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Südwind-Institut feiert 25-jähriges Bestehen

Faktensammler für eine gerechtere Weltwirtschaft

Es war fast so, als hätte sich David mit Goliath angelegt: Im Frühjahr 2007 griff das kleine Südwind-Institut mit noch nicht einmal einem Dutzend Mitarbeitenden den Handels-Riesen Aldi an. In einer Studie belegte Südwind die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen bei den indonesischen und chinesischen Textilzulieferern von Aldi. 

"Es wurde eine der erfolgreichsten Kampagnen des Instituts mit einem großen Medienecho", sagt Südwind-Geschäftsführerin Martina Schaub. Das Südwind-Institut feiert am Freitag sein 25-jähriges Bestehen mit einem Festakt in Bonn.

Zwar lehnte es Aldi 2007 ab, mit Südwind über die Arbeitsbedingungen in den Fabriken seiner Textilzulieferer zu sprechen. Das große Medienecho der Studie ging aber auch an dem Discounter nicht spurlos vorbei. "Aldi trat daraufhin der Business Social Compliance Initiative (BSCI) bei", sagt Schaub. Das ist ein Zusammenschluss von mehr als 80 europäischen Handelsunternehmen zur Überwachung der Sozialstandards in den Lieferländern.

Aus den Ketten lösen

Ein erster Schritt, auch wenn Südwind das nicht für ausreichend hält. Denn die BSCI verweigere sich einer unabhängigen Kontrolle, kritisiert Schaub. Dennoch gelang es Südwind mit der Aldi-Studie, eine breite Öffentlichkeit auf die katastrophalen Arbeitsbedingungen bei den asiatischen Textilzulieferern aufmerksam zu machen. Jahre bevor das Thema durch Unglücke in Fabriken in Bangladesch und Pakistan mit vielen hundert Toten erneut in den Blickpunkt rückte.

Gegründet wurde der Verein Südwind, der Träger des Instituts, 1991 von Christinnen und Christen aus fünf verschiedenen Konfessionen. Die Namenswahl war inspiriert von einem Satz in der Rede des US-amerikanischen Theologen Jim Wallis bei der ökumenischen Weltversammlung 1990 in Seoul: "Heute ist es der Ostwind der Freiheit und Demokratie, der das Alte hinwegfegt. Morgen wird es der Südwind der Gerechtigkeit und der Befreiung sein, der die Unterdrückten aus ihren Ketten löst."

Armutsbekämpfung erfordert anderes Wirtschaften

Martina Schaub: "Es waren die Enttäuschungen über entwicklungspolitische Erfahrungen in den 80er Jahren, die den Impuls zur Gründung gaben." Viele Christen hätten erkannt, dass die Armut in vielen Ländern des Südens nicht ohne eine Veränderung des Wirtschaftssystems beseitigt werden könne. Doch ihre Ideen seien oftmals als naiv abgetan worden. "Die Gründer des Instituts wollten erreichen, dass man die Thesen über die Gründe für die wirtschaftliche Ungerechtigkeit auch mit Fakten untermauern kann", sagt Schaub.

Mittlerweile hat der Verein Südwind 560 Mitglieder, darunter viele Kirchenkreise und Kirchengemeinden. Die Arbeit des Instituts finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen sowie aus Erträgen der 2007 gegründeten Stiftung Südwind, die Ende 2015 über ein Kapital von 363.000 Euro verfügte. Viele Projekte kann das Institut auch durch Fördergelder oder Aufträge finanzieren, unter anderem vom Bundesentwicklungsministerium und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

Vorreiter auch beim Thema Kakao

"Vorreiter waren wir auch beim Thema Kakao", blickt die Südwind-Geschäftsführerin zurück. Mit seinen Analysen machte das Institut darauf aufmerksam, dass die niedrigen Einkommen der Kakaobauern Ursache für die in Westafrika weit verbreitete Kinderarbeit sind. Mit dem alle zwei Jahre erscheinenden Kakao-Barometer analysiert Südwind regelmäßig die Situation der Kakaobauern und die Nachhaltigkeitsansätze der Kakaoindustrie.

Damit habe Südwind schon viel erreicht, sagt Schaub. Während 2009 lediglich zwei bis drei Prozent der Schokoladenproduktion Kakao mit Fairhandels-Siegel etwa von UTZ, der Rainforest Alliance oder Fairtrade verwendete, seien es heute fast 50 Prozent.

Siegel-Kriterien auf den Massenmarkt übertragen

Trotz der Erfolge der vergangenen 25 Jahre bleibe noch viel zu tun, sagt Schaub. Ein großes Thema sei die Diskussion darüber, was über Siegelungen hinaus getan werden muss. Die Siegel für fair gehandelte und nachhaltige Produkte lösten das Problem einer ungerechten Weltwirtschaft nicht grundsätzlich.

Ziel sei es, die Kriterien, die ihnen zugrunde liegen, in den Massenmarkt zu übertragen. Dazu müsse die Sorgfaltspflicht von Unternehmen hinsichtlich Sozialstandards und Nachhaltigkeit gesetzlich verankert werden, fordert Schaub.

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epd / Claudia Rometsch / 15.09.2016



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