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Presbyterin Jessica Seyfarth. "Ich empfinde es als Bereicherung, von Älteren zu lernen und als Jüngere auch mal neuen Input zu geben", sagt Presbyterin Jessica Seyfarth.

Jessica Seyfarth über Mitarbeit im Presbyterium

"Ich wollte gerne mitgestalten"

Ruhig mal eine Schnupper-Presbyteriumssitzung für Interessierte an der Mitarbeit anbieten - das rät Jessica Seyfarth. Auf diese Weise fand die 28-jährige Bankkauffrau vor acht Jahren den Weg ins Presbyterium ihrer Gemeinde in Meerbusch-Büderich. 

Alle vier Jahre werden die Presbyterien neu gewählt. Das nächste Mal am 14. Februar 2016. In Vorbereitung darauf ist momentan die Phase der Kandidatensuche. Wie sieht sie aus und was macht Spaß an der Mitarbeit im Presbyterium? Dazu hat ekir.de mit mehreren Presbytern und Presbyterinnen gesprochen. Hier das Gespräch mit Jessica Seyfarth. 

Wie sind Sie dazu gekommen, im Presbyterium mitzuwirken?

Ich bin durch die Konfirmation an die Gemeinde heran geführt worden, und das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich im Kindergottesdienst mitgeholfen und Jugendfreizeiten begleitet habe. Dann hat mich der Pfarrer gefragt, ob ich im Presbyterium mitarbeiten würde. Ich habe mir Bendenkzeit erbeten und habe eine Presbyteriumssitzung besucht, die öffentlich gemacht wurde, damit mögliche Kandidaten sich das einmal anschauen können. Noch am selben Abend habe ich mich dann für die Kandidatur entschieden.

Eine Schnupper-Presbyteriumssitzung für mögliche Kandidaten ist also eine gute Idee?

Das sollte man in der Gemeinde auf jeden Fall anbieten. Vielleicht kann man diese Sitzung auch ein bisschen anders gestalten, indem man eine Art Vorwort macht, in dem die Abläufe ein wenig erklärt werden, damit alle besser folgen können.

Was hat Sie damals überzeugt?

Für mich war die Sitzung die letzte Bestätigung für das Gefühl, das ich schon hatte. Es war mir wichtig, dass ich in der Gemeinde etwas verändern und gerne mitgestalten wollte.

In welchen Punkten?

Na ja, ich war damals Anfang 20. Da hat man natürlich andere Ideen und möchte Manches gerne mal anders machen. Doch es war auch sehr interessant zu lernen, dass es so viele Regularien gibt, mit denen sich Presbyterien auseinander setzen müssen – und das ja alles als Ehrenamtliche.

Es gibt viele Möglichkeiten sich ehrenamtlich zu engagieren. Warum wurde es bei Ihnen die Kirche?

Ich war nie im Sportverein oder Ähnlichem. Die Gemeinde war der Ort, wo ich diese Form von Gemeinschaft erlebt habe. Außerdem hat mir die Arbeit ansich gefallen: dass man real etwas weitergeben kann. Ich bin auch anderweitig noch ehrenamtlich tätig und zwar in meiner alten Schule im Vorstand des Fördervereins und gestalte auch dort das Leben ein bisschen mit.

Gibt es Unterschiede zwischen Presbyterium oder Förderverein im Umgang miteinander?

Der Umgang ist gar nicht so unterschiedlich. Man hat dieses gemeinschaftliche Ziel vor Augen, was verbindet und was natürlich auch mal zu Konflikten führt. Denn jeder hat seine eigenen Ideen und meint, diese wären die besten. Da muss man zum Glück miteinander ins Gespräch kommen und einen gemeinsamen Nenner finden.
Was bei der Gemeinde anders ist, ist, dass man die Auswirkungen von Presbyteriumsbeschlüssen viel stärker sieht. Man hat ein viel direkteres Feedback. Zudem ist es eine Herausforderung, dass man für mehrere Generationen Entscheidungen trifft. Zur Gemeinde gehören ja alle Altersklassen!

Ist es auch reizvoll, dass man im Presbyterium generationenübergreifend miteinander arbeitet?

Auf jeden Fall! Und dass wir alle einen anderen Hintergrund haben. Manche sind Hausfrauen, manche sind gerade wieder in den Beruf eingestiegen, manche sind mitten drin, manche sind Rentner... Wir haben eine gute Durchmischung. Manche denken, man müsse einen bestimmten Abschluss haben, um im Presbyterium mitzumachen, doch das ist gar nicht wichtig.

Was sollte man mitbringen an Fähigkeiten, Talenten und Interessen, um im Presbyterium mitzuarbeiten?

Auf jeden Fall Freude am Leben und Freude am Gemeindeleben. Es ist wichtig, dass man gerne mit Menschen Kontakt und ein offenes Ohr für andere hat. Ebenso wichtig ist es, dass man offen kommunizieren kann und im Presbyterium offen miteinander redet. Und dass man gerne für das Gute einsteht: Wenn einem eine Sache wichtig ist, dann sollte man sich für sie einsetzen – natürlich nicht mit allen Mitteln.
Außerdem darf man sich Veränderungen nicht verschließen. Es gibt diesen schönen Spruch: Wer will, dass Kirche bleibt, wie sie ist, der will nicht, dass sie bleibt.

Umso wichtiger, dass auch Jüngere die Gemeinde mitgestalten.

Ich empfinde es als Bereicherung, einerseits von Älteren zu lernen und andererseits als Jüngerer auch mal einen neuen Input zu geben.

Wem empfehlen Sie, sich im Presbyterium zu engagieren?

Demjenigen, dem etwas an der Gemeinde gelegen ist und der meint, er habe etwas Gutes, das er einbringen kann.
Man muss sich jedoch darüber im Klaren sein, dass es auch mal härtere Zeiten gibt. Manchmal entscheidet man über Dinge mit großer Tragweite, das nimmt man dann auch mit nach Hause. Wir haben beispielsweise unsere Kita neu gebaut. Damit verbunden waren wichtige Überlegungen: Wollen wir diesen Schritt wagen? Wir wissen doch gar nicht, wie genau die Zukunft der Gemeinde aussieht. Da geht man auch mal mit Bauchschmerzen nach Hause oder kann eine Nacht nicht schlafen, wenn einen etwas sehr beschäftigt. Dann ist es ganz wichtig, dass man gute Kollegen hat, mit denen man die Bedenken genauso wie die Freude teilen kann.

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ekir.de / Alexandra Stoffel / 23.09.2015



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