Dennoch glauben, hoffen und lieben
Präses Nikolaus Schneider bei der außerordentlichen Landessynode anlässlich der 1. Reformierten Generalsynode 1610
Denn Gottes Geist vertreibe die Geister der Unfreiheit, sagte der leitende Geistliche in seiner Predigt über Römer 8,14. Insbesondere vertreibe Gottes Geist die Geister der Sinnlosigkeit, der Gleichgültigkeit und des Zynismus. Gegen allen Augenschein befreie er zum Glauben.
Außerdem vertreibe Gottes Geist die Geister lähmender Angst, Verzweiflung und Resignation. Gegen die Erfahrung des Todes befreie er zur Hoffnung. Auch zur Liebe befreie er, vertreibe doch Gottes Geist – trotz der Erfahrung von Feindseligkeit - die Geister der Selbstsucht und der Bequemlichkeit.
In Bezug auf die 1. Reformierte Generalsynode in Duisburg 1610 sagte Schneider: „Gebunden an Gottes lebendiges Wort wagen Gotteskinder Freiheit und Veränderung – das galt vor 400 Jahren, als Christenmenschen es hier in Duisburg unternahmen, ihrem Glauben, Hoffen und Lieben in den Gemeinden und in der Generalsynode eine neue Gestalt zu geben.“
Und der Präses stellte in seiner Predigt klar: "Der Satz ,So war es, so ist es und so muss es bleiben' eignete sich nicht als Glaubenszeugnis von Christenmenschen - vor 400 Jahren ebenso wenig wie heute."
Pfarrer Jan-Gerd Heetdersk predigt im Eröffnungsgottesdienst der außerordentlichen Landessynode in der Duisburger Salvatorkirche.
Heetderks: „Sie war eine freie Kirche“
Verglichen mit dem Jubiläum, das dieser Tage gefeiert wird, ist es richtig jung an Jahren, das niederländische Buch über reformiertes Kirchenrecht ist gerade mal gut achtzig Jahre alt. Nichtsdestotrotz eine schöne Fundstelle, heißt es doch dort über die 1. Reformierte Generalsynode in Duisburg 1610: „Die reformierte Kirche am Niederrhein war eine freie Kirche. Sie hatte ohne Mitwirkung des Staates ihre eigene Organisation gefunden und hielt das kirchliche Leben mit eigenen Mitteln in Stand.“ Ob man Mitglied sein wollte oder nicht – das blieb dem eigenen Gewissen überlassen.
Dieses Kürzest-Porträt über die Vorläuferin der rheinischen Kirche, diese Lesefrucht hatte Pfarrer Jan-Gerd Heetderks im Gepäck. Der Theologe aus der Protestantischen Kirche in den Niederlanden erinnerte in seiner Predigt im Eröffnungsgottesdienst daran, dass 1610 in Duisburg die presbyterial-synodale Ordnung eingeführt wurde, die die Reformierten aus seiner Heimat, den Niederlanden kannten. Inklusive Bildungsarbeit und Sorge für die Armen.
Auch Heetderks griff das Motto des Jubiläums auf. „Wir sind so frei, weil uns die Freiheit geschenkt ist, Angst abzulegen, neue Schritte zu wagen. Wie sind so frei, weil wir wissen, glauben, darauf vertrauen, dass Kirche geborgen ist in der Verheißung Gottes.“
Bei der außerordentlichen Landessynode in der Salvatorkirche Duisburg: NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft.
Wie verschieden die Anlässe sein können, und das binnen kürzester Zeit - so erinnerte die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentein Hannelore Kraft in ihrem Grußwort an den Gedenkgottesdienst am gleichen Ort vor fünf Wochen. Nun also das Jubiläum, an dem man "voller Dankbarkeit und mit stolzem Blick" zurückschauen könne. "Ich gratuliere Ihnen zu diesem Geburtstag."
Die damals erkorene presbyterial-synodale Ordnung sei "eine Art basisdemokratischer Struktur", die 1. Reformierte Generalsynode eine "Konsequenz der Reformation" gewesen, so die Ministerpräsidentin. Sie danke der Kirche für das gute Miteinander. "Kirche und Politik haben einen Schnittmenge, eine gemeinsame Aufgabe: das Wohl der Menschen, die Menschlichkeit."
Bei der außerordentlichen Landessynode in der Salvatorkirche in Duisburg: Oberbürgermeister Adolf Sauerland.
Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland würdigte die 1. Reformierte Generalsynode als kirchen- und geistespolitisches Ereignis ersten Ranges, das über Duisburg hinausstrahlte. In seinem Grußwort sprach er auch von der Tragödie am 24. Juli, die Stadt sei noch nicht zur Normalität zurück gekehrt.
Eine Gedenkminute für die Opfer des Loveparade-Unglücks gab es bei der außerordentlichen rheinischen Landessynode.
Mit einer Gedenkminute zu Beginn der Plenarsitzung hatte die Landessynode der Opfer des Loveparade-Unglücks und ihrer Angehöriger gedacht. Auch während der Plenarsitzung brennt die dritte Kerze, mit der im Gedenkgottesdienst hier in der Salvatorkirche die Kerzen für die Opfer entzündet worden waren.
ekir.de / neu / 04.09.2010
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