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Ausschnitt einer Septuaginta-Handschrift aus Nahal Hever. Foto: wikipedia.org Ausschnitt einer Septuaginta-Handschrift aus Nahal Hever. Foto: wikipedia.org

Septuaginta-Tagung in Wuppertal

Forscher diskutieren Erkenntnisse über die Bibel

Vor mehr als 2.000 Jahren übersetzten Sprachgelehrte die Texte, die heute zum Alten Testament gehören, in die damalige Weltsprache Altgriechisch. So entstand nach und nach die „Septuaginta“, die nun Thema der Tagung über ihre "Orte und Intentionen" ist.

Der Saarbrücker Theologe Prof. Dr. Wolfgang Kraus und sein Wuppertaler Kollege Prof. Dr. Martin Karrer leiten seit 1999 ein großes Bibel-Projekt, bei dem 80 internationale Wissenschaftler die Septuaginta ins Deutsche übersetzten und erforschen. Ihre Ergebnisse eröffnen neue Einsichten in die Ursprünge der europäischen Kultur, die Vielfalt des antiken Judentums, biblische Traditionen, das Alte wie das Neue Testament. Nun veranstalten die Forscher vom 24. bis 27. Juli in Wuppertal die Tagung, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird.

„Die Septuaginta ist die bedeutendste Übersetzung der Antike und zählt zum kulturellen Erbe der Menschheit“, sagt Professor Wolfgang Kraus. Was sie für die Wissenschaft so bedeutend macht: Sie entspricht nicht eins zu eins dem hebräischen Textbestand. Ab dem dritten Jahrhundert vor Christus übersetzten Sprachgelehrte die fünf Bücher Mose, auch bekannt als Tora, aus dem Hebräischen ins Altgriechische. Der Name „Septuaginta“ (Lateinisch: 70) entstammt einer Legende, die auf dem überlieferten Brief des Aristeas beruht: 72 Übersetzer hätten die Texte auf Geheiß des ägyptischen Pharaos Ptolemaios II. für die Bibliothek von Alexandria in 72 Tagen übersetzt.

Eigenständiges Werk

„Die Septuaginta ist ein eigenständiges Werk. Sie unterscheidet sich im Detail erheblich von der Fassung der hebräischen Bibel“, erläutert Wolfgang Kraus. Zum einen sind Umfang und Reihenfolge der Schriften verschieden: Die zugrunde liegenden Texte standen nicht zwischen Buchdeckeln, sondern auf einer großen Zahl von Schriftrollen. „Auch wuchs der Umfang der hebräischen wie der griechischen Schriften bis ins erste Jahrhundert nach Christus weiter und diese wurden von unterschiedlichen religiösen Gruppen überliefert und bearbeitet“, sagt der Theologe.

Zum anderen sind Textinhalte verschieden. „Das Spektrum reicht von Übersetzungsfehlern über kulturelle Anpassungen, die die Übersetzer vornahmen, etwa um die Texte verständlicher zu machen, bis hin dazu, dass die Übersetzer nur eine von mehreren existierenden hebräischen Vorlagen benutzten.“ Kraus nennt als berühmtes Beispiel die Übersetzung der „jungen Frau“, die einen Sohn gebären wird, in „Jungfrau“, Jesaja, Kapitel 7. „Die hebräischen Schriften bestehen aus einer Kombination von Konsonanten ohne Vokale: LBN könnte übertragen also loben, lieben oder leben heißen“, verdeutlicht der Bibelwissenschaftler.

Versionen vergleichen

„Wir wollten in der deutschen Übersetzung den ältesten erreichbaren griechischen Text wiedergeben. Von Fall zu Fall war zu diskutieren, ob der Septuaginta-Text nicht sogar eine Vorform jenes Textes darstellt, der uns heute in der hebräischen Bibel begegnet“, erklärt Kraus. „Wer die Quelle und die historischen Gegebenheiten der Zeit kennt, kann Texte mit früheren und späteren Versionen vergleichen.“

Oder andere, spätere Texte besser verstehen: „Die Autoren des Neuen Testaments zitieren oft aus der Septuaginta“, sagt er. Die vorliegende deutsche Übersetzung mit zwei Kommentarbänden und einem Handbuch in sechs Bänden, an dem jetzt gearbeitet wird, macht es möglich, hier weiter zu forschen.

Auch Naturwissenschaftler bringen ihre Arbeiten ein

„Aus der Arbeit im ,Septuaginta Deutsch'-Projekt ergaben sich viele neue Forschungsansätze, mehrere Projekte wurden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Es erwies sich als sehr fruchtbar, Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen gemeinsam an den Themen arbeiten zu lassen“, erklärt Professor Kraus.

Die Wuppertaler Tagung, inzwischen die sechste internationale Fachtagung des Projekts „Septuaginta Deutsch“, bringt diese Forscher zusammen, darunter auch Nachwuchswissenschaftler, die ihre Arbeiten vorstellen. Die Textgeschichte, die geographische und theologische Verortung der Schriften sowie die Intentionen der Septuaginta werden im Mittelpunkt stehen. Die Tagung findet in der Kirchlichen Hochschule Wuppertal / Bethel statt, die neben der Universität des Saarlandes und der Bergischen Universität Co-Veranstalterin ist.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Mittwoch, 9. Juli 2014. Die letzte Aktualierung erfolgte am Mittwoch, 9. Juli 2014. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / us, neu / 09.07.2014



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