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Während der Schwangerschaft haben viele Paare eine große Sehnsucht danach, begleitet und beschützt zu sein. Dafür bieten die Segnungsfeiern eine guten Rahmen. Während der Schwangerschaft haben viele Paare eine große Sehnsucht danach, begleitet und beschützt zu sein. Dafür bieten die Segnungsfeiern einen guten Rahmen.

Segnungsfeier für Schwangere

"Es ist gut, diesen besonderen Schutz zu haben"

„Segen berührt neues Leben“, unter diesem Motto finden in Essen viermal jährlich ökumenische Gottesdienste für werdende Eltern statt. Sie sind Zuspruch und Begleitung in einer Zeit, die oft von einem Wechselbad der Gefühle geprägt ist.

Die Segnungsfeiern für werdende Eltern sind gut besucht Die Segnungsfeiern für werdende Eltern sind gut besucht

„Ich freue mich. Ich bin erleichtert. Ich bin nervös. Ich habe Schiss“, hat die Berliner Journalistin Okka Rohd in einem populären Blog über ihre Schwangerschaft geschrieben. Ein zentraler Satz auch in der Kurzpredigt der evangelischen Pfarrerin Eva Gabra beim abendlichen Segnungsgottesdienst für werdende Eltern Ende Juni in Essen. Er findet in der stilvoll renovierten Krankenhauskirche des katholischen St. Elisabeth-Krankenhauses an der Ruhrallee statt.

Die junge Theologin, selbst Mutter von zwei kleinen Kindern, spricht von dem, was ihr selbst wichtig und nahe ist. Werdendes Leben sei ein Geschenk aus Gottes Hand, sagt Eva Gabra in die Besucherrunde im lichtdurchfluteten historischen Kirchenraum vor dem barocken Hochaltar: „Wir spüren ganz besonders in der Schwangerschaft etwas vom Wunder, aber auch von der Zerbrechlichkeit des Lebens.“

„Durch den Segen baut man eine besondere Beziehung zu seinem Kind auf"

Jaqueline Bree mit Ehemann Jens Lübbe und Sohn Jannes Jaqueline Bree mit Ehemann Jens Lübbe und Sohn Jannes

Genau deshalb sind sie gekommen: Die schwangeren Frauen, die werdenden Väter, die Geschwister, zukünftige Großeltern, Paten oder Patinnen und einige Kinder. Rund 30 Menschen haben an diesem warmen Sommerabend den Weg in die Kirche gefunden. „Durch den Segen, den man hier bekommt, baut man eine besondere Beziehung zu seinem Kind auf, das wäre sonst so nicht möglich“, sagt Jacqueline Bree. Ihr Sohn Jannes spielt unterdessen zu den Füßen seiner Eltern und der Großmutter auf dem Boden.

Auch mit ihm hat das Ehepaar während der Schwangerschaft Anfang 2016 schon an einem Segnungsgottesdienst teilgenommen. „Es ist einfach gut sich selbst, das Kind und unsere ganze Familie so behütet zu wissen“, beschreibt die 31-Jährige katholische Lehrerin ihre Erfahrungen. Jetzt arbeitet sie selbst ehrenamtlich bei den 2017 gestarteten Segensfeiern für Neugeborene mit - ein weiteres Format dieser ökumenischen Gottesdienstreihe zum Lebensbeginn.

Das Projekt wurde 2013 von der evangelischen Pfarrerin Juliane Gayk aus Steele gemeinsam mit ihrer katholischen Kollegin, der Pastoralreferentin Astrid Jöxen aus Stoppenberg entwickelt und zunächst in Essen-Steele angeboten, als „Segensfeiern für werdende Eltern“.

"Gottes Segen ist ja kein Hokuspokus!"

2015 folgte der Wechsel ans St. Elisabeth-Krankenhaus, nach eigenen Angaben die größte Geburtsklinik im Ruhrgebiet. Juliane Gayk wurde vom Kirchenkreis für diese von Anfang an ökumenisch angelegte Aufgabe beauftragt, für das Bistum Essen ist es Teil seines Zukunftsbildprozesses. „Wir sind aber auch offen für Menschen, die nicht kirchlich verwurzelt sind oder multireligiös oder gar nichts – alle sind willkommen“, betont Gayk.

Ein drittes Format der Reihe sei im April die Teilnahme an der BabyWelt 2017 in der Messe Essen gewesen. Dort gab es viele Gespräche über Taufe, über Glaubensfragen und Segenskekse mit einem Bibelspruch drin, nach dem Vorbild der Glückskekse: „Wir erleben bei vielen eine große Sehnsucht danach, begleitet und beschützt zu sein. Dafür wollen wir mit unseren Segnungsfeiern einen Rahmen schaffen“, erläutert Juliane Gayk das Konzept. „Der Segen Gottes ist ja kein Hokuspokus, sondern für jeden Menschen verfügbar.“ Deshalb hofft sie, dass die finanzielle und personelle Ausstattung für das innovative Projekt verbessert wird und auf landeskirchlicher Ebene eine weitere Verbreitung und Vernetzung stattfindet.

„Gott gebe dir alles, was du brauchst"

Pfarrerin Eva Gabra und Pastoralreferentin Astrid Jöxen Pfarrerin Eva Gabra und Pastoralreferentin Astrid Jöxen

Wie sehr der Segen die Menschen tatsächlich berührt, ist bei den intimen Segnungen in der Krankenhauskirche am Ende der Feier unübersehbar. Strahlende Gesichter bei den einen, manche Tränen und große Anspannung bei anderen, die sich dann in einem Lächeln oder einer Umarmung löst. „Gott gebe dir alles, was du brauchst. Zum Wachsen, zum Geborenwerden, zum Lieben“, hieß es zuvor beim gemeinsamen Gebet. Danach gehen die beiden Pfarrerinnen im Talar von Gruppe zu Gruppe, legen ihre Hand auf die Schulter der Paare oder gelegentlich auch auf den Bauch der Schwangeren und sprechen nach einem kurzen Vorgespräch einige persönliche Worte. „Ihr sollt Paar bleiben, aber auch Eltern werden“, sagt etwa Astrid Jöxen. „Aber das variiert, je nach dem, was man spürt.“

Katharina und  Martin Fütterer Katharina und Martin Fütterer

Katharina und Martin Fütterer fühlen sich besonders von der Predigt angesprochen. „Das ist wirklich eine Zeit der Unsicherheit und der Empfindsamkeit“, meinen beide über die ihre erste Schwangerschaft, „da ist es gut, sich einen Segen abzuholen“. Im September erwarten sie Zwillinge und wollen in St. Elisabeth entbinden. Andere, wie das binationale Paar Lena und Emmanuel, der aus Ghana stammt, sind schon zum zweiten Mal beim Segnungsgottesdienst, ihr erstes Kind ist 15 Monate alt. „Es ist gut für das Baby, diesen besonderen Schutz zu haben, deshalb sind wir wiedergekommen,“ sagt Emmanuel, während er seine Frau in den Armen hält, die Hände schützend auf ihren Bauch gelegt. Die Kerze in einem kleinen Glas vom letzten Mal, erzählt sie, steht noch immer bei ihnen zu Hause. Ab heute Abend werden es wohl zwei Kerzen sein.

Die nächste Segensfeier für werdende Eltern ist am 9. September 2017 um 20 Uhr.

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ekir.de / Bettina von Clausewitz, Fotos: Kersten Bögeholz / 07.07.2017



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