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Leena, Marko und Carina Leena, Marko und ihre zweijährige Tochter Carina im "Café der Begegung"

Herzlich willkommen! Flüchtlingsarbeit in der rheinischen Kirche (3)

Das „Café der Begegnung“ ist der Schlüssel

Die ekir.de-Serie "Herzlich willkommen!" beschreibt das große Engagement rheinischer Kirchengemeinden in der Flüchtlingsarbeit. Dass diese Arbeit oft auch sehr belastend ist, zeigt die Reportage aus Straelen am Niederrhein. 

Ein Stimmengewirr im "Café der Begegnung" im Gemeindehaus von St. Peter und Paul in Straelen. Es ist ein Sprachmix aus Serbisch und Englisch, Arabisch und Hindi, Persisch und Deutsch. „Es findet sich aber alles zusammen“, sagt Robert Pauksztat. Irgendeiner kann Deutsch oder Englisch und so wird eben über mehrere Umwege gesprochen.

Im Januar haben Ilse und Robert Pauksztat zusammen mit anderen Ehrenamtlichen den Ökumenischen Arbeitskreis Asyl Straelen ins Leben gerufen. „Die Menschen sind unglaublich hilfsbereit“, meint Pauksztat. Zwei Tische an der Wand des Raumes sind vollbeladen mit Kleidung und Hausrat. Alles gespendet. Die Flüchtlinge können sich nehmen, was sie brauchen. Das monatliche „Café der Begegnung“ ist der Schlüssel zu den vielen Menschen, die aus ihrer Heimat flohen und in Straelen eine vorübergehende Bleibe gefunden haben.

Nachbarn zündeten Häuser an

So wie Leena*, die mit ihren vier Kindern aus dem Kosovo kommt. Sie kann sich bereits ein wenig auf Deutsch verständigen. Da sie mit Marko*, dem Vater ihrer Kinder, nicht verheiratet ist, lebt er mit seinen Eltern in Heilbronn. Er besucht seine Frau regelmäßig, auch wenn eigentlich Residenzpflicht besteht. Leena war mit ihrer Familie bereits 2000 sechs Monate in Straelen. Doch dann musste sie wieder zurück, lernte ihren Mann kennen. Sie wurden eine Familie.

„Wir hatten eine Seilerei“, berichtet Leena. „Die hatte mein Mann von seinen Eltern übernommen.“ Doch die Nachbarn stahlen die technischen Geräte, zündeten die Häuser an. Leena und Marko sind Roma. Ihnen blieb 2012 nichts anderes als die Flucht – nach Frankreich. Doch dort bekam die Familie die Abschiebeaufforderung. Sie flohen weiter nach Deutschland. Jetzt ist Leena mit dem fünften Kind schwanger.

Eine winzige Chance besteht laut Pauksztat, dass die Familie nicht nach Frankreich abgeschoben wird. Das Problem der Roma werde einfach nicht wahrgenommen. Es heiße, Serbien sei ein sicheres Land. Doch es sei eindeutig belegt, dass Roma in Serbien diskriminiert werden. Die beiden großen Töchter gehen zur Schule, haben sogar gerade einen Schwimmkurs abgeschlossen.

Angst vor sofortiger Abschiebung

Die zweijährige Carina* ist mit im Cafe und freut sich über die vielen Leckereien, die auf den Tischen stehen. „Gerne würden wir das Cafe zweimal im Monat anbieten“, erklärt Ilse Pauksztat. „Dafür brauchen wir jedoch mehr Ehrenamtliche, die sich verantwortlich fühlen.“

Marina* und Milan* kommen jedes Mal ins Café. Sie flohen vor gut einem Jahr aus Mazedonien, da sie bedroht wurden. Sie hatten einen Kredit aufgenommen für die Geburt ihres ersten Kindes, konnten ihn aber nicht zurückzahlen. Marina ist mit dem zweiten Kind schwanger – im Januar soll der Junge zur Welt kommen. Doch jetzt soll die Familie abgeschoben werden.

Mit Hilfe eines Rechtsanwaltes versuchen sie, die Abschiebung bis zum Ende des Mutterschutzes hinauszuzögern. Die Familie hat fürchterliche Angst, dass die Polizei nachts das Haus umstellt, um 6 Uhr klingelt und die Familie sofort abschiebt. Die dreijährige Florina* ist seit wenigen Monaten im Kindergarten. Sie fängt an, Deutsch zu sprechen. Marina besucht seit kurzem den Deutschkurs für Analphabeten in der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche.

Suche nach einer Supervision

„Wir können nicht viel tun“, meint Pauksztat traurig. Die Familie habe keine Chance, Asyl zu erhalten. Die Situation in Mazedonien sei dramatisch, er habe keinen Job, die Familie bekomme keine Unterstützung. Wie und unter welchen Umständen das Baby in Mazedonien zur Welt kommen könne, sei völlig ungeklärt.

„Wir können nur zuhören und müssen manchmal doch schlimme Nachrichten überbringen“, bedauert der Straelener. „Manchen müssen wir sagen, dass sie zurückgehen müssen und das in ein Land, in dem sie vermutlich getötet werden. Das ist furchtbar.“ Andere seien plötzlich verschwunden. Wie solle man damit umgehen? Wie das verarbeiten? So sei die Gruppe derzeit auf der Suche nach einer Supervision für die ehrenamtlich Helfenden.

* Namen von der Redaktion geändert

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ekir.de / Bettina Furchheim-Weberling / 29.12.2014



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