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Foto: Richard/pixelio.de Die Ruine des Klosters Wörschweiler im Saarland

Spiritueller Tourismus

Suche nach Sinn und Seelenruhe

Einkehr in Radwegekirchen oder Urlaub im Kloster - vor Alltagsstress und persönlichen Problemen fliehen Urlauberinnen und Urlauber nicht nur in Wellness-Zentren oder an den Strand. Seit den 90er Jahren steigt die Nachfrage nach spirituellen Freizeitangeboten.

Egal ob Yoga im indischen Ashram oder christliche Tradition: Im Urlaub boomt die Spiritualität. Während sich 1990 knapp 5.000 Pilger auf dem Jakobsweg registrieren ließen, wurden im Jahr 2014 rund 237.000 Menschen gezählt.

Auch Klöster verzeichnen nach Angaben der Deutschen Ordensobernkonferenz mit Sitz in Bonn steigende Besucherzahlen. Unter den Gästen sind viele Berufstätige, die im Alltag unter großem Druck stehen. Am Klosterleben schätzen sie vor allem die Ruhe und Abgeschiedenheit.

Klosterurlaub spricht nicht nur Katholiken an

Nur etwas mehr als die Hälfte der Klosterbesucher sind nach einer Umfrage des Zusammenschlusses deutscher Orden Katholiken. Beim Klosterurlaub scheint es nicht um eine konfessionelle Religiosität, sondern eher um eine Auszeit vom Alltagstrubel zu gehen. 42 Prozent der Klosterurlauber suchen nach Erholung, 27 Prozent nach geistlichen Erfahrungen.

"Zum ersten Mal seit Jahren ein Ort, an dem ich nicht reden musste, wo mich keiner ansprach", sagt Managerin Monika Petereit. Vor zwei Jahren verbrachte sie eine Woche im Auszeithaus des Klosters Reute in Oberschwaben.

Nun plant sie eine weitere Auszeit. "Ich war total überlastet und hatte Probleme abzuschalten", sagt Petereit. Im Kloster habe es kein Programm gegeben. "Du bist allein mit dir", erzählt die Managerin. Durch Spaziergänge im Klostergarten, die Gottesdienste und Gespräche mit den Schwestern habe sie gelernt, wieder ruhiger zu werden und auf ihr Bauchgefühl zu hören.

Viele Klöster haben ihre oft weitläufigen Gebäude durch touristische Angebote retten können. "Die Kosten sind explodiert, und wir haben im Prinzip nur noch den Untergang verwaltet", erzählt Bernhard Grunau, Geschäftsführer von Kloster Arenberg. Seit 2003 bietet das Koblenzer Ordenshaus Wellness und spirituelle Kurse an. Durch Wandertage, Trauerseminare, Meditationskurse oder Massagen wolle das Kloster Auszeiten ermöglichen und Hilfe für schwierige Lebenssituationen anbieten.

Mehr Platz für die "Gemeinde auf Zeit"

In der Freizeit hätten viele Menschen eine höhere Bereitschaft, sich spirituell ansprechen zu lassen, sagt die Oberkirchenrätin und Referentin für Citykirchenarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland, Inken Richter-Rethwisch: "Die Menschen müssen gucken, wo sie in ihrem Alltag überhaupt noch Zeit für ihre religiösen Bedürfnisse haben."

Dass die Kirchen immer weniger Bedeutung im Alltag vieler Menschen haben und dafür mehr Platz im Freizeit- und Tourismusbereich einnehmen, sieht Richter-Rethwisch nicht als negative Entwicklung. Sie prognostiziert, dass das Verständnis von Gemeinden sich in Zukunft verändern wird. Das Modell "Gemeinde auf Zeit" werde mehr Platz einnehmen.

Auch die mehr als 200 Radwegekirchen, die die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) seit einigen Jahren aufbaut, spiegeln diese Entwicklung. Die Gemeinden bieten Reisesegen, Gebete und Lieder für unterwegs an. Dafür müsse die Mentalität der Gemeinden von Offenheit geprägt sein und Einflüsse von Besuchern zulassen, sagt Richter-Rethwisch: "Der Tourismus könnte eine erfrischende Wiederbelebung der Gemeinden bedeuten."

Radwege am Rhein und im Saarland

Radwege mit einladenden Kirchen sind überall in Deutschland zu finden. Der Rhein-Radweg führt von der Schweiz durch das Rheinland bis zur Mündung des Stroms in den Niederlanden. Der Saarland-Radweg geht, teilweise auf alten Treidelpfaden entlang von Flüssen, einmal rund um das Bundesland. Neben historischen Städten wie Saarbrücken und Sankt Wendel sehen Radlerinnen und Radler die Landschaften im Schwarzwälder Hochwald und im Saargau. Auch Sehenswürdigkeiten wie das Unesco-Weltkulturerbe Völklinger Hütte lassen sich entlang des Weges entdecken.

Zum 500. Reformationsjubiläum 2017 plant auch die EKD viele touristische Angebote. Pilgerwege, ein Europäischer Stationenweg, Luther-Führungen sollen Besuchern aus aller Welt den deutschen Reformator näherbringen. Der Theologische Direktor der Wittenbergstiftung, Jan von Campenhausen, geht nach groben Schätzungen von Besucherzahlen im zweistelligen Millionen-Bereich aus. Die meisten Touristen werden aus Nordamerika, Nordeuropa und Südkorea erwartet.

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ekir.de / epd / Foto: Richard/pixelio.de / 10.07.2015



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