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Sie gehören zur Spanischen Gemeinde: Pastor José Manuel Gonzáles, Fernandez Herman, Karl-Erich und Mathilde Rost sowie José Martínez. Sie gehören zur Spanischen Gemeinde: Pastor José Manuel Gonzáles (v.l.), Fernandez Herman, Karl-Erich und Mathilde Rost sowie José Martínez.

Spanische Gemeinde Duisburg besteht 50 Jahre

Heimat in der Fremde

Die Adresse der Spanischen Gemeinde Duisburg ist seit 50 Jahren dieselbe: Juliusstraße im Arbeiterviertel Hochfeld. Die Menschen allerdings, die seit der Gründung herkommen, sind immer wieder andere - ein lebendiges Abbild der Migration im Ruhrgebiet. 

„Anfangs, in den 60er-Jahren mit all den Gastarbeitern, war die Kultur hier ganz anders als heute“, erinnert sich der Sohn des Gründers und ersten Pastors der spanischsprachigen Gemeinde, der wie sein Vater José Martínez heißt. „Die Gastarbeiter waren meistens Männer, sie kamen allein, ohne ihre Familien. Sie konnten kein Deutsch und lebten wie auf einer einsamen Insel.“ Nach den Gastarbeitern kamen in den 90er-Jahren Migranten aus Südamerika. Heute sind es Arbeitsuchende aus dem angeschlagenen Spanien.

Für sie alle wurde die 1964 gegründete evangelische Gemeinde zur Heimat in der Fremde. Egal ob sie evangelisch oder katholisch waren. Das ist bis heute so. „Wir haben viele Katholiken bei uns und acht verschiedene evangelische Denominationen“, sagt Pastor José Manuel González mit einigem Stolz auf die Ökumene der Gemeinde, die er seit 1995 leitet. Darunter Baptisten, Methodisten, Adventisten, Presbyterianer und Lutheraner.

Ausländische Gemeinden verändern sich rasch

All das unter dem Dach der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde (EFG) Duisburg-Mitte, in der die spanische Gemeinde von Anfang an zu Gast war. Mittlerweile ist sie Teil dieser baptistischen Gemeinde und auf deren Homepage zu finden. Anders als deutsche Gemeinden jedoch ist sie ständig im Wandel: „Ausländische Gemeinden verändern sich rasch, die Menschen kommen und gehen“, sagt Gonzales. “Das ist ihr spezieller Charakter.“

Daneben ist auch die Vielfalt der Nationalitäten ein besonderes Merkmal, spanisch wird ja in vielen Ländern gesprochen. Derzeit zählt die Gemeinde 110 eingetragene Mitglieder und hat vor allem sonntags viele Gäste. Die Gottesdienstbesucher sind „zwischen 0 und 90 Jahren“, wie es stolz heißt, und kommen aus 21 Nationen: neben Spanien vor allem aus lateinamerikanischen Ländern wie Argentinien, Chile, Bolivien, Costa Rica oder Kuba, aber auch Russland und China sind vertreten. Mittlerweile jedoch gibt es weniger Arbeiter- als Mittelschicht. Und eine größere Mobilität durch das Internet.

Vertraute Kultur und Glaube

Das Einzugsgebiet heute reicht rund 100 Kilometer weit von Dortmund bis zum Niederrhein, von Oberhausen bis Solingen: „Manche wollen einfach mal wieder spanisch sprechen“, sagt Pastor Gonzáles. „Viele sagen auch: Es tut meiner Seele gut, die vertraute Kultur und den Glauben zu erleben.“

Kirche als Treffpunkt und Kulturverein, als Gottesdienstraum, aber auch als Anlaufstelle für soziale Hilfe. „Wir haben allein zehn verschiedene Arbeitsfelder“, berichtet der 73-jährige Karl-Erich Rost und zählt einige auf: Hilfe bei Behördengängen und der Arbeitssuche, Kleider- und Möbelkammer oder Deutschunterricht. Rost, der gelernter Drucker ist und lange in Chile lebte, ist eins der deutschen Gemeindemitglieder.

Viel junge Leute in der Gemeinde

Ebenso wie seine chilenische Frau Mathilde engagiert er sich in vielen Bereichen. Vor kurzem hat er sogar mit Pastor Gonzáles den Fortbildungskurs Kirche im Interkulturellen Kontext (KiKK) in Wuppertal absolviert. „Bei uns ist immer viel los und viele junge Leute kommen“, das Karl-Erich Rost besonders wichtig. Und Mathilde Rost ergänzt: „Dass ich katholisch bin, spielt hier überhaupt keine Rolle.“

Über die lokale Bedeutung hinaus sei die Gemeinde auch wichtig im Internationalen Kirchenkonvent (Rheinland Westfalen), betont der für Gemeinden anderer Sprache und Herkunft zuständige Landespfarrer Markus Schaefer aus Düsseldorf. Als große, europäische Gemeinde sei sie eine wichtige Ergänzung zu den mehrheitlich charismatischen Gemeinden meist afrikanischen Ursprungs im Konvent, einem Netzwerk von 140 fremdsprachigen Gemeinden. Die Spanische Gemeinde biete „geistliche Heimat, menschliche Wärme und praktische Hilfe“, wie Schaefer selbst erlebt hat. Gleichzeitig stehe sie derzeit „im Fokus aktueller politischer und sozialer Entwicklungen in Europa“ – Stichwort: Migrationsdebatte.

Neue Zuwanderung seit der Wirtschaftskrise

Für die Spanische Gemeinde in Duisburg hat diese Debatte viele Gesichter. Denn seit Beginn der jüngsten Wirtschaftskrise kommen Menschen aus Süd- und Osteuropa, um Arbeit zu finden. Einer von ihnen ist Fernandez Herman, dessen Bauunternehmern in Barcelona pleite ging, weil niemand mehr bauen wollte. Vor drei Jahren kam er nach Duisburg und fand in der Gemeinde Hilfe bei der Jobsuche, bei Behördengängen; und er ging zur Bibelstunde.

Mit seiner neuen Geschäftsidee klappte es nicht, aber Herman fand Arbeit im Lager eines Großunternehmens. Seine Frau und die drei Töchter sind nachgezogen. „Was ich in Spanien verloren habe, habe ich hier neu gefunden: Brüderlichkeit, Geborgenheit und ein neues Zuhause“, sagt Fernandez Herman heute. Nur ein kleines Defizit räumt er ein: „Das Klima. Die Sonne fehlt doch manchmal sehr.“

Jubiläumsfeier und Dankgottesdienst: Am Sonntag, 21. September, 16 Uhr, feiert die Gemeinde ihr 50-jähriges Bestehen, Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Duisburg-Mitte, Juliusstaße 10-14, Gast ist u.a. Duisburgs Bürgermeister Volker Mosblech.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Freitag, 19. September 2014. Die letzte Aktualierung erfolgte am Freitag, 19. September 2014. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / Bettina v. Clausewitz / 19.09.2014



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