führte 18 Beratungen von Eltern und 29 Fallbesprechungen mit Lehrkräften durch. Im Schuljahr 2014/15 kamen im Vergleich dazu 320 verschiedene Schülerinnen und Schüler zur Beratung in die Schulsozialarbeit.

Allein in Jahrgangsstufe 5 wurden 284 Gespräche mit einzelnen Schülern geführt. Es gab insgesamt 153 Beratungsgespräche mit Eltern und 513 Fallbesprechungen mit Lehrkräften. Mittlerweile arbeiten in der Schulsozialarbeit drei Mitarbeiterinnen auf zwei Stellen. „Wir müssen jedoch auch den präventiven Bereich abdecken“, erläutert Goll.

Armut wirkt sich verstärkt aus

Die Anlässe für Beratungsgespräche haben sich kaum geändert: Aggressivität unter den Kindern und Jugendlichen, Hyperaktivität, Suchtproblematiken, Schulverweigerung, Lernschwächen, Konzentrationsstörungen und Probleme in den Familien. „Heute sind zudem verstärkt die Auswirkungen der Armut in den Saarbrücker Stadtteilen Burbach und Malstatt im Blick, die häufig mangelnde Erziehungskompetenz der Eltern und die Folgen häuslicher Gewalt“, berichtet Goll. Da immer mehr Kinder und Jugendliche mit Problemen zu kämpfen haben, sei die Einzelfallarbeit, Beratung und Krisenintervention in den Mittelpunkt der Arbeit gerückt.

Damit die berufsbezogenen Angebote aber nicht zu kurz kommen, kooperiert die Schulsozialarbeit mit vielen verschiedenen Einrichtungen der Jugendberufshilfe. Ähnlich ist es in den Bereichen Freizeitaktivitäten, Seminare, Projekte und Arbeitsgemeinschaften. Diese werden heute überwiegend von externen Referentinnen und Referenten durchgeführt.

Integration von Kindern aus Migrationsfamilien ist eine weitere Aufgabe

Schwerpunkt der Schulsozialarbeit sei aber nach wie vor das soziale Kompetenztraining in Kleingruppen, berichtet Golls Kollegin Angelika Grieser-Saar. Nur so könnten die Beziehungen zu allen Schülerinnen und Schülern aufrechterhalten werden. Das Gruppentraining sei auch wichtiger Baustein bei der Integration der Kinder und Jugendlichen aus Zuwanderungs-und Flüchtlingsfamilien in bestehende Klassenstrukturen.

Wird die Schule im Rastbachtal doch von Schülerinnen und Schülern aus 50 verschiedenen Nationen besucht, viele noch ohne ausreichende Deutschkenntnisse. „Die große Herausforderung wird es nun sein, Kontakte für die Familien und ihre Kinder im Gemeinwesen herzustellen, Hilfe über Jugendmigrationsdienste und Beratungsstellen zu vermitteln“, betont Grieser-Saar.

Bundeskongress Schulsozialarbeit

Rund 800 Teilnehmende aus Praxis, Verbänden und Wissenschaft werden zum Bundeskongress Schulsozialarbeit in Dortmund erwartet. Die Ergebnisses des Kongresses am Freitag und Samstag sollen in eine "Dortmunder Erklärung zur Schulsozialarbeit" münden. Das Motto der Tagung lautet: "Transformation, Energie, Chancen".

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epd-West, dwsaar, ekir.de/neu / 30.11.2015



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