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Bei dem Treffen der STUBE-Verantwortlichen kamen auch an dem Programm teilnehmende Studentinnen und Studenten zu Wort. Bei dem Treffen der STUBE-Verantwortlichen kamen auch an dem Programm teilnehmende Studentinnen und Studenten zu Wort.

Ausländische Studierende

Zwischen Menschen gibt es keine Grenzen

„Memorandum of Understanding“ in Köln: Über die Zukunft von STUBE, dem Studienbegleitprogramm für Studierende aus Afrika, Asien und Lateinamerika, haben sich Vertreterinnen und Vertreter der beteiligten Organisationen sowie Studierende bei einem Treffen verständigt und das Programm auf neue Beine gestellt. 

„Immer rein in die gute Stube“, sagte Christiane Neufang während einer kurzen Andacht. Und das war im besten Sinne doppeldeutig gemeint. Die Pfarrerin der Evangelischen Studierendengemeinde (esg) Köln bezog sich nämlich auch auf das deutschlandweite Studienbegleitprogramm für Studierende aus Afrika, Asien und Lateinamerika (STUBE), das für viele ebenso zur Heimat geworden sei wie die gut geheizte, gemütliche Stube zu Hause in den Herkunftsländern der Teilnehmenden.  

Die Syrerin Afraa Alkhalaf brachte es auf den Punkt: „In der STUBE kann man Leute kennen lernen. Und man kriegt immer was Gutes zu essen.“ Sie stammt aus Aleppo, von wo sie 2012 geflüchtet ist. Ihr kleiner Bruder wurde im Krieg getötet, ihr älterer Bruder verlor ein Bein. Afraa hat in Syrien Betriebswirtschaftslehre studiert, in Bonn auf Asienwissenschaften umgesattelt und steht kurz vor dem Abschluss. Von dem evangelischen Hilfswerk „Brot für die Welt“ hat sie ein Flüchtlingsstipendium bekommen. Ein Dach über dem Kopf hat sie in einer Wohnung im evangelischen Krankenhaus in Bonn.  

Afraa hatte anfangs ähnliche Probleme wie Diaa Shalghin, der auch aus Syrien kommt. „Ich bin vor zwei Jahren aus Damaskus geflüchtet. Deutschland war vorher überhaupt nicht auf meiner Karte. Ich habe gestern mit meiner Familie in Syrien telefoniert. Ich soll sagen, wie dankbar wir alle für das Stipendium sind.“

„Es gibt nur zwischen Ländern Grenzen“

Diaa studiert Baumanagement an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen. Er will auf jeden Fall nach Syrien zurück und helfen, sein Heimatland wiederaufzubauen.  „Eins habe ich bei STUBE gelernt: Es gibt nur zwischen Ländern Grenzen. Nicht zwischen den Menschen.“  

STUBE im Rheinland wird organisiert von den Evangelischen Studierendengemeinden in Aachen, Bonn, Duisburg-Essen, Düsseldorf, Köln und Wuppertal. STUBE Rheinland ist ein gemeinsames Projekt der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe (RWL) und der Evangelischen Kirche im Rheinland. Seit 2006 wird STUBE aus Mitteln von „Brot für die Welt“ unterstützt.  

Nun waren Vertreterinnen und Vertreter zahlreicher beteiligten Organisationen in die Kölner esg gekommen, um ein „Memorandum of Understanding“, eine gemeinsame Absichtserklärung, zu unterzeichnen. Oliver Märtin, Leiter der Abteilung „Weltweit und Europa“ von „Brot für die Welt“erklärte, dass die verschiedenen Landes-STUBEN sehr unterschiedlich arbeiteten. Manche fühlten sich an „Brot für die Welt“ angebunden, andere eher an lokale Träger.

Die Rollen sind klar verteilt 

„Das macht die Evaluation der Arbeit schwierig. Und damit die Einwerbung von Bundesmitteln“, sagt Märtin. „Wir haben STUBE  jetzt auf neue Beine gestellt.“  Mit dem Memorandum sei klar, dass „Brot für die Welt“ Mitträger und Förderer von STUBE sei.  Und die Verantwortlichen für STUBE-Projekte hätten eine Berichtspflicht gegenüber „Brot für die Welt“. Auch die Rolle der Bundes-esg sei geklärt, so Märtin: „Sie wird beispielsweise STUBE-Referenten fortbilden und für das Studienbegleitprogramm Öffentlichkeitsarbeit machen.“  

Zudem soll eine Trägerkonferenz einberufen werden. Diese wird sich als erstes eine Geschäftsordnung geben und dann die inhaltlichen Themenschwerpunkte und Maßnahmen aus den Jahresanträgen der einzelnen STUBEN sichten sowie die Inhalte des Programms diskutieren.

Es soll eine strategische Planung für das STUBE-Programm mit Blick auf Finanzquellen, bundesweite und regionale Kooperationen, inhaltliche Schwerpunkte unter Berücksichtigung von „Brot für die Welt“-Themen und -Kampagnen.  

Darüber hinaus gibt die Trägerkonferenz Impulse für die konzeptionelle Weiterentwicklung des Gesamtprogramms und macht Vorschläge für qualitative Mindeststandards. „Wir haben zwei Jahre diskutiert. Jetzt hoffen wir, dass alle das als verbindlich betrachten“, richtet Märtin den Blick in die Vergangenheit und in die Zukunft.  

400 Studierende nahmen 2015 an STUBE-Veranstaltungen teil

Pfarrer Jürgen Sohn, leitender Dezernent des Bereichs Gemeinde in der Abteilung Theologie und Ökumene des Düsseldorfer Landeskirchenamts, nannte die Entstehung des Memorandums einen „spannenden Prozess“.  Die Diakonie und die Kirche träten als Partner auf, „STUBE ist auch ein Arbeitsfeld der Diakonie. Und STUBE heißt auch: In jeder Veranstaltung geschieht Ökumene vor Ort.“

 2015 haben nach Sohns Angaben über 400 Studierende an den STUBE-Veranstaltung im Rheinland teilgenommen. Angeboten wurden Wochenendseminare zu Themen wie „Persönlicher Glauben in einer beunruhigten Welt“, Tagesveranstaltungen, Ferienakademien und Länderabende.

„Provinzialität dürfen wir uns nicht gestatten“

Oberkirchenrätin Barbara Rudolph, Leiterin der Abteilung Theologie und Ökumene im Landeskirchenamt, sprach über die Internationalität von STUBE: „Wenn wir angesichts von schwierigen Situationen engstirnig werden, wird es problematisch. Wenn wir offen bleiben, eröffnen sich Chancen. Provinzialität dürfen wir uns nicht gestatten.“ Sie dankte den Studierenden aus dem STUBE-Programm ausdrücklich dafür, dass sie den Hiesigen den Blick weiten.  

Daran hat auch Monkthuul Terbish aus der Mongolei ihren Anteil. Sie lebt seit zehn Jahren in Deutschland, ist seit fünf Jahren bei STUBE dabei und hat soeben ihre Master-Arbeit in ihrem Studium der Umweltwissenschaften abgegeben und war vor kurzem in ihrer Heimat zu Besuch. „Das war ein Kulturschock. Ich hatte echte Kommunikationsprobleme. Ich glaube, ich bin ganz schön deutsch geworden.“ Auch das ist STUBE. Heimat unerwartet ganz woanders. 

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ekir.de / Text und Foto: Stefan Rahmann / 21.12.2016



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