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Peru: Neunjährige Mädchen schuften in einer Ziegelei, um das Familieneinkommen aufzubessern. Peru: Neunjährige Mädchen schuften in einer Ziegelei, um das Familieneinkommen aufzubessern.

Tag für die Abschaffung der Sklaverei

„Aufpassen, dass uns die Steine nicht auf die Füße fallen“

Samstag, 6 Uhr. „Ich laufe eine halbe Stunde über einen schmalen Pfad hinunter zur Ziegelei. Heute schichte ich mit meiner Freundin Ziegelsteine in den Brennofen.“ So erzählt Margarita, 9 Jahre, aus ihrem Leben. Einem Leben mit Kinderarbeit. 

Das Mädchen, dessen Geschichte die Kindernothilfe (Duisburg) veröffentlicht hat, lebt in Cajamarca, einer Stadt in den Bergen Perus, rund 800 Kilometer nördlich der Hauptstadt Lima. Kinderarbeit, Sklaverei, Zwangsarbeit – gibt es eigentlich nicht mehr? Heute, am 2. Dezember, ist der Internationale Tag für die Abschaffung der Sklaverei. Klar ist: Die Abschaffung von Sklaverei und ähnlichem steht bis heute aus.

Laut Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (International Labour Organisation / ILO) sind knapp 21 Millionen Menschen Opfer von Zwangsarbeit, rund 5 Millionen von ihnen sind noch Kinder. Die größte Zahl von Menschen, die von Zwangsarbeit betroffen sind, lebt in Indien. Dort werden vermehrt Kinder oder Jugendliche in der Textilindustrie eingesetzt.

In Asien und im Pazifik gibt es die meiste Zwangsarbeit, laut ILO-Schätzung 56 Prozent. Doch auch die Industrieländer, auch in der Europäischen Union, haben einen Anteil von rund 7 Prozent an der weltweiten Zwangsarbeit. In diesen Ländern werden durch sexuelle Ausbeutung wie zum Beispiel Zwangsprostitution pro Opfer und Jahr bis zu 80.000 US-Dollar erzielt.

Leichte Arbeit erst ab 13

Kinder- und Zwangsarbeit ist zwar weltweit illegal, jedoch ist Zwangsarbeit ein schwammiger Begriff, schwer zu definieren. Die ILO hat hierzu im Jahr 1973 die Konvention 138 geschaffen und damit die internationale Norm geprägt. Sie schreibt Mindestalter vor: für leichte Arbeit 13 Jahre, für gewöhnliche Arbeit 15 Jahre und für gefährliche Arbeit 18 Jahre.

Margarita ist mit ihren neuen Jahren klar drunter. Trotzdem schuftet sie in der Ziegelei: „Jeder Stein wiegt zwei Kilo und muss hochgereicht oder hochgeworfen werden. Das ist sehr anstrengend und wir müssen aufpassen, dass uns die schweren Steine nicht auf die Füße fallen.“ Für einen halben Tag Arbeit bekommt sie 5 Soles. Das sind 1,60 Euro.

Beitrag zum Familieneinkommen

Ihre Mutter könne weder lesen noch schreiben, finde deshalb keine ordentlich bezahlte Arbeit. Und so arbeitet Margarita am Wochenende und nach der Schule in der Ziegelei. Um zum Familieneinkommen beizutragen.

Indien, das Land mit den höchsten Zahlen an Zwangsarbeit, hat bis heute nicht die ILO-Abkommen zum Mindestalter für Arbeitsaufnahme und zur Beseitigung der schlimmsten Formen der Kindesarbeit ratifiziert. Die schlimmsten Formen sind hierbei Sklaverei und sklavenähnliche Arbeitsverhältnisse wie Kinderhandel, Prostitution, illegale Aktivitäten wie Drogenschmuggel und andere Arbeiten, die schädlich für den Körper oder für die Psyche des Kindes seien können.

"Action!Kidz" gegen ausbeuterische Kinderarbeit

Die Kindernothilfe hat die Aktion "Action!Kidz - Kinder gegen Kinderarbeit" ins Leben gerufen. Die Idee wird auf der Website beschrieben: “Mädchen und Jungen arbeiten bei Freunden, Nachbarn oder Unternehmen. Im Tausch erhalten sie eine Spende, die in ein Projekt der Kindernothilfe gegen ausbeuterische Kinderarbeit fließt.“

In diesem Jahr geht das Geld an den Kooperationspartner der Kindernothilfe in Peru, an IINCAP, das Institut für Forschung, Fortbildung und Förderung „Jorge Basadre“. 

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ekir.de / Richard Diesing, Foto: Kindernothilfe / Christian Herrmanny / 02.12.2014



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