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Auf dem Podium war Doping das Hauptthema: (v.l.) Fritz Pleitgen, Wolfgang Meyer. Dr. Andreas Höfer, Thomas Weber und Dr. Micheal Vesper. Auf dem Podium war Doping das Hauptthema: (v.l.) Fritz Pleitgen, Wolfgang Meyer, Dr. Andreas Höfer, Thomas Weber und Dr. Michael Vesper.

Kirche und Sport

Einigkeit in der Ablehnung von Doping

„Natürlich ist Doping verwerflich“, weil es Gesundheit zerstört und die „Geschäftsgrundlage des Sports“ gefährdet, wie Dr. Andreas Höfer sagte, der Direktor des Deutschen Sport- & Olympia-Museums in Köln. „Doping ist die Pest“, sagte Fritz Pleitgen, der ehemalige Intendant des Westdeutschen Rundfunks.

Dr. Andreas Höfer, Direktor des Deutsche Sport- & Olympiamuseums in Köln Dr. Andreas Höfer, Direktor des Deutsche Sport- & Olympiamuseums in Köln

Doping kristallisierte sich als Hauptthema des ersten ökumenischen Forums Kirche und Sport „Gott und die Welt“, bei dem Museumsdirektor Höfer Hausherr und Hauptredner war. Das Forum haben das Erzbistum Köln und sein DJK Sportverband Köln sowie die Evangelische  Kirche im Rheinland ins Leben gerufen – zunächst sind fünf Abende mit Vorträgen und Podiumsdiskussionen geplant.

Höfer sprach von der „Quadratur der Ringe“: Es geht bei Sport, bei Olympia um Medaillen – aber ist ein Platz auf dem Treppchen ohne unerlaubte Mittel möglich? Ist das ein Dilemma, an dem sich das Publikum sogar labt? Hatte man noch Höfers Bemerkungen zum aus Deutschland stammenden Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees im Ohr, war die erste Frage von Moderator Wolfgang Meyer an die Gäste auf dem Podium schön keck: „Geht die olympische Idee den Bach runter?“ 

Dr. Michael Vesper, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes. Dr. Michael Vesper, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes.

Nein, stellte Dr. Michael Vesper klar, der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Mit Rio – und der (nicht kompletten) Dopingsperre der russischen Mannschaft - gingen die Olympischen Spiele erstmals überhaupt nach Südamerika, allein das schon „war richtig“, so Vesper. Trotz vieler Probleme, die er nicht schön reden wolle, seien die Spiele insgesamt gut verlaufen. Und für die Brasilianer, sorgte der evangelische Olympiapfarrer Thomas Weber für entspanntes Grinsen, war es wichtig, das Elfmeterschießen im Fußball zu gewinnen.

„Wir können Girlanden flechten und sagen: Dabei sein ist alles. Aber am Ende werden Medaillen gezählt, auch von den Medien und der Öffentlichkeit“, so Vesper. Nachfrage von Wolfgang Meyer, der bei WDR 5 „Diesseits von Eden“ und „Westblick“ moderiert: „Bei Silber und Bronze wird gefragt: Wie konnte das passieren? Lässt sich das zurückdrehen in den Medien?“ Klar, da kam vom ehemaligen WDR-Intendanten Fritz Pleitgen ein Plädoyer für freie Berichterstattung. Mehr noch: Dadurch, dass Olympia von Land zu Land geht, auch in umstrittene Länder, trage der Sport dazu bei, „dass wir mehr von einem Land begreifen“. Über manche Länder werde sonst kaum berichtet, etwa über China und die dortige Menschenrechtslage. 

Fritz Pleitgen, ehemaliger Intendant des Westdeutschen Rundfunks. Fritz Pleitgen, ehemaliger Intendant des Westdeutschen Rundfunks.

Auch wenn es bei den Fernsehrechten um gewaltige Summen geht: Pleitgen erinnerte an das außerordentliche Interesse an Übertragungen von Spitzensport und dass Sport ein großer sozialer Faktor sei. Deshalb habe er immer gesagt: Wir müssen Sportübertragungen anbieten. Seine Maxime: „Wir kämpfen um die Übertragung und treten gegen Doping an.“ Deshalb habe er auch die erste Anti-Doping-Redaktion eingerichtet. Seine Überzeugung: Das Thema Doping ist wichtig. „Wenn wir da nicht hinterher gehen, ist der Sport tot.“

Im Blick auf den Anti-Doping-Code sprach Vesper von dem „unglaublichen Skandal“, dass die russische Antidopingagentur an der Vertuschung mitgewirkt habe. Uneinigkeit zwischen ihm und Pleitgen, ob die Anti-Doping-Redaktion der WDR oder der sog. McLaren-Report über russisches Staatsdoping für die Aufdeckung gesorgt hatten. 

Das Publikum folgte interessiert der Diskussion zum Thema Doping. Das Publikum folgte interessiert der Diskussion zum Thema Doping.

Aber Einigkeit in der Ablehnung von Doping: Die zuständigen Organisatoren gingen gegen die „Pest“ nicht so vor wie nötig, so Pleitgen. Doping müsse nachhaltig bekämpft werden, weil es an die Akzeptanz des Sports gehe, so Vesper. Zugleich warb der DOSB-Chef auch für Verständnis: Der Anti-Doping-Code verlange von den Sportlern u.a., drei Monate im Voraus ihren Aufenthaltsort anzugeben. „Das geht hart an die Bürgerrechte.“

Mit Sport hatte der Abend begonnen. An der Tischtennisplatte mussten Kölns Stadtdechant Robert Kleine und Stadtsuperintendent Rolf Domning ausspielen, wer mit dem Grußwort beginnt. Er habe in seinem Leben schon ziemlich viele Grußworte zu halten gehabt, sagte dann der siegreiche Domning. „Aber ich hatte noch nie ein Grußwort als Preis.“

Der Kölner Superintendent Rolf Domning hat sich den Vortritt beim Grußwort beim Tischtennis erspielt. Der Kölner Superintendent Rolf Domning hat sich den Vortritt beim Grußwort beim Tischtennis erspielt.

Domning beklagte, dass heute schon in Büro und Freizeitsport leistungsfördernde Substanzen mit dazu gehörten. „Gedopt wird nicht nur im Leistungssport.“ Überall, wo es um etwas gehe, werde schnell manipuliert. „Dabeisein ist schon lange nicht mehr alles.“

Stadtdechant Kleine erinnerte an Paulus‘ Mahnung im Brief an die Korinther, so zu laufen, „dass ihr den Siegpreis bekommt“. Dabei sei es dem Apostel nicht um den Lohn gegangen, sondern um die Anstrengung. Kleine beschwor das olympische Motto: „Dabeisein ist alles, denn es ist gut für unser Miteinander.“

Die Reihe „Gott und die Welt: Ökumenisches Forum Kirche und Sport“ wird fortgeführt am 3. November. Das Thema: „Der schmale Grat zwischen Endlichkeit und grenzenloser Freiheit“. Die weiteren Termine folgen 2017: 9. Februar, 6. April und 1. Juni.  

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ekir.de / neu, Fotos: Anna Siggelkow / 05.09.2016



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