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STUBE Rheinland: Kornelia von Kaisenberg (zweite von liks) mit internationalen Studierenden. STUBE-Koordinatorin Kornelia von Kaisenberg mit den internationalen Studierenden Joel, Tuul und Wilfred.

Ausländische Studierende

Mit Wissen die Welt verbessern

Ein anspruchsvolles Studium und eine neue Sprache, Kulturschock und finanzielle Probleme – für Studierende aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa ist es oft ein langer und schwieriger Weg, bis sie ihren Master schaffen. Unterstützung bietet das entwicklungspolitische Studienbegleitprogramm STUBE Rheinland.

Mit den ersten Wochen eines neuen Semesters verbindet Kornelia von Kaisenberg immer ein bestimmtes Geräusch: das häufige Klopfen an ihre Bürotür in der Evangelischen Studierendengemeinde Aachen. Es kann zaghaft oder auch energisch sein - je nachdem, ob Studierende aus Afrika, Asien, Lateinamerika oder Osteuropa vor ihrer Tür stehen, ob er oder sie sich für ein Seminar des Studienbegleitprogramms STUBE Rheinland interessiert oder um finanzielle Unterstützung bittet.

Joel aus Kamerun klopft und stößt die Tür resolut mit seinen Krücken auf. Ausgerechnet zu Semesterbeginn hat er sich den Fuß gebrochen und will nun klären, wie er zu den STUBE-Seminaren reisen kann. Der 28-jährige Afrikaner, der seinen richtigen Namen nicht nennen möchte, studiert in Aachen Betriebswirtschaft und macht gerade seinen Master in Gesundheitsmanagement. Regelmäßig nimmt er am Studienprogramm teil, das von Kornelia von Kaisenberg, Referentin für internationale Studierende in der Evangelischen Studierendengemeinde Aachen, im Rheinland koordiniert wird.

Keine Stipendienkultur in Deutschland

Die Seminare, Vorträge und Workshops zu Themen wie Nachhaltigkeit, Demokratie, Umweltschutz oder Ökologie wurden im vergangenen Jahr von über 400 Studierenden besucht. STUBE Rheinland ist durch die Evangelischen Studierendengemeinden an den Hochschulstandorten in Aachen, Bonn, Düsseldorf, Duisburg, Essen, Köln und Wuppertal aktiv. Unterstützt und finanziert wird es von der Evangelischen Kirche im Rheinland, der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe und von Brot für die Welt.

Das STUBE-Programm gibt es in elf Bundesländern. Evangelische Studierendengemeinden ermöglichen damit überall auch finanzielle Unterstützung für in Not geratene internationale Studierende. Schließlich bezahlen viele Studierende aus Schwellen- und Entwicklungsländern ihr Studium selbst.

„Wir haben in Deutschland keine ausgeprägte Stipendienkultur“, erklärt Kornelia von Kaisenberg. Das Geld, das die Studierenden und ihre Familien für den Start in Deutschland gespart hatten, reicht oft nicht für die Finanzierung eines kompletten Studiums. Nach einem mehrmonatigen Sprachkurs müssen viele Studierende daher neben dem Studium einen Job annehmen, um Geld für ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Hilfe für Studierende in Not

„Ich bin in den Vorlesungen oft eingeschlafen“, erzählt Joel. „Dann habe ich weniger gearbeitet, um meine Prüfungen zu schaffen, aber plötzlich fehlte das Geld zum Leben“. Als ihm die Universität mit Exmatrikulation drohte, weil er seine Krankenversicherung nicht bezahlt hatte, kam er zu Kornelia von Kaisenberg und bat um finanzielle Unterstützung. Joel erhielt Geld aus dem Ökumenischen Notfonds. Damit werden STUBE-Studierende in Not für drei bis sechs Monate in Prüfungsphasen oder während ihrer Abschlussarbeit unterstützt.

Praktika verändern Sicht auf das Heimatland

In den Seminaren lernte Joel andere internationale Studierende kennen und sein Blick auf das Heimatland veränderte sich. Mit dem klaren Auftrag der Familie, sie später als gut verdienende Fachkraft finanziell zu unterstützen, war Joel nach Deutschland gekommen. Nun reifte in ihm die Idee, Kamerun mit seinem in Deutschland erworbenen Wissen zu helfen. Ein von STUBE gefördertes Praktikum im Bereich der Hilfsgüterlogistik einer Nichtregierungsorganisation bestärkte ihn darin.

Bis zu zehn berufsvorbereitende Praktika- und Studienaufenthalte (BPSA) fördert STUBE Rheinland im Jahr. „Fast immer kommen die Teilnehmenden verändert zurück“, beobachtet Kornelia von Kaisenberg. „Es ist ein Praxistest, ob und wie sie das hier erworbene Wissen im Heimatland anwenden können.“

Wut und Tränen über Müllberge

Der 30-jährige Biotechnologe Wilfred etwa stellte bei seinem Praktikum fest, dass das Forschungsinstitut für Malaria in Kamerun längst nicht so gut ausgestattet war, wie er gedacht hatte. „Es gab zu wenig Material und zu wenige Geräte, so dass ich sehr viel einfachere Methoden anwenden musste als im deutschen Labor“, erzählt er.

Auch die 34-jährige Tuul aus der Mongolei, die gerade in Aachen ihren Master in Ökotoxikologie macht, musste ihre Ansprüche beim Praktikum in einer mongolischen Elektrizitätsfirma herunterschrauben. „Mir ist klar geworden, dass man in meinem Heimatland die Menschen erst einmal über Umwelt- und Naturschutz aufklären muss.“

Sogar auf dem Land gebe es inzwischen Berge von Plastikmüll. „Ich komme aus einer Nomadenfamilie“, betont Tuul. „Manchmal habe ich vor Wut geweint, denn diese Umweltverschmutzung kenne ich aus meiner Kindheit nicht.“

Deutsche Tugenden im Gepäck

Wenn die Mongolin in ihre Heimat zurückgeht, möchte sie dafür gut gerüstet sein. Nach ihrem Masterabschluss im Sommer will sie sich daher erst einen Job in Deutschland suchen und berufliche Kontakte in die Heimat knüpfen. „Zuerst fiel es mir schwer, in Deutschland anzukommen, ich war sehr einsam“, erzählt Tuul. „Jetzt ist es schwer zurückzugehen, weil ich sehr deutsch geworden bin.“

Tugenden wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Umweltbewusstsein oder auch die Planungsliebe der Deutschen sind ihr wichtig. Wilfred und Joel geht es ähnlich. „Aber wir haben über STUBE ein gutes, weltweites Netzwerk von Studierenden aufgebaut, die ähnliche entwicklungspolitische Ziele haben“, betont Wilfred. „Davon werden wir bei unserer Rückkehr ganz bestimmt profitieren.“ 

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ekir.de / Text und Foto: Sabine Damaschke / 03.05.2016



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