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Sieben Wochen ohne Mit diesem Motiv wirbt die Fastenaktion der evangelischen Kirche in diesem Jahr.

Fastenaktion

Sieben Wochen für das große Herz

Die Passionszeit hat begonnen und mit ihr die evangelische Fastenaktion "7 Wochen Ohne“. Dieses Mal lautet das Motto: "Großes Herz! Sieben Wochen ohne Enge“. Es geht um große Themen wie Offenheit, Großzügigkeit und Vergebung - und die kleinen Dinge des Alltags.

Seit mehr als 30 Jahren lassen sich auch viele in der Evangelischen Kirche im Rheinland durch die Aktion „7 Wochen ohne“ dazu anregen, die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern bewusster zu gestalten. Dazu gehört zum Beispiel der Verzicht auf Süßigkeiten und Alkohol oder eine Fastengruppe, die sich mit dem aktuellen Thema der Aktion beschäftigt.

Edwin Jabs Edwin Jabs

Verstehen und annehmen

„Ein großes Herz bedeutet für mich, sich in die Situation eines anderen Menschen einfühlen zu können“, sagt Edwin Jabs, Leiter der Evangelischen Hauptstelle für Familien- und Lebensberatung in der rheinischen Kirche. Dazu gehöre es nicht, zu urteilen und zu verurteilen, sondern zu verstehen und den anderen so anzunehmen, wie er ist. Es gehe um das, was er fühle und denke, denn Herz und Gedanken seien für ihn immer nahe beieinander.

„Vergebungsfähig sein“, so lautet für den Theologen und Diplom-Psychologen eine weitere Charakteristik des großen Herzens. „Man muss damit leben, dass das Gegenüber und ich Fehler machen.“ Auch „einem anderen etwas gönnen zu können“ zählt laut Jabs zu den Qualitäten eines großen Herzens. Doch für den Psychogen gilt auch: „Ich muss achtsam mit mir selbst umgehen können, wenn ich vielleicht mein eigenes Herz schützen muss“. Enge zeigt sich nach den Erfahrungen des Landespfarrers, wo Angst, Ablehnung und Feindbilder erscheinen.

„Die Fastenzeit gehe ich persönlich bescheiden an“, berichtet Jabs. Er verzichte auf Süßigkeiten, um sich bewusst zu machen, welche Verführbarkeit, Automatismen und vermeintliche Selbstverständlichkeiten es im Alltag gebe. Für ihn ist die Zeit vor Ostern vor allem die Passionszeit. „Dabei ist mir die gottesdienstliche Begleitung wichtig“, erläutert er. Das gelte besonders für den Gottesdienst an Karfreitag.

Birgitt Ferrier Birgitt Ferrier

Weniger Zeit am Computer „vertrödeln“

„Wenn ich bewusst auf etwas verzichte, dann gewinne ich etwas Anderes dafür“, sagt Birgitt Ferrier. Die Küsterin nimmt an der ökumenischen Fastengruppe im Gemeindezentrum der Schlosskirche in Düsseldorf-Eller teil. „Die Gruppe und die Gesprächsverläufe entwickeln sich automatisch nur mit der Vorlage aus dem Kalender“, lautet ihre Erfahrung aus den vergangenen Jahren.

Die Düsseldorferin will in den Passionswochen weniger Zeit am Computer „vertrödeln“ und bewusst „sonntags die Kiste auslassen“. Sie fragt sich aber auch: „Warum packe ich die Datei mit den Spielen nicht einfach in den Papierkorb und genieße die freie Zeit für das ganze Jahr?“ Doch verteufeln will sie die Spiele nicht: „Schließlich fördern sie das logische Denken.“

„Offen zu sein für alles und jeden und jede so annehmen, wie er oder sie ist, das ist für mich ein großes Herz“, erklärt auch sie zum aktuellen Motto der Aktion „Sieben Woche ohne“. Das höre sich einfach an, aber in extremen Fällen könne sie das wohl nicht. Birgitt Ferrier: „Einem Mörder, der mir das Liebste genommen hat, annehmen oder gar verzeihen? Ich fürchte, das könnte ich nicht. So groß bin ich nicht.“

Ursula Thomé Ursula Thomé

Bildung und Erweiterung des Horizonts gegen Enge

„Ein großes Herz zeichnet Großzügigkeit und Offenheit für Andere aus“, sagt Ursula Thomé, Pfarrerin im Gemeindedienst für Mission und Ökumene (GMÖ) in der Region Westliches Ruhrgebiet. Als weiteres Kennzeichen nennt sie die Herzlichkeit in der Begegnung. Zum großen Herzen gehöre außerdem „sich mit den Augen des anderen zu sehen“. In der Ökumene komme es darauf an, sich einzulassen auf fremde Kulturen und Kontexte, Unterschiede auszuhalten und voneinander zu lernen.

Enge lässt sich nach Ansicht von Pfarrerin Thomé vor allem durch Bildung und eine Erweiterung des Horizonts vermeiden. Auf Bildung zu setzen, sei schon ein zentrales Anliegen der Reformation gewesen. Sie selbst hat den Besuch einer evangelischen Schule und das Studium beim Weltkirchenrat in Genf als wichtige Horizont-Erweiterungen erlebt. Äußere Umstände sind für sie nicht immer entscheidend: „Auch wer unter einengenden Bedingungen lebt, kann weite Gedanken haben“, erläutert die Theologin.

Innerhalb der Kampagne „Weite wirkt“ laden die rheinische Kirche und der Kirchenkreis An der Ruhr am Pfingstsonntag, 15. Mai, ein zu einem Fest nach Mülheim an der Ruhr. Pfarrerin Thomé ist an der Vorbereitung beteiligt. „Ohne Enge“ gilt besonders bei dieser Umsetzung des aktuellen Themenjahres in der bundesweiten Reformationsdekade. „Auf ökumenische Stimmen hören, Fremdheit nicht als Bedrohung empfinden und Vielfalt schätzen“ – mit dieser Haltung, so Ursula Thomé, können Christinnen und Christen in der Kirche und in der Gesellschaft erneuernd und verändernd wirken.

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ekir.de / rtm / 17.02.2016



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