Emine Karahan ist Sprach- und Integrationsmittlerin. Emine Karahan ist Sprach- und Integrationsmittlerin.

SprInt

Nur die Hälfte verstehen ist nicht genug

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Ihre Aufgabe ist ein Mix: Sie dolmetschen und sie helfen in den alltäglichen Fragen der Integration. Die Rede ist von Sprach- und Integrationsmittlerinnen und -mittlern. Kurz und sportlich: SprInt. 

Für Emine Karahan begann alles mit einer 18-monatigen Ausbildung. Die gelernte Schneiderin entschied sich, als SprInt Menschen mit Einwanderungsgeschichte zu helfen. Die 43-Jährige über ihre persönliche Motivation für die Tätigkeit: „Es ist gut, Menschen weiterzubringen.“

Pass abholen. Wohnung suchen. Die Aufgaben einer oder eines SprInt sind vielfältig. „Schriftliche und telefonische Übersetzungen, Vor-Ort-Betreuung oder Referenz für interkulturelle Schulungen sind Aufgaben der SprInt“, weiß Emine Karahan.

2010 schloss sie mit 16 Kolleginnen und Kollegen die Qualifikation ab. Letztere besteht aus 2000 theoretischen und 600 praktischen Stunden. Dabei wird Wissen über Dolmetschen, interkultureller Kommunikation sowie Kinder- und Jugendhilfe vermittelt.

Die Diakonie Wuppertal hat das Konzept für die Ausbildung entwickelt, setzt es um und vermittelt SprInt in ganz NRW. Die EU, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sowie in Wuppertal von Jobcenter und Stadt. Der SprInt-Pool der Wuppertaler Diakonie ist Teil des bundesweiten Netzwerkes „SprInt Transfer“, das die SprInt an diversen Standorten koordiniert.

Heike Timmen ist SprInt-Projektleiterin. Heike Timmen ist SprInt-Projektleiterin.

140 zahlende Kunden

Selbst beim dritten Arzttermin die Diagnose noch nicht richtig verstanden? Die Vorteile der Dienstleistung der SprInt liegen für Heike Timmen, Projektleiterin des SprInt-Pool Wuppertal, auf der Hand: „Sie vermeidet unnötige Mehrfachtermine und spart somit Geld, sie trägt zum Stressabbau bei den Kunden bei.“

Langfristiges Ziel ist der Ausbau des Vermittlungsnetzes, die staatliche Anerkennung des Berufsbildes sowie die Etablierung des SprInt-Netzwerkes. „Der Vermittlungsservice Wuppertal hat derzeit 140 zahlende Kunden, wir arbeiten im Sozialwesen, in Kliniken, im Bildungs- und Schulbereich“, berichtet Heike Timmen. Darüber hinaus gibt es Rahmenverträge, zum Beispiel mit der Polizei Wuppertal oder dem Jugendamt.

Imam Ali Kurttekin Imam Ali Kurttekin

Wuppertaler Imam nutzt SprInt

Ein lebendiges Beispiel ist das Stadtteilprojekt „Gute Nachbarschaft“ in Wuppertal. Das Kultur- und Bildungszentrum des Dachverbandes türkischer Kulturvereine in Europa, dem ATIB (Avrupa Türk-İslam Birliği), nimmt SprInt in Anspruch. Denn seit August letzten Jahres hat die dort beheimatete Osmanli-Moschee einen neuen Imam: Ali Kurttekin. In Wuppertal leben rund 48.000 ausländische Bürgerinnen und Bürger, 155 Nationalitäten sind vertreten. "Das ist eine große Herausforderung“, meint der Imam und erläutert weiter: „Seit 50 Jahren leben Türken in Deutschland, aber wir leben nicht richtig zusammen.“

Beim Förderungsprojekt „Gute Nachbarschaft – aufeinander zugehen – Brücken bauen“ stecken die Ziele schon im Namen. An dieser Stelle kommt der SprInt-Pool ins Spiel: Wöchentlich trifft sich Ali Kurttekin mit Emine Karahan, hilft beim Übersetzen und Deutschlernen. "Durch das Projekt hat sich das Zusammenleben schon verbessert“, sagt Kurttekin. So wurden gemeinsam Veranstaltungen besucht oder Flyer übersetzt.

Im Kulturzentrum trifft sich die türkische Gemeinde auch mit Vertretern aus Bürgervereinen, Politik und christlichen Kirchen. „Uns verbindet mehr als uns trennt“, fasst Ali Kurttekin zusammen. „Wir dürfen nicht nur die schlechten, sondern auch die gute Erfahrungen teilen.“ Die Pläne sollen nicht nur für deutsch-türkischen Dialog sorgen, auch Menschen anderer Nationalitäten und Kulturen engagieren sich bei Aktionen im Bildungszentrum.

32 Sprachen vertreten

Genau so ist es im SprInt-Pool, der auf eine Fülle von länderspezifischen Expertinnen und Experten zurückgreifen kann: 32 Sprachen sind im Repertoire des Wuppertaler Vermittlungsservice. Plus diverse Berufe: „Wir haben eine bunte Mischung, vom syrischen Bachelor of Law bishin zur Programmiererin aus Kamerun“, erzählt Heike Timmen. Die Ethnologin fasst zusammen: „SprInt sind Teil einer Willkommenskultur.“

Langfristig gesehen soll der SprInt-Pool wirtschaftlich eigenständig arbeiten. Die Etablierung eines Berufsbildes zählt ebenfalls zu den Zielen Projekts. Während diese Entwicklung noch Zukunftsmusik ist, plant der Imam bereits die nächsten Aktionen. Gefängnis- und Krankenhausbesuche sowie weiterhin gemeinsames Engagement mit dem Verein des Kultur- und Bildungszentrums stehen auf dem Programm. „Wir wollen, dass der Funke überspringt. Das ist unser Wunsch - unser größter Wunsch.“

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Mittwoch, 22. Mai 2013. Die letzte Aktualierung erfolgte am Mittwoch, 22. Mai 2013. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / Jan Lukas Kleinschmidt / 22.05.2013