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Bericht vom Besuch der UCC Philippinen

Bericht von Landeskirchenrätin Christine Busch über den Besuch der United Church of Christ of the Philippines (UCCP) im Februar 2012 vor dem Hintergrund des Taifuns Sendong im Dezember 2011

In der Nacht vom 16. auf den 17. Dezember 2011 erreichte der Taifun Sendong die Nordwestküste von Mindanao. Die Menschen schliefen; niemand hatte vor den drohenden Wassermassen gewarnt. Etwa ab Mitternacht goss es zwölf Stunden lang wie aus Kübeln. 29 Gemeinden, 278 Doerfer, mehr als 53.000 Familien mit mehr als 160.000 Menschen waren betroffen. 25.000 Häuser wurden zerstört. Direkt nach Weihnachten gab es eine erste Bilanz: Etwa 1.500 Menschen waren ertrunken, 1.200 verletzt, mehr als 600 wurden vermisst. Dies waren nur vorläufige Zahlen. Bischof Melzar Labuntog von unserer Partnerkirche United Church of Christ of the Philippines sagt: „Als die Welt die Geburt Jesu Christi feierte und sich über sein Kommen freute, war es für uns dunkle Nacht.“

Auf den Tag genau zwei Monate nach der Katastrophe besuche ich mit Sonia Parera-Hummel, Leiterin der Asien-Abteilung der Vereinten Evangelischen Mission (VEM), Bischof Labuntog und zwei Mitarbeiterinnen aus der Verwaltung der UCCP Cagayan de Oro, der größten Stadt im Nordwesten Mindanaos. Hier sind 2.000 Menschen gestorben. 900 wurden als vermisst gemeldet.

Rev. Rey Lazaro zeigt uns seine Kirche, die vor 20 Jahren erbaut wurde; sie hat dem Taifun und vor allem den meterhohen Massen von Schlamm standgehalten, aber die Wandverkleidungen haben starke Schäden, Mobiliar und technische Geräete des integrierten Gemeindebüros sind zerstört. Jugendliche säubern Boden und Wände. Einige Familien haben hier ein provisorisches Obdach gefunden.

Rev. Lazaro berichtet, dass die Kirche, die nebenan gelegenen Gemeinderäume und das Haus des Conference Ministers in kürzester Zeit unter Wasser standen. Innerhalb weinger Minuten sei das Wasser auf zweieinhalb Meter gestiegen. Die Menschen konnten sich über die Gitter der Erdgeschossfenster auf die Flachdächer der Häuser retten, wo sie acht Stunden ausharren mussten, bis endlich der Regen nachließ und das Wasser abfloss. In dem verbleibenden Schlamm, der bis in Hüfthoehe reichte, saß alles fest, was die Fluten mitgerissen hatten: Möbel, Häuserteile, Äste, Autos. „Gott sei Dank, dass alle überlebt haben“, sagt Rev. Rey Lazaro. Man sei weiter dabei, den Alltag aus dem Nichts zu organisieren.

Ich merke in unserem Gespräech, dass unser Besuch keine zusätzliche Belastung ist, sondern dass Gemeindemitglieder und -mitarbeiter, Pastor und Bischof sich freuen über unser Kommen, über Gebete, Nachfragen und über Spenden, die sie aus Deutschland erreicht haben.

In den provisorischen Gemeinderaeumen bereiten Jugendmitarbeiter mit einer Gruppe von Kindern den Sonntagsgottesdienst vor. Sie haben ein Gebet geschrieben:

„Berge mich, Gott, unter deinen Flügeln,
bedecke mich mit deinen allmächtigen Händen.
Wenn sich das Meer erhebt und der Donner brüllt,
werde ich bei dir geborgen sein über dem Sturm.
Gott, du bist der König über den Fluten,
und ich werde immer wissen, dass du Gott bist.
Meine Seele finde Ruhe in Christus.
Spüre seine Kraft in der Stille und im Vertrauen.“

Von der Kirche aus fahren wir an den Fluss. Hier ist nichts mehr, wie es war. Alle Hütten wurden zerstört; hier gab es die meisten Todesopfer. Aus dem getrockneten Schlamm ragen Kleidungsstücke und einzelne Schuhe. Das Gelände wirkt wie ein riesiger Friedhof. Das Elend ist mit Händen zu greifen; Worte finden wir nur im Gebet. Keine, keiner schämt sich der Tränen.

Drei Wochen lang waren die Überlebenden allein auf sich selbst angewiesen. Es gab kein Wasser, keinen Strom. Erst in der zweiten Januarwoche trafen internationale Hilfsorganisationen ein und bauten „shelters“, mit Plastikplanen überdeckte Bretterbuden als Notunterkünfte, und organisierten Wasser, Essen, Gesundheitsversorgung. Auf Schulhöfen und Sportplätzen, aber auch mitten im zerstörten Quartier am Flussufer arbeiten nun Versorgungszentren. Hier wird auch Hilfe für traumatisierte Kinder und Erwachsene angeboten.

Die UCCP war nach dem Taifun schnell vor Ort. Sie hat in ihrer Verwaltung in Manila eine eigene Abteilung für „Desaster Response and Mangament“, von der aus noch vor Weihnachten Helfer und Material auf den Weg gebracht wurden, vor allem Wasser und Kleidung. Sie informiert seitdem kontinuierlich über die Entwicklung in Cagayan de Oro, sammelt Spenden und wirbt um ehrenamtliche Helferinnen und Helfer. Organisiert wird derzeit ein einjähriges Programm in ausgewählten Gebieten, das psychosoziale Intervention, medizinische Betreuung, Bildungsmaßnahmen und rechtliche Beratung anbieten soll.Außerdem will sich die Kirche in den Wiederaufbau der örtlichen Infrastruktur einschalten. Man arbeitet vor Ort ökumenisch, und man hat auch das andere Ufer des Flusses im Blick, wo sich eine muslimische Gemeinde angesiedelt hatte: Die wurde ebenfalls mit Spenden der UCCP versorgt.

Das Leben geht weiter im Tal des Cugayan, aber nichts ist wie vorher. Kleine Kinder, die eigentlich in die Schule gehören, stochern im getrockneten Schlamm nach verwertbaren Materialien. Ein höchstens achtjähriger Junge versucht, mit einer alten Stichsaege einen Metallstreben aus einer Betonverschalung zu lösen. Andere sammeln Bretter. Alles hat noch irgendeinen Nutzen oder wird zu Geld gemacht. Man lebt von der Hand in den Mund. Und man hofft auf den schnellen Wiederaufbau der Siedlung am Ufer, denn hier ist immer noch der eigene Grund und Boden, auf sehr gefährdetem Gelände. Seit dem Taifun Sendong kann niemand mehr die Augen davor verschließen. Die UCCP macht sich stark für einen gemeinwesenorientierten Wiederaufbau.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 1. März 2012. Die letzte Aktualierung erfolgte am Donnerstag, 1. März 2012. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / 01.03.2012



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